Festivalbericht: Prophecy Fest 2025 – Cave of Balve Day 1 – Freitag, 12. September

Nach dem regnerischen und durchnässten Auftakt vom Vorabend ging es am nächsten Tag mit schönem Wetter weiter, doch für die Haupttage des Prophecy Fests ist das Wetter nicht von großer Bedeutung, denn am Vormittag öffnete Europa größte Kulturhöhle ihre Pforten für einen Tag voller spannender Auftritte, die wir euch hier präsentieren:

Kall

Mit der schwedischen Band Kall kam es zu Beginn zu einem höchst interessanten Auftritt einer Band mit besonderer Historie. Denn die Gruppe entstand im Endeffekt erst aus der Asche von Lifelover, nachdem diese folgend auf den Tod eines Mitglieds aufgelöst wurde, doch dazu mehr im Bericht zum entsprechenden Auftritt. Dabei ist diese Band nun kein einfacher Abklatsch des Vorgängers, sondern weiß mit einem sehr eigenständigen Stil zu überzeugen, mischen sie seit 2012 eine Art Depressive Black Metal mit verschiedenen Rock-, Shoegaze- und Psychedelicel-Elementen, dessen Ergebnis über bisher zwei vollständige Alben abwechslungsreich und emotional wirkt. Mit solchen Worten lässt sich auch durchaus die Show in der Balver Höhle beschreiben, da natürlich nicht nur die Vocals und der Auftritt Kim Carlssons mit viel Vorfreude und Spannung erwartet wurde, sondern eben vor allem der emotionale Aspekt, der der Musik innewohnt. Einige Songs, wie beispielsweise Hide Below bei dessen Live-Darbietung es sich um eine Premiere handelte, starteten mit einer extremen Tiefe, fast einer gar erdrückenden Schwere, bevor sich diese Atmosphäre in eine weite, melodische Klanglandschaft entwickelte, die das Gemüt doch schwer berühren konnte. Den Musikern auf der Bühne war dabei ihr Spielspaß sehr anzusehen, was die Show an sich nicht nur zu einem musikalisch-emotionalen Erlebnis machte, sondern eben auch seine befreienden Momente hatte, wodurch sich von einem sehr abwechslungsreichen Auftritt sprechen lässt.

Hangover in Minsk (Second Stage)

Den ersten Auftritt auf der Second Stage bestritten diesem Jahr die polnisch / belarussische Band Hangover in Minsk. Für die Besuchers des vorherigen Abends und für Stammgäste des Festival gab es bekannte Gesichter auf der Bühne, denn die Musiker sind auch mit Dymna Lotva unterwegs. Mit ihrer humorvollen und Bier getränkten Interpretation von DSBM konnten sie die Besucher begeistern. Ein besonderes Highlight präsentierte die Band zum letzten Song, mit dem passenden Namen The Party Is Over, zu dem Sängerin Nokt auf der Bühne gesangliche Verstärkung von Kim Carlsson (Kall, Lifelover) bekam, der den Song auch auf dem Album bereichtert. Zusätzliche Unterhaltung gab es während des Songs auch in Form aufblasbarer Luftballons in Form von Bierkrügen, die ins Publikum geworfen wurden.

Antimatter

Antimatter eröffneten ihren Auftritt mit einer ruhigen, getragenen Atmosphäre, die sich schnell als roter Faden des gesamten Sets herausstellte. Die Band arbeitete stark mit Zwischenräumen, langen Instrumentalpassagen und einer kontrollierten Melancholie, die sich in der Höhle besonders gut entfalten konnte. Die Vocals standen klar im Zentrum: zurückgenommen, aber präzise, und immer mit einer gewissen Schwere versehen. Die Band ist nicht auf große Shows und Gesten angewiesen, sie schafft alleine mit ihrer Musik eine unglaubliche Atmosphäre.

Darkher

Darkher sorgte für einen der intensivsten Momente des Freitags. Die fragile Stimme und die langsamen, mystischen Arrangements wirkten in der Höhle besonders eindringlich. Darkher erfindet mit der Show und mit der Musik das Rad nicht neu, ist aber immer wieder ein wunderbarer Ruhepunkt eines Prophecy Fests. Das Metal Set an dem Tag war ein guter Vorbote des Akustik Sets, das am Samstag folgen sollte. 

Autumnblaze (Second Stage)

Autumnblaze durfte auf der Second Stage zweimal aufspielen. Ein Old School Set das etwas später von einem Best of the Rest Set gefolgt wurde. Der Höllenarm füllte sich jeweils schnell und das Publikum war gespannt, entspannt vor der kleinen Bühne, während die Band sich stück für Stück durch ihre Sets arbeitete. Die Band schaffte es das Publikum bei beiden Sets abzuholen, und da sich hierbei um Musik zum Zuhören und Genießen handelt, war die Stimmung gediegen und positiv. Zwei sehr gute Auftritte.

Set 2

The Vision Bleak

The Vision Bleak brachten mit ihrer exklusiven 20 Jahre Carpathia-Jubiläum Aufführung einen der dramaturgisch dichtesten Momente des gesamten Festivals in die Höhle. Die Band spielte das Album nicht einfach nach, sondern inszenierte es wie ein zusammenhängendes Theaterstück: dunkel, erzählerisch, mit klar gesetzten Spannungsbögen. Die Höhle verstärkte die dramatischen Elemente des Albums — die tiefen Gitarrenlinien legten sich wie ein Fundament unter die Felsdecke, während die markanten Vocals die Geschichte von „Carpathia“ mit einer fast greifbaren Präsenz transportierten. Die Übergänge zwischen den Songs wirkten fließend, als würde die Band einen einzigen, langen Akt aufführen. Besonders die atmosphärischen Stücke entfalteten im Raum eine ungewohnte Größe, und die charakteristische Mischung aus Horror‑Ästhetik und melodischer Schwere bekam durch die natürliche Akustik eine zusätzliche Dimension. Insbesondere die Dauerbrenner Carpathia und Kutulu! zündeten auch bei dem Auftritt wieder. 

Myrkur

Myrkur führte die Linie von Darkher fort, aber mit stärker nordisch geprägten Elementen. Die Mischung aus Folk, Ambient und metallischen Akzenten wirkte in der Höhle besonders klar. Die Stimme stand im Zentrum und trug die Stücke durch den Raum, während die instrumentalen Passagen den Fels zum Mitspielen brachten. Die Musik wirkte konzentriert, fast meditativ, und erzeugte eine Atmosphäre, die sich deutlich vom Rest des Tages abhob.

Enslaved

Enslaved brachten schließlich die Energie, die viele Besucher erwartet hatten. Die Band performte die EP Hordanes Land die sie zusammen mit Emperor veröffentlicht hatte, in voller Länge. Ihr progressiver Black‑/Viking‑Metal füllte die Höhle vollständig aus und setzte einen klaren Kontrapunkt zu den vorherigen, ruhigeren Sets. Die Band spielte präzise und kontrolliert, ohne die Akustik zu überfordern. Der Auftritt war die Wucht, die der Abend benötigte. 

 

 

 

 

Bericht: Roksana, Matthias
Bilder: Matthias, Roksana

 

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