Konzertbericht: Subway to Sally – Nackt III, Backstage Werk München, 15.04.2026

Zum dritten Mal in ihrer Bandgeschichte waren Subway to Sally mit ihrer Nackt Akustik-Tour unterwegs. Am Mittwoch, dem 15.04.2026, waren sie im Backstage Werk in München zu Gast. Bereits eine Stunde vor Einlass-Beginn (19 Uhr) formierte sich eine beachtliche Schlange treuer Fans vor der Tür.

Subway to Sally – Set 1

Gleichzeitig fand an diesem Abend in der Allianz Arena das Viertelfinale in der Champions League statt, Bayern München gegen Real Madrid, was auch direkt im Innenhof ,vor der Glastür des Werks im Außenbereich des Backstage übertragen wurde. Der geneigte Bayern-Fan musste sich also nicht zwischen Fußball und Kultur entscheiden, sondern nur einmal über den Rücken schauen, um den Spielstand zu erfahren. Danach konnte man sich wieder ganz den Klängen der Nackt III Akustikshow hingeben. Eric selbst fand es laut eigener Aussage nicht sonderlich erbaulich, während seines Musikvortrags unfreiwillig FC Bayern Zuschauer zu werden. Dies sei für ihn wortwörtlich passend zum Songtitel ein Böses Erwachen. Sein Kommentar wurde mit einem Lachen aus dem Publikum beantwortet.

Doch diese Umstände sollten der Professionalität der Show keinen Abbruch tun, und so durfte sich auch das Münchner Publikum auf eine perfekt inszenierte Akustikshow im fast ausverkauften Backstage freuen. Als eines der wenigen Konzerte der Tour war es unbestuhlt und fand nicht in einer Kirche oder Theater-Location statt. Dies spürte man auch bei der Stimmung im Publikum. Im Vergleich zu den ‚Sitzkonzerten‘ wurde bereits von Anfang an deutlich mehr interagiert, ob singend oder klatschend, als in gediegener Theater- oder Opernatmosphäre.
Die Setlist hielt einige Überraschungen bereit, wie Stücke, die schon länger nicht mehr live zu hören waren. Insbesondere aus der frühen Phase der Band hat es die ein oder andere Rarität bei Nackt III zurück auf die Bühne geschafft.
Das Bühnenbild, bestehend aus sieben thronartigen Stühlen, war zweistufig aufgebaut und dem Charakter der Show angepasst. An den Stuhllehnen angebrachte Neonröhren färbten sich im Laufe der Show immer wieder passend zum Klang und Inhalt der gespielten Lieder um.

Bei der Nackt III-Tour wurde die Band wie bereits bei den zwei Ausgaben zuvor von B. Deutung am Cello unterstützt. Nachdem Simon Levko die Band Anfang des Jahres verlassen hatte, ist die Band auf sechs Mitglieder geschrumpft. Mit B. Deutung auf der Bühne wirkt die Sieben, die über der Band steht, wieder komplett, zumindest für diese Tour. Wie sich im Laufe des Abends zeigen sollte, war er auch diesmal eine absolute Bereicherung für das Klangbild der Akustik-Songs.
Neben dem Cello befand sich eine beachtliche Anzahl an akustischen Gitarren auf der Bühne: drei bei Bodenski, nebst seiner Leier, und drei bei Ingo, plus zwei verschiedene Lauten. So konnte jedes Lied klanglich individuell gestaltet werden und das Zusammenspiel aller Instrumente war ein orchestraler Genuss, abgerundet durch den dezenten Bass von Sugar Ray und einen stark abgeschwächten Schlagzeugbeat von Simon Michael.
Das optische Highlight des Abends war eindeutig Ally. In einem überdimensionalen roten Ballkleid, mit langer Schleppe aus Tüll, dominierte sie das Bühnenbild, umgeben von den ansonsten ganz in Schwarz gekleideten Musikern.

Eröffnet wurde die Show mit einem Kontrast-Liederpaar. Nach dem Stück Feuerkind folgte direkt der Alltime-Hit Eisblumen. Auch das Publikum war bereits beim dritten Lied Feuer und Flamme und ein lauter Eisblumen-Chor erschallte durch das Backstage Werk. Nur wenige Stücke später wurde abermals lautstark mitgesungen, zu Traum vom Tod II. Damit zeigten die Fans von Subway to Sally, dass sie auch bei seltener gespielten Liedern textsicher sind.
Anschließend ging es mit Liebe und Herzschmerz weiter und so erzählten die Lieder Minne und Herz in der Rinde, die geschickt miteinander verwoben wurden, von unerfülltem Liebesglück. Diesmal blieb dem Zuhörer allerdings die Stelle erspart, an der das Mädchen bei Herz in der Rinde stirbt. Eric leitete damit geschickt zum nächsten Thema über, nämlich der Frage, ob das Böse angeboren ist, oder ob man es erwirbt. Mitgift sollte Antworten darauf liefern.
Nun folgten mit Das Rätsel II und Kleid aus Rosen zwei unverzichtbare Subway to Sally-Klassiker. Besonders schön war, dass diesmal der Refrain zu Kleid aus Rosen, auf Erics Anweisung hin, vom Publikum gesummt und nicht gesungen wurde. Dies klang in seinen Ohren so perfekt, dass er als nächste Tour eine Karaoke-Tour vorschlug: „Wir spielen und ihr singt.“

