Festivalbericht: Mahlstrom Open Air – Donnerstag, 11.06.2026

Vom 11.06. bis zum 13.06.2026 verwandelte sich der idyllische Herthasee bei Holzappel erneut in einen Treffpunkt für Metal-Fans aus nah und fern. Das Mahlstrom Open Air fand wieder statt und bot an drei Tagen ein internationales Line-up aus insgesamt 21 Bands. Musikalisch reichte die Bandbreite von Black- und Death Metal über Folk Metal bis hin zu weiteren Spielarten harter und sanfter Klänge, sodass für nahezu jeden Geschmack etwas dabei war.

Der Donnerstag bildete dabei traditionell den entspannten Auftakt des Wochenendes, bevor die großen Bandmarathons der folgenden Tage begannen. An diesem Tag spielten drei Bands auf der Bühne: Blakylle mit ihrem eiskalten Pagan Black Metal, Mythemia mit ihrem fluffigen Folk Rock und zum Abschluss gab es Weihnachtslieder von ALL WILL KNOW & Friends. Die letzte Band leitete mit ihrem Auftritt auch die legendäre Weihnachtsfeier auf dem Infield ein, die im Anschluss stattfand. Natürlich waren auch wir mit Stift und Kamera vor Ort, um diesen denkwürdigen Festivalauftakt für euch festzuhalten.

 

Blakylle – Der brachiale Auftakt zum diesjährigen Festival

Die erste Band, die die Ehre hatte, dieses Spektakel zu eröffnen, war die Pagan-Black-Metal-Band Blakylle aus der Gegend um den Vogelsberg. Die Veranstalter hatten mit dieser Besetzung direkt zu Beginn einen brachialen Auftakt geschaffen.

Die Musiker der Band erschienen in authentischer Wikingerkleidung auf der Bühne, von den Tuniken über die Beinwickel bis hin zu den Mjölnir-Anhängern um ihre Hälse. Musikalisch bot die Band krachende Akkorde, eingebettet in schwere, eher träge Melodien, begleitet von kehligen Screams. In ihrer Setliste versteckten sich zudem einige bisher unveröffentlichte Leckerbissen. Die Lieder Falke flieg, Bilwis und Wotan sollten noch im Laufe des Jahres auf einer bislang namenlosen EP erscheinen, und die Besucher*innen vor Ort konnten sie bereits live erleben.

Kurz vor dem Auftritt war das Wetter noch trüb und diesig gewesen, ein Zustand, der sich erst am Samstag vollständig legen sollte. Als Blakylle ihr Konzert begann, klarte der Himmel jedoch etwas auf und wir bekamen die ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages zu Gesicht. Zu diesem Zeitpunkt versammelten sich auch die ersten Dutzend Personen vor der Bühne, und schon bald ließen einige von ihnen beim Headbangen die Haare fliegen. Bis zum Ende des Konzerts hatte sich die Anzahl der Besucher*innen vor der Bühne mehr als verdoppelt und tosender Applaus verabschiedete die Musiker.

Neben einigen humorvollen und teils sehr charmanten Ansagen gab es für mich noch einen besonders witzigen Moment. Nach dem ersten Lied Aesir bemerkte Sänger Adrian Wagner, dass die Setlisten für den Auftritt noch nicht verteilt worden waren, und legte sie kurzerhand selbst an die vorgesehenen Plätze. So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt, und ich fand es ausgesprochen erheiternd, dass selbst erfahrenen Hasen gelegentlich solche kleinen Missgeschicke passieren konnten.

Blakylle lieferten einen starken Start, doch sie waren noch längst nicht das Ende dieses ersten Festivaltages.

Blakylle: Aesir // Wo uralte Wasser fließen // Windmal // Stab // Falke flieg // Die Frauen vom bleichen Wald // Wanderer // Bilwis // Wotan

Mythemia – Wir begleiten die Wolkenjäger auf ihre Reise

Nach dem musikalisch rauen und aggressiven Auftritt von Blakylle wurde es mit Mythemia deutlich verträumter und lockerer.

