Am Sonntag den 16.08.2026 hieß es bei Lord of the Lost Abschied nehmen. Ein letztes Mal TOVR NOIR – ein Tourabschluss, der den Club Colos-Saal in Aschaffenburg auf Temperaturen brachte, die den diesjährigen Hitzewellen echte Konkurrenz machten. Ein exklusives Einzelkonzert, bevor es nach den letzten Festivals in die angekündigte Live-Pause geht. Manche Fans hatten seit 6 Uhr morgens vor dem Club Stellung bezogen, um sich ihren Platz in der ersten Reihe zu sichern.
Versatile – Düstere Lieder auf französisch
Statt League of Distortion und Dogma, die die Tour zuvor begleitet hatten, war bei diesem Auftritt die Genfer Band Versatile als Support dabei. Inspiriert durch die Pariser Katakomben und den Cour des Miracles, dem Armenviertel des historischen Paris, erzeugte die Band eine einzigartige Atmosphäre, die sich auch in ihren Kostümen widerspiegelte und sich musikalisch in einer Mischung aus Black Metal und Industrial äußerte.
Schon vom ersten Moment an als Versatile die Bühne betraten, schufen sie eine unheimliche und morbide Atmosphäre. Der Sänger Hatred trug ein aufwendiges Make-up, in einem Auge eine weiße Kontaktlinse und Dornen auf den Schultern. Die Gitarristin Cinis trug ebenfalls Kontaktlinsen, so dass ihre Augen fast komplett schwarz waren und eine Lace Muzzle vor Mund und Nase. Sie warf ihre langen blonden Haare zu den harten Riffs durch die Luft. Der Gitarrist Famine trug einen zerfledderten Umhang und eine metallisch schimmernde Maske, die ein verstörendes breites Lächeln zeigte. So stampfte er barfuß zum Rhythmus des Drummers Morphée, der sein Gesicht hinter einer Gasmaske im postapokalyptischen Stil, kombiniert mit einem bleichen Schädel, verbarg.
Ihre französischen Liedtexte drehen sich fast ausschließlich um das bittere und grausame Dasein der Ausgestoßenen. Ihr Set begann mit dem Song La Cours des Miracles zu deutsch Hof der Wunder. In dem Song Ieshara geht es um eine alte Göttin aus der Unterwelt, zudem es auch auf YouTube ein Musikvideo zu finden gibt. Der dritte Song La Régente Blême, übersetzt Die blasse Regentin, handelt von der Hingabe an die emotionale und spirituelle Leere des unausweichlichen Verfalls. Alter Ego behandelt die Thematik des anderen Ichs bzw die Spaltung der Persönlichkeit. Spätestens bei einem Lied konnten alle den Refrain mitsingen. Eine Coverversion von Rammsteins Mein Herz brennt / Mon Choeur Brûle. Die Strophen waren ins Französische übersetzt worden, der Refrain entsprach aber dem Original. Gegen Ende wurden noch ein paar Masken an die Fans als Geschenk verteilt, die es aber auch am Merch zu kaufen gab.
Setlist: La Cours des Miracles // Ieshara // La Régente Blême // Alter Ego // Mon Choeur Brûle (Rammstein Cover) // Saigneur des Marais // La Marque Du Chaos
Lord of the Lost – Von fliegenden Kuscheltieren und frischen Piercings
Nach einem kurzen Bühnenumbau war es dann soweit und Lord of the Lost betraten zum Intro OPVS NOIR nach und nach die Bühne. Wer schon ein Konzert besucht hat, weiß, dass die Band sehr viel Wert auf sehr viel Stroboskoplicht legt. Nach den ersten drei Songs begrüßte Frontman Chris Harms seine jubelnden Fans und stellte ihnen Bengt am Bass vor, der aktuell für Dom eingesprungen ist, weil dieser momentan mit Powerwolf tourt. Zusammen hatten sie aber keine Zeit zum Üben und so hat Bengt, der sonst am Mischpult bei Lord of the Lost zu finden ist, die Stücke alleine für sich geübt. Chris erzählte, dass dies nun das zweite Konzert sei und es bisher gut geklappt habe.