Wie auch bei den bestuhlten Konzerten, erfolgte nach einer guten Stunde eine Pause, die ausreichend Zeit bot, um sich mit neuen Getränken einzudecken, oder aber der aktuellen Spielphase des besagten FCB-Spiels auf der Großleinwand zu folgen.

Subway to Sally – Set 2

Pünktlich nach 20 Minuten ging es dann mit Wenn Engel hassen in die zweite Halbzeit der Nackt III Show.

Die Band versetzte uns zurück in ihre frühen Jahre und wir lauschten den Klängen von Unsterblich, um uns anschließend bei Krähenfraß mit dem leider immer wieder aktuellen Thema Krieg und dem damit verbundenem Tod von Soldaten auseinanderzusetzen. Eine kleine Tanzeinlage von Eric und einer Person im Krähenkostüm lockerten den traurigen Text schließlich etwas auf.
Nach zwei weiteren Klassikern, Henkersbraut und Falscher Heiland, folgte ein Party-Medley. Beim dritten und letzten Medley-Stück Tanz auf dem Vulkan kam schließlich auch mit einem Mini-Moshpit Partystimmung auf. Bevor dieser wunderschöne Konzertabend mit dem obligatorischen Veitstanz zu Ende gehen sollte, bekam auch die Security zum ersten und einzigen Mal an diesem Abend Arbeit und durfte einen Crowdsurfer bei Sieben am Graben in Empfang nehmen.

Im Zugabenblock gab es dann noch einen Vorgeschmack auf die vermeintliche Karaoke Tour. Ingo trat mit einer Akustikgitarre auf die Bühne und stimmte Maria an. Nur dirigiert von Eric erklang ein vielstimmiger Chor aus dem Publikum, um die erste Strophe nebst Refrain, nur von Ingos Gitarre begleitet, zu singen. Ein absoluter Gänsehautmoment, bei dem das Publikum abermals seine Textsicherheit unter Beweis stellte. Als Eric schließlich zur zweiten Strophe anstimmte, rundete dies einen gelungenen Abend ab.
Verabschiedet wurden wir, wie könnte es anders sein, mit dem alten Kinderlied Julia und die Räuber. Um dem Charakter der Akustikshow gerecht zu werden, verzichtete Eric auf seinen E-Dudelsack und wir erlebten ihn wie ‚in alten Zeiten‘ und passend zu einer Akustikshow mit „analogem“ Dudelsack.

Mit Nackt III haben Subway to Sally einmal mehr bewiesen, dass sie ihr Handwerk perfekt beherrschen und mehr sind als eine Mittelalter-Metal Band. Die Komplexität ihrer Lieder und die vielen unterschiedlichen Klangbilder und Instrumente, die perfekt aufeinander abgestimmt sind, ergaben ein stimmiges Gesamtkonzept, das stets den Spagat zwischen orchestralem Konzerterlebnis und Metal schaffte und dabei die Wurzeln ihrer Art von Musik geschickt integrierte.

Für mich bleibt in diesem Fall nur zu hoffen, dass aller guten Dinge nicht drei sind, sondern auf Nackt III auch Nackt IV folgen wird.

Set 1

Lacrimae ’74 + Feuerkind // Eisblumen // Auf dem Hügel // Böses Erwachen // Traum vom Tod II // Minne + Herz in der Rinde // Mitgift // Das Rätsel II // Kleid aus Rosen // Was ihr wollt // Weit ist das Meer

Set 2

Set 2: Wenn Engel hassen // Leinen los // Unsterblich // Krähenfrass // Henkersbraut // Post Mortem // Falscher Heiland // Die Ratten // Arche / Medley: Sag dem Teufel + Ohne Liebe + Tanz auf dem Vulkan // Sieben // Veitstanz

Zugabe

Zugabenblock: Maria // Julia und die Räuber

 

Bericht: Anne
Bilder: Matthias

 

Mehr von Subway to Sally bei Dark-Art findet ihr hier:

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