Den Auftritt begann der Drummer, der als Erster die Bühne betrat und sich hinter sein Instrument setzte. Sein eigenes Drumset war dabei vor dem regulären Schlagzeug aufgebaut worden, weshalb er etwas mittiger auf der Bühne saß. Während ein stimmungsvolles Folk-Intro erklang, hob er seine Sticks und eröffnete das Konzert mit einer theatralischen Geste. Die anderen Musiker erschienen kurz darauf auf der Bühne, und mit dem Lied Land in Sicht begann der Auftritt.

Mythemia spielte einen locker-leichten Folk Rock, der zum Schunkeln und Tanzen einlud und dabei auch einige gesellschaftlich relevante Themen behandelte. So ging es im Lied Loreley um die Akzeptanz eines Neins und darum Belästigung zu unterlassen. Verpackt wurden diese Inhalte in verspielte Texte und untermalt von Gitarre, Schlagzeug und Geige. Besonders die Geige rundete die teils schnellen Melodien elegant ab und verlieh der Musik zusätzliche Tiefe und Vielschichtigkeit.

Während des Auftritts veranstalteten die Besucher*innen vor der Bühne ein kleines Fest. Es wurde geschunkelt, getanzt, geklatscht, mitgesungen und mehrmals in einer Polonaise durch die Crowd gezogen. Zwischendurch bildete sich sogar ein gemütlicher Circle Pit und die anwesenden Kinder wurden immer wieder spielerisch in das Geschehen eingebunden. Über der gesamten Szenerie schwebten Seifenblasen, die eines der Kinder mit einem Spielzeug in die Luft schoss. Für mich rundete dieses Detail die ohnehin schon ausgelassene  Stimmung perfekt ab.

Zwischendurch machten die Musiker auch etwas Werbung in eigener Sache. Fünf Wochen nach dem Auftritt sollte ihr neues Album Wolkentänzer erscheinen, begleitet von ihrer ersten eigenen Headliner-Tour. Von diesem kommenden Werk spielten sie an diesem Tag eine ganze Reihe von Liedern: Land in Sicht, Wenn nicht jetzt?, Schlechte Heuer, guter Wind, Loreley, Der Barde (2026) und Wolkenjäger. Zu meiner Überraschung gab es außerdem ein Cover von Heute hier, morgen dort.

Dieses Stück bildete nahezu den Abschluss des Konzerts und wurde mit einem Medley bekannter Shantys verbunden. Zunächst spielten die Musiker das Lied von Hannes Wader, bevor sie nahtlos zu Seefahrerliedern wie Leave Her Johnny und weiteren Klassikern übergingen. Anschließend kehrten sie zum ursprünglichen Lied zurück und beendeten das Medley. Für mich war dies der Höhepunkt eines rundum gelungenen Auftritts von Mythemia.

Mythemia: Land in Sicht // Feenstaub // Nimmerland // Wenn nicht jetzt? // Absturz // Schlechte Heuer, guter Wind // Phantom // Loreley // Der Barde (2026) // John Ryan // Wolkenjäger // Nebelmeer // Heute hier, Morgen dort (Cover Hannes Wader) plus Medley // Setzt die Segel

ALL WILL KNOW & Friends – Ein akustischer- und inszenatorischer Fiebertraum mit Lametta und Kunstschnee

 

Wir hatten knallharten Metal und fluffigen Folk erlebt, aber was sollte danach noch folgen? Natürlich Weihnachtslieder! Während Mythemia auf der Bühne gespielt hatte, hatte die Crew bereits damit begonnen, Weihnachtsdekoration anzubringen, und viele der Besucher*innen zogen sich geschwind einige der wohl hässlichsten Weihnachtspullover an, die ich je gesehen hatte. Der folgende Auftritt von ALL WILL KNOW & Friends wurde zu einem Fiebertraum aus weihnachtlicher Nächstenliebe und einem meiner schrägsten Konzerterlebnisse überhaupt.