Zu Blood For Blood wurde traditionell wieder der Ein-Personen-Circlepit getanzt, was bedeutet, dass jeder für sich alleine im Kreis auf der Stelle sprang. Nach mittlerweile gut einer Stunde hatte der Club eine Temperatur von gefühlt 40 Grad, was die Fans aber kaum zu stören schien. Zwischen den Songs Ruins und Loreley meldete sich Chris wieder zu Wort und scherzte: „Ich muss gar nichts trinken weil, das was ich getrunken habe kommt als Schweiß von der Stirn, tropft mir von der Nase in den Mikrofonkorb und dann kann ich – “ er macht ein schlürfendes Geräusch. Es folgte eine kurze Unterbrechung bis der Korb ausgetauscht war. Danach fuhr Chris fort: „Wir sind ja ne richtige Metalband das heißt bei uns gibt’s Kuscheltiere. Wer möchte ein Axolotl und hat noch keinen?“ Er nahm das Kuscheltiere und fragte dann „Wenn ich den so flach werfe, ditscht der dann so über’s Wasser?“ Er warf den Axolotl. „Ne, voll in die Fresse, tschuldigung. Aber du hast einen.“
Nach Doomsday Disco folgte die nächste lustige Ansage von Chris: „Wir kommen jetzt nur noch mit Sportwagen, is ja Sommer. Scheiß auf Tourbusse, wenn ihr uns seht… natürlich E, ganz nachhaltig. Schön, dass ihr alle hier seid. Man muss euch eigentlich gar nicht großartig animieren, ich habe das Gefühl, die meisten sind Wiederholungstäter. Ihr motiviert eher uns gerade.“ Es folgte Blood & Glitter. Während Cha Cha Cha kommt es eigentlich immer zu einer Wall of Death. Dieses Mal moderierte Chris aber eine Wall of Love an. „Ihr geht alle auseinander und dann lauft ihr aufeinander zu und nehmt euer willkürlich verschwitztes Gegenüber in den Arm.“
Danach wurde es noch liebevoller. Chris dankte der Fangemeinde, für all die Unterstützung und dass die Fans auch füreinander da sind und zu einer Community heranwachsen. Er bedankte sich auch für die ganzen E-Mails, die ihn erreicht hatten, in denen viele gefragt hatten, ob er wegen des Pflasters auf seinem Bauch einen Eingriff gehabt habe. „Ne ich bin richtig 90er“, so Chris „Ich habe mir n Bauchnabelpiercing machen lassen. Weil das noch nicht verheilt ist, weil das ganz spontan passiert ist, im Urlaub auf Malta. Das ist das Beste, was man machen kann: im Strandurlaub einfach n Piercing machen. Super. Vielen, vielen Dank für die sorgenvollen Nachrichten, ob ich nen schweren Eingriff hatte. Ich sage dann immer: „Jaaa, super schwer, ein Piercing‘. Danke für euer Mitgefühl. Wir schließen jetzt das Live-Kapitel der TOVR NOIR. Wir spielen natürlich noch ganz viel Opvs Noir, keine Sorge. Wer zum Lordfest kommt diesen Dezember, gibt es einen Tag, an dem wir nur Songs von Opvs Noir spielen.“
Chris bedankte sich noch einmal bei den Fans und sagte, dass sie für die Band in dunklen Stunden ein Licht sind. Dann stellte er plötzlich fest, dass vor Light Can Only Shine In The Darkness noch der Coversong Schrei Nach Liebe auf der Setlist stand. „Aber habt ihr gemerkt, wie ich darauf hingeleitet habe, wie so der Climax erreicht worden ist, damit mir jetzt einer sagt ,Chris wir spielen jetzt Schrei Nach Liebe‚. Okay, gut, dann merkt euch gleich die Ansage von eben, dann muss ich nichts mehr sagen.“
Die Band verabschiedete sich mit den Worten, dass man sich beim Lordfest wieder sieht. Ein Festival in Hamburg, das selbst von Lord of the Lost im Dezember veranstaltet wird. Zusammengefasst war es ein sehr unterhaltsamer Abend mit starken Songs, schönen Geschichten und vielen Lachern.
Setlist: Bazaar Bizarre // Damage // Forever Lost // Prison // Drag Me To Hell // I Hate People // Blood For Blood // Priest // On This Rock I Will Build My Church // Ruins // Loreley // Kill The Lights // My Funeral // I Will Die In It // Doomsday Disco // Blood & Glitter // Cha Cha Cha // Schrei Nach Liebe // Light Can Only Shine In The Darkness
Bericht und Bilder: Kati
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