Konzertbericht: Devil May Care – Jahresabschlusskonzert 2025

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind? Ob das stimmt, sei dahingestellt – sicher ist jedoch, dass Devil May Care Jahr für Jahr im Dezember noch einmal in der Würzburger Posthalle Halt machen, um ihren ganz eigenen Konzert-Jahresabschluss mit dem heimischen Publikum zu feiern. So verschlug es auch uns von Dark-Art erneut in die heiligen Hallen der Post im Herzen Würzburgs, wo sich dieser Termin längst als feste Größe im Konzertkalender etabliert hat. Und wenn Devil May Care zur Jahresabschlussshow laden, ist schnell klar, dass es sich dabei nicht um einen gewöhnlichen Konzertabend handelt. Auch 2025 nutzte die Band diesen besonderen Rahmen, um gemeinsam mit ihren Fans das Jahr zu beschließen und gleichzeitig ein deutliches Zeichen zu setzen, wo sie aktuell steht. Die Show wirkte dabei weniger wie ein nostalgischer Rückblick, sondern vielmehr wie ein selbstbewusster Statusbericht zum Jahresende – emotional, energiegeladen und ganz im Zeichen der engen Verbindung zwischen Band und Publikum.

Leyka

Doch Devil May Care kam nicht alleine, sondern hatten noch ihre Freunde von Impvlse und Leyka, welche den Auftakt hinlegten. Und was war das für ein Auftakt?! Das Mainzer Quintett legte voller Energie und Euphorie von der ersten bis zur letzten Sekunde mit 150% Leistung los und bildete den perfekten Einstieg in einen Abend voller Metalcore-Power. Einfach nicht ganz so glatt gebügelter Metalcore, mit Ecken und Kanten, wie es für rebellische Musik auch sein soll. Musiker, die wirklich ihr Handwerk verstehen und einen wunderschönen, natürlichen Flow auf der Bühne ausstrahlen, wie man es von Vollprofis kennt und wie es einen mitreißt. Sehr energiegeladen mit Top-Performance, großartiger Stimme, die genau richtig mit den zwei Backgroundvocals kombiniert, das klangliche Gesamtkonzept perfekt abrundete. Und dies machte sich auch unter den Gästen bemerkbar, die bereits zum Opener einen wilden Circle Pit starteten und von Anfang an alles gegeben haben. Und so kann ich Leyka nur jedem Fan der Branche wärmstens ans Herz legen, einmal eine Chance wahrzunehmen, diese Energie live zu teilen. Alles, was mich daran störte, war die Frage, die in mir aufkam, ob und wie das an diesem Abend noch getoppt werden soll. „Schwierig“, sprach mein inneres Ich, „aber lassen wir uns einmal überraschen, der Abend hatte ja erst begonnen.“

Leyka: Sworn // Prisoners // The Shelter // The Missing Piece // Affliction // Coffin Nail // Twentyseven // Fences

Impvlse

Und leider kam es dann auch so wie befürchtet, als Impvlse die Bühne betrat. Ich möchte mich über diese Band auch sehr kurz halten, da ich nicht zu sehr ausschweifen möchte in dem, was ich dazu zu sagen habe. Ja, musikalisch war dies „in Ordnung“ sage ich mal, jedoch leider genau das, was mich am Metalcore so abf*ckt. Standardisierung, alles klingt gleich, keine Ecken und Kanten, aalglatt gebügelt und einfach langweilig und wenig, was einen daran reizen kann. Hier war wieder das beste Beispiel dafür, wie wir einmal alle „modernen“ Elemente der 90er-Nu-Metal-Bewegung mit „Core“ mischen, unsere Choreografie auf, wirken dabei zwar professionell, aber halt auch nicht spannend und vor allem nicht natürlich, was in meinen Augen immer ein ungenügendes Zeichen ist und nicht authentisch wirkt. Und das war das ganze Rezept hinter dem Konzept der Band. So lief einfach auch alles nach Schema F ab und wirkte bereits nach einem Song superlangweilig. Dazu kam noch eine merkwürdige Selbstdarstellung des Sängers, bei der ich mich fragen musste: Will er mich anmachen und sich in seiner eigenen „Schönheit“ suhlen oder will er mir eine Versicherung verkaufen? Ich weiß es bis jetzt nicht, aber auch dies zeigt nur, wie unnatürlich der Auftritt auf mich wirkte. Dies zu verallgemeinern, will ich jedoch auch nicht, da es hier ja nur mein persönlicher Eindruck ist. Dennoch muss man auf jeden Fall hervorheben, dass es den Leuten in der Halle wohl schon gefallen hat, auch wenn ich das Gefühl nicht loswurde, dass die Energie im Raum wieder etwas abnahm, was jedoch auch an der „softeren“ musikalischen Aufmachung im Vergleich zu Leyka lag. Professionell war es jedoch auf jeden Fall und wurde auch so durchgezogen, und das an allen Fronten einer Band. Davor möchte ich auch meinen Respekt ausdrücken, da dies eine anerkennenswerte Leistung ist, vor der ich auch meinen Hut ziehe. Leider für mich etwas enttäuschend, jedoch nicht herausragend.