Doch erst einmal von vorn: Während der Umbaupause standen Dutzende Besucher*innen festlich gekleidet vor der Bühne und starrten auf ihre Handys, ganz wie an einem echten Weihnachtsabend. Dann erschien die Band und verkörperte mit ihren Kostümen all die wichtigen Figuren der Weihnachtszeit: Da waren der Weihnachtsmann, ein Engelchen, zwei Tannenbäume (einer aus Plastik und einer mit musikalischen Fähigkeiten) und natürlich ein Rentier. Diese Gestalten tauchten im Neuen Testament schließlich auch alle irgendwo zwischen den Zeilen auf…

In der folgenden Stunde, die die Band wiederholt als „Halb-Weihnachten“ bezeichnete, wurden einige der bekanntesten Weihnachtslieder gespielt, darunter Let It Snow und All I Want for Christmas Is You von Mariah Carey. Der zentrale Unterschied zum winterlichen Weihnachten bestand darin, dass sich die Menschen um mich herum tatsächlich darüber freuten. Aufgelockert wurde das Ganze durch Coverversionen von War Pigs von Black Sabbath und Daylight in Your Eyes von den No Angels, die aus voller Kehle und mit dem Brustton der Überzeugung mitgesungen wurden.

Doch damit endete der Wahnsinn des Abends noch lange nicht. Die Crowd platzierte einen der Stehtische direkt am Wellenbrecher, um aus der ersten Reihe heraus Kekse zu futtern und Glühwein zu schlürfen. Natürlich hatte das Mahlstrom Open Air auch an den Glühwein gedacht. Der bereits erwähnte Tannenbaum (nicht der mit dem Instrument in seinen Händen) wurde schließlich von der Bühne mitten zwischen die Besucher*innen gestellt. Beim Lied Rockin’ Around the Christmas Tree bildete sich ein rasanter Circle Pit um ihn herum und diese baumzentrierten Pits wiederholten sich bei mehreren der folgenden Songs. Bei Jingle Hells verwandelte sich der Circle Pit sogar in einen aggressiven Moshpit. ALL WILL KNOW & Friends hatten die Messlatte für eskalierende Besuchergruppen auf dem Infield für die kommenden Bands damit erstaunlich hoch gelegt.

Für Run Rudolph Run hatten sich die Musiker eine besonders absurde Darbietung ausgedacht. Sänger Jan bekam in seinem Kostüm ein Halsband samt Leine umgelegt und zusammen mit dem Geweih auf seinem Kopf sah er wie ein braves Rentier aus und so wurde er während des Liedes auf allen Vieren über die Bühne und hinunter vor den Wellenbrecher geführt. Dort setzte sich der zweite Sänger kurzerhand auf Jans Rücken und ließ sich für einige Augenblicke von ihm tragen. Wie bereits erwähnt: Dieser Auftritt war ein einziger Fiebertraum!

Kurz vor dem Abschluss wurde der Plastikbaum noch einmal von einem Besucher ergriffen, der damit eine lange Polonaise anführte. Allerdings wurde dabei gerannt statt getanzt und auf die übrigen Teilnehmer*innen und ihre Teilnahme wurde wenig Rücksicht genommen. Es wirkte eher wie eine wilde Verfolgungsjagd quer durch die Reihen, während der Baum wiederholt von einer Seite zur anderen getragen wurde.

ALL WILL KNOW & Friends und die Crew des Mahlstrom Open Airs hatten mit dieser Halb-Weihnachtsparty ein denkwürdiges Spektakel auf die Beine gestellt und meine Abneigung gegen Weihnachtslieder in ungeahnte Höhen getrieben. Danke dafür!

All Will Know & Friends: We Wish You Last Xmas // Santa Claws // Deck The War Pigs // Daylight // God Rest Ye Merry Gentlemen // Rockin´Around The Christmas Tree // O Come All Ye Faithful // Jingle Hells // Run Rudolph Run // The Riddle // Let It Snow // Verwandschaftsfressen // Auld Lang Syne // Zugabe: Let It Snow 

Nach den Auftritten dieser drei Bands, die unterschiedlicher kaum hätten sein können, verzogen sich viele Besucher*innen unter das Partyzelt, um dem Regen zu entgehen und sich mit weiteren festlichen Getränken einzudecken. Für mich war es ein wirklich denkwürdiger Warm-up-Tag und ich konnte die kommenden beiden Festivaltage mit ihren vielversprechenden Line-ups kaum erwarten.

 

 

Bericht: Nori
Bilder: Roksana und Matthias

 

Mehr zum diesjährigen Mahlstrom Open Air findet ihr hier:

 

Frühere Beiträge zum Mahlstrom Open Air findet ihr hier:

 

Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:

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