Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Samstag, 04.04.2026 – Teil 2

Als sich Anfang April die Tore des Backstage in München öffneten, begann erneut ein Wochenende voller Dunkelheit, donnernder Drums und frostiger Melodien. Das Dark Easter Metal Meeting kehrte zurück und mit ihm eine Welle aus Black- und Death Metal. Zwei Tage lang tauchten wir tief in die Klangwelten der auftretenden Bands ein und waren wieder mit Kamera und Stift unterwegs, um dieses besondere Festival für euch einzufangen.

In diesem Bericht werden die Auftritte auf den beiden Nebenbühnen in der Halle und dem Club vorgestellt. Da wir im Team mit nur einer schreibenden Person arbeiten, können nicht alle Konzerte textlich erwähnt werden, aber dafür gibt es von jeder Band Bilder, welche euch einen visuellen Eindruck von den einzelnen Gigs gibt. Für die Auftritte auf der Hauptbühne lest Teil 1 vom Samstag.

Severoth

Das ukrainische Musikprojekt Severoth gab sich die Ehre, als erste Band dieses Festivals in der Halle zu spielen. Nach dem aggressiven Black Metal von Koldbrann war der Atmospheric Black Metal für mich eine willkommene Abwechslung. 

So hatten mich Severoth mit ihrer dichten, schweren Klanglandschaft und den heiseren Screams des Sängers in andere Sphären entführt. Unterbrochen wurde meine Trance nur durch wiederholte Publikumsinteraktion der Musiker, wobei sich mit jeder entsprechenden Aufforderung der Musiker die Anzahl der emporgestreckten Fäuste steigerte.

Die einzelnen Musiker waren anfangs noch ruhig in ihrem Spiel geblieben und hatten sich kaum von ihren Plätzen bewegt. Mit der Zeit hatten sie sich jedoch in ihrer Energie gesteigert, ähnlich wie das Publikum in seiner Stimmung. Im letzten Drittel der Show rannten die Künstler schließlich, ihre Instrumente spielend, durch das Stroboskoplicht . Dabei wurde ihr Black Metal schneller und ereichte mit hohem, kraftvollem Klargesang einige beeindruckende Momente.

Insgesamt lieferten Severoth einen wirklich beeindruckenden Atmospheric Black Metal und waren für mich eine der ersten Überraschungen des Festivals (von denen noch einige weitere folgen sollten) . 

Setliste: Winter Sang Her Lullaby // Sunrise Will Come // And Winter in My Heart // Far Above the Sky

Miserere Luminis

Meine erste Band im Club war in diesem Jahr die kanadische Formation Miserere Luminis. Die anderen Besucher*innen hatten sich dort bereits dicht zusammen gedrängt und schauten mit erwartungsvollen Blicken zur Bühne, bis der Auftritt begann. Die Musiker präsentierten sich in schlichter, schwarzer Kleidung, ergänzt mit goldenen Halb- und Vollmasken, und lieferten einen beeindruckenden Auftritt.

Musikalisch handelte es sich um Atmospheric Black Metal mit einigen erstaunlich verspielten melodischen Spitzen. Dadurch erhielt der Auftritt in manchen Momenten eine fast sphärische Leichtigkeit, eingebettet in ein dichtes Instrumentenspiel. Das Publikum wippte synchron im Takt, was von der Tribüne aus einen beeindruckenden Anblick bot. Als die Band zwischendurch das Tempo anzog, wurden vereinzelt die Fäuste in die Höhe gereckt. Eine besondere Stärke der Band war der dreistimmige Gesang: Neben dem Sänger übernahmen auch der Gitarrist und der Schlagzeuger kurze Gesangsparts.