Devil May Care – Jahresabschlusskonzert

Als schließlich der Moment des Finales gekommen war und die Lokalmatadore von Devil May Care die Bühne betraten, wurde unmittelbar deutlich, weswegen ein Großteil der Gäste an diesem Abend den Weg in die Posthalle gefunden hatte. Unter tosendem Applaus stürmten die Musiker mit sichtbarer Freude und spürbarer Energie auf die Bühne, bereit, im Kreis ihrer „Familie“ ein letztes Mal im Jahr 2025 gemeinsam Gas zu geben. Diese besondere Atmosphäre war von der ersten Sekunde an greifbar – und sie blieb es über die gesamte Show hinweg.

Musikalisch setzte die Band dabei von Beginn an auf Intensität. Der Sound war dicht, modern und kompromisslos, getragen von schweren Riffs und einer Atmosphäre, die sich förmlich durch den Raum zog. Live entfalteten die Songs genau jene Wucht, für die Devil May Care auf der aktuellen Tour stehen: kontrollierte Aggression, emotionale Spannungsbögen und ein klarer Fokus auf Wirkung statt Überladung. Gleichzeitig brachte die Band eine genau dosierte Punk-Attitüde mit auf die Bühne, die dem Abend eine gewisse Unmittelbarkeit verlieh und das Gesamtbild angenehm auflockerte. Dieser rohe, leicht ungeschliffene Charakter zog sich durch den gesamten Auftritt und trug Devil May Care souverän durch das Set. Die Posthalle verwandelte sich dabei mehr und mehr in einen brodelnden Hexenkessel – das Publikum feierte jede Bewegung, jeder Refrain wurde mitgetragen, der Saal tobte regelrecht.

Auffällig war dabei, wie sehr das Konzert als gemeinsames Erlebnis gedacht war. Die Jahresabschlussshow wirkte weniger distanziert als viele reguläre Tourstopps, vielmehr wie ein kollektiver Moment zwischen Band und Fans. Devil May Care suchten immer wieder den direkten Kontakt zum Publikum, ohne dabei den Fluss der Show zu unterbrechen. Die emotionale Nähe war kein kalkulierter Effekt, sondern ein ehrlicher Bestandteil des Abends. Auch musikalisch zeigte sich, dass Devil May Care ihre Songs konsequent für die Bühne schreiben. Die Stücke funktionierten live durch klare Strukturen und eine starke emotionale Ansprache. Neue Songs fügten sich nahtlos in das Set ein und unterstrichen den Eindruck, dass die Band ihren aktuellen Sound gefestigt hat – kühl, drückend und zugleich persönlich. Als Jahresabschluss konzipiert, hatte der Abend spürbar mehr Gewicht als ein normales Konzert. Es ging nicht nur darum, Songs zu spielen, sondern darum, ein Jahr gemeinsam zu verabschieden und einen Punkt zu setzen. Genau darin lag die Stärke der Show: fokussiert, geschlossen und bewusst inszeniert, ohne ihre Spontaneität zu verlieren.

Zusammengefasst hinterließ Devil May Care in der Posthalle den Eindruck einer Band, die live genau weiß, was sie tut. Die Jahresabschlussshow 2025 war kein bloßes Heimspiel, sondern ein intensiver, direkter Abend, der Fans emotional abholte und gleichzeitig deutlich machte, wie konsequent Devil May Care ihren Weg weiterverfolgen.

Devil May Care: What Really Matters // Amen // Into The Abyss // Caving In // Calm Waters – Intro // Calm Waters // And Now It’s Cracking // Downfall // Himalaya // Mosaik // Dayblind – Intro // Dayblind // Mantra // Chakra // Delirium // Painter // Just Smiling // Let The River Run // Blcak Box – Intro // Black Box // Limit // Tech Will Fix It // The Snow // Dead Ember

Bericht: Jonas
Bilder: Roksana

 

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