Während noch in der Bullhead City das Metal Battle ausgetragen wurde, startete auf den anderen Bühnen das reguläre Wacken-Programm. Der Donnerstag hatte eine bunte Mischung an Bands und Genres zu bieten. Wie gewohnt schauen wir uns hier das Programm bis 19 Uhr auf dem heiligen Acker an. Viel Spaß damit.
Alien Ant Farm
Pünktlich zur Mittagszeit versprühten Alien Ant Farm eine ordentliche Ladung 2000er-Pop-Punk-Feeling. Die Rockband aus Riverside, Kalifornien, ist bei vielen für ihre Coverversion des Michael Jackson Klassikers Smooth Criminal bekannt. Auf dem Holy Ground stellte das Quintett aber unter Beweis, dass es seit 1995 weit mehr als nur einen guten Coversong veröffentlicht hat.
Dargeboten wurde ein Mix aus punkigen Gitarrenriffs, schnellen Drums und der klaren Gesangsstimme von Sänger und Frontmann Dryden Mitchell. Die Reihen vor der Louder Stage waren zwar recht gut besucht, dennoch wirkte das Publikum in der Mittagssonne noch recht träge. Auf Nachfrage des Sängers stellte sich zudem heraus, dass sehr viele an diesem Wacken-Donnerstag Alien Ant Farm zum allerersten Mal live sahen und daher viele Songs gar nicht kannten. So ergab sich eine im Takt nickende Menge, die jedoch nicht komplett ausrastete. Dies hatte aber keine Auswirkungen auf die Spielfreude der Band, welche ihren Spaß an der Musik stark präsentierte.
Als dann zum Abschluss des Auftritts die ersten Takte von Smooth Criminal ertönten, erwachte das Publikum schließlich doch noch zum Leben und bildete sogar einen kleinen Moshpit. Ein sehr solider Auftritt, welcher mit mehr eingefleischten Fans vor der Bühne sicherlich noch deutlich mehr positive Energie hätte verströmen können.
H-Blockx
Seit Anfang der 90er haben sich die H-Blockx als rockige Partyinstitution einen Namen gemacht. Und so überraschte es nicht, dass zu Beginn ihrer Show der Bereich vor und um die Louder Stage komplett voll war und es kein Durchkommen gab. Obwohl den Wackenbesuchern hier kein Metal geboten wurde, fand die Band regen Zuspruch und so verfolgten auch zahlreiche Zuschauer den Auftritt von weit hinten auf Bildschirmen.
Was folgte, war ein gelungenes Crossover aus kommerziellem Rock, mit einer gehörigen Portion Hip Hop und Rap, garniert mit partytauglichen Gesangspassagen, a la dep, dep oder move, move ya, die zum Mitfeiern, Mitsingen und Mitgrooven einluden.
Die altbekannten Hits der 90er, ob Move, Risin‘ High oder Little Girl durften selbstverständlich nicht fehlen, waren ein Garant für ausgelassene Stimmung und nahmen das Publikum mit auf eine Zeitreise zurück in die 90iger.
Doch nicht nur Partykracher sollte es geben. Mit ihrem aktuellen Song Desperado schlug die Band auch ernste Töne an. Das Stück handelt von Einsamkeit und Seelenqual. In diesem Zusammenhang sprach Bandgründer Henning auch offen über seine überstandene Alkoholsucht und davon, dass er inzwischen trocken sei. Dies halte ihn aber nicht davon ab, anderen Menschen beim Feiern und Biertrinken zuzuschauen, auch wenn dies nicht mehr Teil von seinem Leben sei.
Bei Revolution, einem weiteren Klassiker aus den 90ern, gab es schließlich kein Halten mehr und die Crowdsurfer legten los. Schließlich ließ sich die Band noch einmal ordentlich feiern, indem sie vom Publikum ihren Namen buchstabieren ließ: „Gebt mir ein H, gebt mir ein B … What does it spell“ ergab schlussendlich natürlich H BLOCKX. Die Zuschauer machten bereitwillig mit und feierten ihre Stars von damals, die sich mit ihren neueren Stücken auch heute ihre Daseinsberechtigung erspielt hatten.