Ein besonderer Moment ergab sich durch eine kurze Panne an den Gitarrenpedalen. Gitarrist Gaël Poisson-Lemay aka Neptune  hantierte an dem Gerät, während Sänger Annatar ihm mit einer kleinen Taschenlampe leuchtete. Die übrigen Bandmitglieder spielten unbeirrt weiter, und kaum war das Problem behoben, kehrte der Sänger ans Mikrofon zurück und fügte sich nahtlos wieder in das musikalische Geschehen ein.

Die Setlist bot zudem eine kleine Premiere für die Besucher*innen: Zum ersten Mal spielte Misere Luminis an diesem Abend mit Les fleurs de l’exil Material aus ihrem neuesten Album Sidera (2026).

Als der letzte Akkord verklungen war, reckte sich ein Meer aus Teufelshörnern aus dem Publikum. Dieser Moment bescherte mir eine echte Gänsehaut.

Setliste: Les fleurs de l’exil // De cris et de cendes // La fêlure  des anges // Ciel tragique // Noir fauve

Auðn

Aus dem weit entfernten Island war die Band Auðn angereist und spielte einen unglaublich intensiven Auftritt in der Halle. Die Musiker trugen schlichte schwarze Jacken, verzichteten auf aufwändige Bühnenoutfits oder Make-up und auch nach Bühnendekoration suchte man vergeblich.

Die Band begann ohne Umschweife: Ohne Ansage oder Intro starteten sie direkt energisch in ihren Auftritt. Ihr Black Metal war von einer unruhigen, schnellen und energiegeladenen Art, geprägt von schneidenden Riffs und eindringlich anklagenden Screams. Auch die Inszenierung spiegelte diese Unruhe wider und unterstrich die musikalische Intention eindrucksvoll. Das Licht flackerte rastlos und kam keinen Moment zur Ruhe.

Im Mittelpunkt stand Sänger Hjalti Sveinsson mit seiner besonders intensiven Bühnenperformance. Während des Gesangs tigerte er unstet über die Bühne, krümmte sich oder bäumte sich immer wieder auf. Wenn er hinter einem anderen Bandmitglied stehen blieb, wirkte er wie ein rachsüchtiger Geist und legte sich eine klauenartig gekrümmte Hand an den Hals. Allein für diese Darbietung hatte sich der Besuch der Halle an diesem Tag gelohnt.

In einer kurzen und sehr freundlichen Ansage erzählte der Sänger, dass sie noch 24 Stunden zuvor in einem Schneesturm auf Island festgesteckt hatten, nur um nun in Deutschland beinahe sommerliche Temperaturen vorzufinden.

Die erste Hälfte der Setlist bestand ausschließlich aus Songs ihres Albums Vökudraumsins fangi, dessen Titeltrack später ebenfalls den Abschluss des Auftritts  bildete und das Konzert mit beeindruckender Intensität beendete. Besondere Highlights waren die Stücke Haldreipi hugans und Prísund, die vom ersten Album stammten und vom Sänger ausdrücklich hervorgehoben wurden.

Setliste: Verður von að bráð // Drepsótt // Einn um alla tíð // Eldborg // Þjáning heillar þjóðar // Haldreipi hugans // Prísund // Vökudraumsins fangi

TodoMal

Das Dark Easter Metal Meeting ist eines dieser Festivals, das die Besucher*innen jedes Jahr mit zahlreichen besonderen Auftritten verwöhnt. Im Fall von TodoMal waren ich und viele andere Zuschauer*innen bei ihrem ersten Gig in Deutschland dabei  und dieser Auftritt war für mich etwas ganz besonderes. 

Zwar waren zu Beginn vergleichsweise nur wenige Besucher*innen im Club, doch im Laufe des Konzerts füllte sich die Venue zunehmend. Vor der Bühne gab es ausreichend Platz, sodass einige Besucher*innen hemmungslos headbangten und sich frei zur Musik bewegten, während viele andere wie in Trance mit den Köpfen wippten oder von der Empore aus gespannt nach unten blickten.

