Konzertbericht: Subway to Sally – exklusive Nord Nord Ost Clubshow, Halle02 Heidelberg, 12.09.2026

2005 erschien mit Nord Nord Ost ein wegweisendes Subway to Sally Album, das Klassiker wie Eisblumen und Sieben beinhaltet, die auch nach mehr als zwei Jahrzehnten nicht aus der Setlist der Band wegzudenken sind. Bereits 2025 spielte die Band zum 25-jährigen Jubiläum des M’era Luna und zum 20. Jubiläum des Albums eine Jubiläumsshow des Albums in voller Länge. Das kam bei den Fans so gut an, dass die Rufe nach einer Wiederholung laut wurden. So gab neben der Nord Nord Ost Show auf dem Festival Mediaval am Folgetag am 12.09.2026 eine exklusive Clubshow in Heidelberg, bei der das komplette Album abermals in unveränderter Reihenfolge live gespielt wurde.

Sagenbringer

Den Abend eröffnen durfte die Band Sagenbringer. Die noch junge Band aus dem Norden Deutschlands hatte das Publikum schnell auf ihrer Seite. Auch wenn sie, laut eigener Aussage, einen etwas härteren Sound spielen als die Gastgeber des Abends. Subway to Sally sind Geschichtenerzähler, Geschichten von Liebe und Schmerz, Geschichten aus dem hohen Norden und dem Feuerland, Geschichten von der See und von Vulkanen. So hatten die beiden Bands des Abends dann doch etwas gemeinsam, denn auch Sagenbringer sind Geschichtenerzähler.

Ein mystisches Intro läutete die Geschichtenstunde von Sagenbringer ein. Sänger Haldruhir erschien mit einem belederten Buch auf der Bühne, auf das die Band eine Art Schwur leistete. Dann sollte eine Reise zwischen den Welten beginnen. Die Stimmung im Saal war ab den ersten Gitarrenklängen energiegeladen und man spürte, wie viel Lust jeder einzelne im Saal auf diesen Abend hatte. Sagenbringer machten ihrem Namen alle Ehre und erzählten mit ihren Liedern die Legende der Walpurgisnacht, um direkt danach mit uns nach Rohan zu reiten. Auch wer zum ersten Mal den Stücken der vier Jungs von „der verschwindenden Insel Sylt“ (Wortlaut von Haldruhir) lauschte, war spätestens jetzt überzeugt. Haldruhir wechselte zwischen tiefem, rauem Gesang und noch tieferen Growls, stets bewaffnet mit einem Speer um seinen Erzählungen noch mehr Kraft zu verleihen.

Bei der Tanz- und Trinkhymne Trolltaverne gab es schließlich kein Halten mehr unter den Lauschenden, wie Sagenbringer ihre Fangemeinde liebevoll bezeichnen. Dann folgte mit der Ansage: „Der Drache speit kein Feuer, das Biest speit Met“ ein echter Partyhit. In der Halle02 gingen sämtliche Fäuste in die Luft, begleitet von lauten Met-Rufen. Passend zur Herkunft der Band, schenkte der Frontmann zum Abschluss des Sets sein Herz an die See. Dies untermalte er mit einer ordentlichen Headbangeinlage und das gesamte Stück wurde von klatschenden Händen im Publikum begleitet.

Sagenbringer lieferten einen authentischen Auftritt, bei dem alles zusammenpasste. Die Gewandung, der gesanglich überzeugende Vortrag der sagenhaften Geschichten, die entsprechend von markanten Gitarrenriffs und atmosphärischen Einspielern untermalt wurden, ergaben zusammen ein harmonisches Gesamtbild. Dies wurde vom ersten bis zum letzten Lied vom Publikum honoriert, sodass es für viele die erste, jedoch nicht die letzte Show der Band gewesen sein dürfte.

Setlist Sagenbringer:

Feuer und Eis // Valkyrensturm // Walpurgisnacht // Reiter Rohans // Trolltaverne // Der Met Drache // Blutmarsch // Mein Herz an die See // Ein goldener Morgen

Subway to Sally

In der obligatorischen Umbaupause blieb Zeit sich mit den vielen Bekannten zu unterhalten, die alle den Weg nach Heidelberg gefunden hatten, um diese einzigartige Clubshow zu erleben. So fanden sich vor allem in den vorderen Reihen zahlreiche Gesichter vieler langjähriger Fans. Dann erklang das vertraute Don’t stop me now als das Zeichen für den Showbeginn. Subway to Sally kamen zu den Klängen von Sarabande de Noir  auf die Bühne und Eric begrüßte die versammelte Meute stilecht mit ausgestreckten Armen, die zwei Metalhorns zeigten. Vollgepackte 45 Minuten mit Geschichten und Liedern von Eis und Feuer, erzählt von Subway to Sally, konnten beginnen.