Zu bereits oben genanntem Risin‘ High war die Stimmung schließlich auf dem Höhepunkt und alle sangen und sprangen spontan mit, nachdem Henning seine schnellen Rap-Passagen in ein Megafon geschrien hatte.
Zum Finale herrschte vor der Bühne beste Partystimmung und ein ausgelassener, fröhlicher Circle Pit tanzte zum Johnny Cash Cover Ring of Fire. Danach bedankte sich der Bandleader bei der versammelten Metalschar, denn mit Wacken ging für ihn ein Traum in Erfüllung, der noch auf seiner To-do-Liste gefehlt hatte.
So wurden die H-Blockx dem diesjährigen Wacken Motto ,Party On‘ mehr als gerecht und waren eine gelungene Abwechslung zwischen all den hervorragenden Metalbands im Line-up.
Skyline
Therapy?
Mit einem lauten “Heeeey Wackeeen!” startete die nordirische Rockband Therapy?, bestehend aus Sänger und Gitarrist Andy Cairns, E-Bassist Michael McKeegan und Schlagzeuger Neil Cooper, in ihren Auftritt auf der Louder Stage. Das Trio präsentierte sich mit klassischem Alternativ Rock und Metal. Andy Cairns überzeugte dabei durch seine klare und tiefe Gesangsstimme, welche sich perfekt in die groovigen Rhythmen einfügte. Insgesamt versprühte die Musik eine eher gelassene und unaufgeregte Stimmung, was die Menge natürlich nicht vom Moshen abhielt. Beim Wacken Open Air gibt es eben zu jeder Performance den passenden Moshpit.
Die Band wirkte sehr glücklich darüber, zum bereits vierten Mal auf dem Holy Ground spielen zu dürfen. Dieses Mal sogar mit einem besonderen Anlass, denn es gab den Geburtstag von Schlagzeuger Neil Cooper zu feiern. Dies nahm Frontmann Cairns direkt zum Anlass, um das Publikum zum Singen zu animieren. Statt des typischen “Happy Birthday” gab es jedoch eine lautstarke “Neil Neil drum like a motherfucker!”- Einlage, gekrönt mit einem fetten Schlagzeugsolo. Das war vermutlich nicht nur für den Drummer selbst ein ganz besonderer Moment.
Brunhilde
Craft
Sagenbringer
Firespawn
Life of Agony
Pure Energie, mitreißende Rhythmen und Spielfreude standen beim Auftritt der Alternative Metal Band Life of Agony aus New York auf dem Plan. Im Mittelpunkt der Darbietung stand die vielseitige und eingängige Stimme des Sängers Keith Caputo. Aber auch vereinzelte Shouts und kräftige Gesangsparts von Gitarrist Joey Z. und Bassist Alan Robert fügten sich perfekt ins Gesamtpaket mit ein.
Untermalt von immer wieder wechselnder Rhythmik und spannenden Gitarrenriffs ergab sich eine mitreißende musikalische Komposition, welche die Zuschauenden in ihren Bann zog. So wurde das anfängliche Im-Takt-Wippen mit jedem Song immer mehr zu einem energiegeladenen Springen. Die Band verstand sich darauf, ihre Energie auf das Publikum zu übertragen. Auch Caputo ließ sich immer wieder mit kleinen tänzelnden Einlagen vom Rhythmus packen. Als Zeichen des Gedenkens an den erst kürzlich verstorbenen Sänger Lou Koller trug Caputo bei diesem Auftritt ein Shirt der eng befreundeten Band Sick Of It All – Eine unterschwellige, aber klare Botschaft des Respekts.
Vom ersten bis zum letzten Song überzeugten Life Of Agony mit ihrer puren Spielfreude und bewiesen ihr musikalisches Talent. Ein starker und fesselnder Auftritt auf der Louder Stage.
Spectral Wound
Bericht: Roksana & Jenny & Anne
Bilder: Matthias & Patrick
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