Saltatio Mortis sind wieder auf Burgentour! Nach der Burgentour Finsterwacht 2024 trägt diese Tour den Untertitel Staub & Schatten. Und auch dieses Mal machte die Band Halt in Franken. Dieses Mal mussten die Fans jedoch nicht die Burgruine in Wertheim erklimmen, sondern nur den Weg zum altehrwürdigen Gut Wöllried in Rottendorf bei Würzburg auf sich nehmen, wo im Zuge der Kulturtage seit der Pandemie Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Comedyauftritte stattfinden.
Um 18 Uhr öffnete das Gut seine Tore für die Besucher und ließ die Besucher langsam einströmen. Der Platz war zu dem Zeitpunkt noch in grellen Sonnenschein gehüllt und bei 33°C auch nicht viel weniger warm als der letzte Besuch der Band mit der Burgentour. Im Verlauf des Einlasses wanderte der Schatten dann auch so weit, dass zu Beginn nur noch die vordersten Reihen in der Sonne standen, die Band sollte aber noch ein wenig von der Sonne abbekommen.
Vorhang auf für Saltatio Mortis
Um 19:30 Uhr fiel der Vorhang für Saltatio Mortis. Alea, der schneller als der Vorhang zu Boden fiel, dann seinen Platz auf dem Bühnensteg annahm, legte direkt voller Energie los. Die Bühne, im Vergleich klein zu den anderen auf dieser Tour, war mit den sechs Musikern und später zwei Showtänzerinnen auch ordentlich gefüllt, was optisch manchmal nach Gewusel auf der Bühne wirken, aber Erinnerungen an die Auftritte auf den MPS-Bühnen wecken konnte, auf denen die Band groß geworden war. Aber genug Exposition, kommen wir zur Musik: Mit Ich habe keine Angst eröffneten Saltatio Mortis das Set direkt mit einem neuen Lied, fruchtend aus der Zusammenarbeit mit Torsten Weitze zu seiner Fantasy-Buchreihe „Der Prinz von Staub und Schatten“. Das Publikum zeigte sich auch gerade bei dem neuen Material textsicher; wie gut, dass direkt darauf eines der älteren Stücke des Abends folgen sollte.
Denn Wo sind die Clowns sorgte direkt für Bewegung und Spaß im Publikum, Alea trat auch direkt an das Publikum heran, um es anzufeuern. Nach dem Song erzählte er, dass er und der Rest auf der Bühne durch die Sonne, die ihnen direkt ins Gesicht schien, das Publikum wirklich nicht sehen könnten, und dieses deshalb besonders laut sein solle!
Geschichten aus dem Hohen Norden und noch mehr
Mit Brunhild war dann auch der Zeitpunkt gekommen, an dem die sechs Spielmänner auf der Bühne etwas weibliche Unterstützung in Form der zwei Tänzerinnen bekamen, die bei den nachfolgenden Songs der Show ein wenig mehr Aktion verleihen sollten. Was der Show auch ab dem Zeitpunkt mehr Aktion verleihen sollte, waren die Pyro-Effekte, die zwar bei hellem Sonnenschein noch nicht ihre volle Pracht entfachen konnten, allerdings dazu beitrugen, die vorderen Reihen ordentlich durchzugaren. Nachdem es sich zu Große Träume showtechnisch wieder mehr aufs Wesentliche konzentrierte, sollte mit Loki ein früher Höhepunkt eingeleitet werden, primär in Hinblick auf den Pyro-Einsatz. Odins Raben und Heimdall schlugen in eine ähnliche Kerbe und erzählten weitere Geschichten aus dem hohen Norden.
Zu Der Himmel muss warten versammelte sich die ganze Band am vorderen Bühnenrand, samt Schlagzeuger Jean mit einem Davul. Das Stück funktioniert wunderbar als Call and Response-Stück, und so handhabte dies die Band, indem Alea vorsang und der Rest der Band zusammen mit dem Publikum den Text spiegelte. Wenn die Band jedoch ohnehin schon anders aufgestellt war, durfte auch ein weiteres Stück so gespielt werden, und da entschied sich die Band für einen der Klassiker eines jeden Marktes: Was wollen wir trinken.
Nachdem sich nach dem Song die Bühnenformation wieder auf Werkseinstellungen zurücksetzte, nutzte Alea die Zeit, sich für das folgende Stück in Schale, … oder Mantel zu werfen. In einem nicht ganz sommertauglichen Mantel performte er Pray to the Hunter, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken. Da das Lied ein Fan-Favorit ist, sang auch das Publikum begeistert mit. Dem folgte dann auch wieder eines der Stücke, der Staub-&-Schatten-Ära , Ich schrei deinen Namen in die Nacht, welches vom Publikum absolut mitzelebriert wurde.