Die Musik bewegte sich zwischen Black- und Doom Metal, durchzogen von progressiven Einflüssen, und erschuf so ein ganz eigenes Klangerlebnis. Nach dem zuvor überwiegend aggressiven- und/oder schweren Black Metal war dies für mich eine willkommene Abwechslung. Die rockigen Riffs waren ein echtes Highlight, und selten hatte ich einen so leidenschaftlichen Drummer erlebt. Javier Martínez spielte wie eine wildgewordene Bestie auf seinem Instrument. Aufgelockert wurde das Ganze durch das Spiel von Cecilia Tallo am Keyboard, welches der Musik eine melodische Tiefe und Rundung verlieh. In Kombination mit dem klaren, rauchigen Gesang entstand so eine spannende und vielschichtige Klangmischung.

Meine musikalischen Highlights waren Gods Fucking in the Sky mit seinen deutlich aggressiveren, rockigeren Riffs und einer bedrohlichen Stimmung, die das Publikum spürbar aufwühlte, sowie Born of the Earth. Dieser Song wurde von einem Orgelspiel eingeleitet, was ich als stimmigen und atmosphärischen Abschluss des Sets empfand.

Setliste: High Time // Silent Mass // Ultracrepidarian // Gods Fucking in the Sky // Inferno Tristi // Coalescence // Antichrist of Love // Born of the Earth 

 

Secrets of the Moon

Die Band Secrets of the Moon durfte am Samstag als Headliner der Halle den Tag abschließen. Als würdiges Ende des ersten Festivaltags spielten die Musiker ein besonderes Set zum 20-jährigen Jubiläum ihres Albums Antithesis.

Kaum war der Vorhang gelüftet worden, entlud sich ein Sturm aus flackerndem, blauem Licht und rasenden Akkorden über dem Publikum. Die dichte Klangmauer wurde dabei immer wieder von kantigen, rockigen Riffs sowie kräftigem, tiefem Klargesang durchbrochen.

Die Bühnendekoration bestand aus zwei Stoffbannern mit dem Logo des Albums Antithesis sowie einem kleinen Räuchergefäß am Rand des Schlagzeugs. Ein Totenkopf, in den mehrere Räucherstäbchen gesteckt waren, hüllte vor allem die erste Reihe in einen intensiven Duft.

Trotz der späten Stunde zeigte sich das Publikum erstaunlich aktiv: Lautstark wurde mitgesungen, und zahlreiche Teufelshörner reckten sich der Bühne entgegen.

Gegen Ende gab es noch eine besondere Überraschung für die Besucher*innen: Christopher Ruf von Schammasch, die zuvor in der Halle gespielt hatten, betrat ohne Ankündigung die Bühne und sang gemeinsam mit Lars Plegge von Secrets of the Moon im Duett. Der Gastmusiker erschien in seinem markanten Bühnenoutfit aus schwarzem Stoff mit goldenen Ornamenten, wodurch er sich deutlich vom restlichen Geschehen abhob.

Der Auftritt erwies sich als voller Erfolg, was sich nicht zuletzt im minutenlangen Jubel zum Abschluss widerspiegelte.

 

Damit endete der erste Festivaltag des Dark Easter Metal Meeting, ein Tag, der ganz im Zeichen von Black Metal in seinen unterschiedlichsten Facetten sowie kraftvollem Death Metal stand. Bereits dieser Auftakt zeigte eindrucksvoll, welches Niveau das Wochenende bereithielt. Doch dies war erst der Anfang: Am zweiten Festivaltag sollten noch zahlreiche weitere Highlights folgen, über die wir euch im nächsten Bericht berichten werden.

 

 

Weitere Bilder

Kyi

Sakis Tolis

Nornir

Schammasch

Hypnos

 

Bericht: Maximilian
Bilder: Matthias

 

Mehr zum diesjährigen Dark Easter Metal Meeting findet ihr hier:

Frühere Beiträge zum Dark Easter Metal Meeting findet ihr hier:

 

Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:

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