Für die Band, die ihre Wurzeln in Potsdam hat, war es die erste Indoor Show nach der Festivalsaison. Und nur hier und heute in Heidelberg, sollte es die einzige Indoor-Jubiläumsshow des Nord Nord Ost Albums sein. Entsprechend schweißtreibend und emotional würde es werden. Die treue Fangemeinde von Subway to Sally war an diesem Abend in Bestform. Jedes einzelne Lied wurde lautstark mitgesungen, von der ersten bis zur letzten Zeile. Nachdem wir zuerst in den hohen Norden reisten und dort der Schneekönigin unsere Aufwartung machten, ging es ins Feuerland. Dann hob Eric die besondere Entstehungsgeschichte des Albums hervor. Als es eigentlich fertig war, kam der berühmte Spruch des Produzenten: „Ich höre keine Single“. So setzten sich Ingo und Bodenski über Nacht zusammen, um ein Lied zu schreiben, das alle Dinge einer Single erfüllt. Vor allem die Wiederholung eines Refrains oder in diesem Falle eines Wortes, bzw. vielmehr einer Zahl. Denn diese kommt 27 mal im Lied vor. So folgte mit Sieben eines meiner absoluten Lieblingslieder. Dies ist natürlich nicht nur mein Lieblingslied und eines der beiden herausragenden Stücke dieses Albums, sondern auch nach 20 Jahren aus keinem Konzert der Band wegzudenken. Und so gab es wieder reichlich Interaktion aus und mit dem Publikum, inklusive 27 Mal mitgesungener Sieben. Der Versuch, mitzuzählen, ist meinerseits gescheitert.

Dann holte Ingo seine Laute hervor und stimmte gefühlvoll Lacrimae ’74 an, was so viel wie Tränen bedeutet. Dies war gleichzeitig die Überleitung zu Feuerkind, das besonders intensiv von den Zuhörern mitgesungen wurde. Eric unterstrich die Dramaturgie des Stücks mit einer Flamme, die er in seiner Hand hielt.
Das NNO Album hat die Besonderheit, dass im Prinzip jedes einzelne Stück daraus in den letzten 20 Jahren zu einem absoluten Klassiker geworden ist. So folgte mit Das Rätsel II direkt der nächste Hit. In Heidelberg bedurfte es dazu keiner Ansage, denn alle Fans wussten, was zu tun war. So wurde jede Frage in diesem Lied lautstark mit „ihr“ beantwortet und auch für den zugehörigen Schrei, der unfassbar intensiv und laut war, brauchte es keine Aufforderung. Jeder im Raum spürte die besondere Energie dieser Show und war mit vollem Herzen dabei. Bevor ein weiteres Highlight folgen sollte, spielten Subway to Sally mit S.O.S. eines der unbekannteren Stücke zum fünften Mal überhaupt live.
Die Halle02 war inzwischen zu einer Sauna aus schwitzenden und tanzenden Leibern geworden und so war es durchaus angebracht, mit Eisblumen, dem wohl berühmteste Stück des Albums, für etwas Abkühlung zu sorgen. Auch hier sang der ganze Saal wie selbstverständlich lautstark mit.
Die Energie der Fans übertrug sich bis auf die Bühne und Eric kommentierte dies mit: „Das ist Liebe und das ist Geilheit, wir sind geil auf euch und ihr auf uns.“ Direkter und treffender konnte man die Stimmung an diesem Abend wohl nicht formulieren. So folgte mit dem zehnten Lied das letzte des Albums und 45 Minuten Spielzeit gingen schneller vorüber als man headbangen konnte.

Die Worte „In der Annahme, dass ihr noch nicht genug habt, haben wir uns noch ein paar Songs zurechtgelegt.“ waren die perfekte Überleitung von Eric zu Was ihr wollt. Denn was wir wollten war klar. Noch viel mehr Musik auf die Ohren an diesem unvergesslichen Abend. So war auch die zweite Hälfte der Show geprägt vom unvergleichlichen Mittelalter Folk Rock Sound der Band. Neben neueren Stücken vom Post Mortem Album waren mit Minne und Kleid aus Rosen zwei weitere unverzichtbare Klassiker im Programm. Bei letzterem fanden wieder etliche Rosen ihren Weg auf die Bühne und der Backgroundchor aus dem Publikum ebbte das ganze Lied über nicht ab.

Doch damit war es noch nicht genug. Bevor die ersten unverkennbaren Gitarrenriffs von Henkersbraut ertönten, forderte Eric die Meute zum Hüpfen auf, so wie es früher zu diesem Lied üblich war. Er war gespannt, wer das noch kann, und das waren einige. Das Lied war Teil eines Metal-Medleys, zu dem auch Knochenschiff und Falscher Heiland gehörten.

Als Abschluss erschienen zu Veitstanz Gäste auf der Bühne. Dieses Mal waren es jedoch nicht Musiker befreundeter Bands, wie zur Eisheiligen Nacht üblich, sondern Fans aus dem Publikum. Bekleidet mit pinken Jacken und bunten Perücken, setzten sie einen farbenfrohen Kontrast zu den schwarzen Gewändern der sechs Musiker. Gemeinsam mit der Band tanzten sie den Veitstanz und beschlossen damit einen grandiosen Abend. Im folgenden Zugabenblock durfte Julia und die Räuber selbstverständlich nicht fehlen. Statt Zugaberufen forderte ein lautstarker und vor allem einstimmiger ‚Räuber saufen Blut‘ Chor das obligatorische Schlussstück ein.

Damit ging ein intensiver und schweißtreibender Abend mit Subway to Sally zu Ende. Eine Show, die man sicherlich lange in Erinnerung behalten wird. Wer weiß, vielleicht gibt es nach so viel positiver Resonanz doch noch eine weitere Wiederholung dieses Sets. Ich wäre auf jeden Fall wieder dabei.

Setlist Subway to Sally:

Sarabande De Noir // Schneekönigin // Feuerland //Sieben // Lacrimae ’74 // Feuerkind // Das Rätsel II // S.O.S. // Eisblumen // Seemannslied // Was ihr wollt // Leinen los // Phönix // Kleid aus Rosen // Minne // Metal Medley // Post Mortem // Folk Party Medley // Veitstanz // Grausame Schwester // Julia und die Räuber

Bericht: Anne
Bilder: Thomas

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