Apropos Publikum: Das hatte beim folgenden Song eine tragende Rolle eingenommen. Zu My Mother Told Me wurde ein Langschiff vor die Bühne gebracht, in dem Alea im folgenden Lied eine Runde drehen sollte. Dabei bat er das Publikum um eine raue See, und so sorgte das Publikum für ein ordentlich hüpfendes Langschiff auf dem Händemeer, was ihn auch für einen Moment herausbrachte. Alea erwähnte, dass man ihn bitte nicht in das Loch im Publikum (wobei ein abgesperrter Bereich des Geländes gemeint war) werfen solle. Das Publikum schaffte es, ihn gut herumzumanövrieren. Im Anschluss wechselte er wieder auf die Bühne und setzte zu Valhalla Calling an.
Doch wir sind noch nicht am Ende angekommen.
Mit We Might Be Giants und Mittelalter kam noch weitere Bewegung ins Publikum. Doch ein wirklicher Höhepunkt folgte erst im Anschluss, mit einem weiteren Stück aus der Staub-&-Schatten-Ära: Tanz der Tausend Klingen. Das Lied kam unfassbar gut an, das Publikum zeigte sich weiterhin textsicher, die Band motiviert, und das zog sich auch weiter zum nachfolgenden Lied Vogelfrei.
Da das Covern mittlerweile zum guten Ton in der Szene gehört, folgte noch ein weiteres Cover. Zu Keine Regeln drehte die Crowd noch einmal ordentlich auf, aber auch die Band selbst, mit den beiden Tänzerinnen in 90er-Jahre-Gymnastikanzügen, machten sie erneut ordentlich Stimmung!
Favoriten, Klassiker, große Gefühle.
So langsam setzte sich mit dem abnehmenden Tageslicht auch das Gefühl, dass es bald aufs Ende des Konzerts zugeht. Unter anderem auch durch das Aufspielen eines altbekannten Liedes, das traditionell am Ende der Setlist dem Publikum wortwörtlich noch einmal ordentlich Feuer unter dem Hintern machen sollte. Die Rede ist natürlich von Prometheus. Begleitet von einem Händemeer, einer ordentlichen Ladung Pyro, bei der dann sichtbar wurde, dass ein Teil der Pyrotechnik im Laufe des Abends den Geist aufgegeben hatte, und Gesangschören fing der Anfang vom Ende an. Da wurde wieder klar, dass hier nicht nur Saltatio Mortis für ihre Musik brennen, nein, auch ihr Publikum.
Doch dem Kracher folgte dann auch ein weiterer, nicht ganz so alt und dennoch schon jetzt ein Lied, das große Gefühle auslöst. Für immer jung wurde mit aller Energie, die das Publikum hatte, mitgesungen und zelebriert. Danach verabschiedete sich die Band schnell von der Bühne und während die „Saltatio – MORTIS“ Rufe begannen, nutzte die Band die Zeit für eine Verschnaufpause vor dem Finale.
Und mit dem ikonischen Intro der Finsterwacht erwachte die Bühne nach kurzer Zeit wieder zu Leben. Für dieses 9-Minuten Epos hatte sich Alea auch in Schale geworfen und kam in strahlend-weiß zurück auf die Bühne. Die beiden Tänzerinnen tauschten derweil das Tanzbein gegen das Schwert, wohlgemerkt je ein brennendes Schwert. Die Finsterwacht feierte vor 2 Jahren erst eine eigene Burgen-Tour und war deshalb den Fans gut bekannt, die dieses Lied natürlich als das Highlight, das es war, mit Freude zelebrierten, bevor es zum großen Finale übergehen sollte.
Manche Dinge dürfen sich nicht ändern, so auch das letzte Lied einer Saltatio Mortis-Show nicht. Mit dem Spielmannsschwur wurde nicht nur ein letztes Versprechen des Abends getätigt, sondern auch ein großartiger Abend mit lautem Mitsingen und Händen in der Luft zu Ende gebracht. So mancher wird auch an dieser Stelle den Rest der Stimme nun auch verloren haben.
Nach der Show strömte das Publikum langsam aus dem Gut Wöllried, mit der Hoffnung, dass sie kommendes Jahr wieder ein Höhepunkt in dieser schönen Venue erwarten würde.
Setlist: Ich habe keine Angst // Wo sind die Clowns // Brunhild // Große Träume // Loki // Odins Raben // Heimdall // Der Himmel muss warten // Was wollen wir trinken // Pray to the Hunter // Ich schrei deinen Namen in die Nacht // My Mother Told Me / Valhalla Calling // We Might Be Giants // Mittelalter // Tanz der Tausend Klingen // Vogelfrei // Keine Regeln (FiNCH Cover) // Prometheus // Für immer jung // Finsterwacht // Spielmannsschwur
Fazit:
Saltatio Mortis ist primär eins: eine grandiose Live-Band! Und mit der Burgentour kehrt die Band auch ein wenig zurück zu dem, was sie groß gemacht hat: Auftritte bei Wind, Sonne, Regen vor einem Publikum, das richtig Lust darauf hat. Bei einer vollen 2 Stunden-Show und 20+ Songs bietet es auch genug, auch wenn ich glaube, dass ein wenig mehr Staub und Schatten hätten dabei sein dürfen.
Bericht: Roksi
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