Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Sonntag, 05.04.2026 – Teil 1

Bereits zum 13. Mal fand das Dark Easter Metal Meeting statt und verwandelte das Backstage in München erneut in einen Treffpunkt für Fans von Extreme Metal aus aller Welt. Am 04. und 05.04.2026 boten insgesamt 32 internationale Bands auf drei Bühnen ein intensives Wochenende voller Black- und Death Metal. Zwischen kalten Klanglandschaften, rasender Aggression und atmosphärischen Momenten entstand eines der eindrucksvollsten Black-Metal-Festivals Deutschlands. Auch wir waren an beiden Tagen wieder mit Kamera und Stift vor Ort, um die Auftritte und deren besonderen Augenblicke für euch festzuhalten.

In diesen Bericht werden nur die Auftritte auf der Hauptbühne im Werk vorgestellt. Die Auftritte auf den Nebenbühnen, der Halle und dem Club, findet ihr im Bericht Teil 2 vom Sonntag.

Lik

Der zweite Tag begann erneut mit einem Konzert auf der großen Bühne im Werk. Die ehrenvolle Aufgabe, den Sonntag beim Dark Easter Metal Meeting zu eröffnen, gebührte Lik, einer weiteren schwedischen Death-Metal-Band. Damit schloss sich gewissermaßen der Kreis zum Vortag, und für die Besucher*innen ging es nahtlos und knüppelhart weiter.

Noch bevor der Vorhang zur Seite geschoben wurde, schallte bereits eine bedrohliche Klangkulisse aus kultischen Gesängen und tiefem, animalischem Grollen aus den Lautsprechern. Hunderte Augenpaare richteten sich gebannt auf die verhüllte Bühne, und als sich der Vorhang schließlich öffnete und die Musiker mit erhobenen Fäusten erschienen, brandete lauter Jubel auf.

Unter dem tosenden Beifall des Publikums griff die Band zu ihren Instrumenten und entfesselte eine Kaskade aus Riffs, Drums und wütenden Growls. Ihr Death Metal sowie ihre Performance ließen sich am besten als schnörkellos und geradlinig beschreiben. Es gab keine Spielereien oder aufwendigen Inszenierungen, nur pure Musik, die vom Publikum mit lautem Jubel aufgenommen wurde. Trotz der Anstrengungen des Vortages waren die Besucher*innen derart aufgeladen, dass bereits ein kurzes „Hey“ oder eine erhobene Faust ausreichten, um einen Sturm aus Fäusten und Rufen auszulösen.

Lik lieferten damit einen gelungenen Auftakt in den zweiten Festivaltag.

Setlise: Deceased // War Praise // Serum // Morgue Rat // Decay // Funeral Anthem // Dr Duschanka // Ghoul // They // Worms // Le Mort // To Kill

 

Enthroned

Nach dem allerersten Auftritt von Schreigarm im Club ging es für mich anschließend mit Enthroned, den belgischen Veteranen des Black Metal, weiter.

Der Auftritt von Enthroned war eine Liebeserklärung an den Old-School-Black-Metal der 90er-Jahre: grobes Corpsepaint, Leder, Nieten und ein unglaublich kalter Sound. Die Akkorde waren so bösartig, dass ich beim Zuhören beinahe das Gefühl hatte, meine Seele an die Hölle zu verlieren. Gleichzeitig war die Musik so schnell und präzise wie ein Fallbeil. Über dieser starken instrumentalen Darbietung lag das brutale Gekeife von Frontmann Régis Lant, aka Nornagest. Selbst die Ansagen von ihm zwischen den Songs, klangen eher wie finstere Beschwörungen oder Herausforderungen als wie bloße Informationen.

Visuell abgerundet durch Stroboskop-Effekte aus blauem und rotem Licht verwandelte die Band das Werk für knapp eine Stunde in eine Art Fegefeuer und wir von Dark-Art tauchten für euch tief in dieses infernale Schauspiel ein.

Setlise: Raviasamin // Deathmoor // Ashspawn // Hosana Sathana // Rites of the Northern Fullmoon // Through the Cortex // Sightless // Basilisk Triumphant // Of Feathers and Flames

 

Thyrfing

Die dritte Band im Werk brachte zugleich den dritten Genrewechsel des Tages mit sich. Thyrfing schlugen mit ihrem Pagan Black Metal eine ganz eigene Richtung ein, die mir ausgesprochen gut gefiel.

Vom Intro bis zum letzten Akkord hatte ihre dichte Musik eine epische Note, die ich als willkommene Abwechslung und gelungenen Genre-Ausbruch empfand. Die Songs waren treibend, geprägt von dichten Akkorden und zugleich von einer erstaunlich eingängigen, epischen Melodik. Der Wechsel zwischen Screams und hohem Klargesang, sowie einige starke instrumentale Soli, verstärkten diese Wirkung zusätzlich und erschufen eine regelrechte akustische Heldenreise.

Während das Intro lief, betraten die Musiker einzeln unter donnerndem Applaus die Bühne. Sie verharrten an ihren Positionen, bis alle ihren Platz eingenommen hatten, und begannen erst dann gemeinsam das Konzert. Gekleidet waren sie in blutverschmierte und schmutzverkrustete Tuniken, was zu einer theatralische Inszenierung beitrug, die ich an diesem Wochenende nur selten so konsequent gesehen hatte. Während der bereits erwähnten Soli bewegte sich Sänger Jens Rydén mitsamt Mikrofonständer über die Bühne, trat hinter die anderen Bandmitglieder und schoss für seine Gesangsparts immer wieder nach vorne. Als es Zeit war, die Arme zu heben, folgte ein großer Teil des Publikums diesem Aufruf: Von der Senke bis zur Tribüne reckten sich hunderte Fäuste in die Höhe.

Neben dem Genrewechsel brachte der Auftritt auch eine visuelle Neuerung mit sich: Über dem Schlagzeug hing ein Bildschirm, auf dem während des Konzerts verschiedene kurze Filmsequenzen abgespielt wurden. Diese Idee empfand ich als sehr gelungen und bereichernd für das Gesamtbild.

Eine besondere musikalische Überraschung war das Stück …ty mörkret skall falla, das von ihrer ersten Demo stammte und somit bereits über 30 Jahre alt war.

Der Auftritt von Thyrfing war für mich eines der beiden Highlights im Werk an diesem Sonntag. Das zweite Highlight folgte direkt im nächsten Slot.

Setlise: Farsotstider // Vansinnesvisan // Sweoland Conqueror // Veners Förfall // Fredlös // Jag Spår Fördärv //  Ty Mörkret Skall Falla // Digerdöden // Från Stormens Öga

 

1914

Der Auftritt der ukrainischen Band 1914 war nicht nur thematisch besonders, das Publikum wurde bewusst aus der Festival‑Immersion gerissen, um auf einen aktuellen Konflikt in der Welt aufmerksam gemacht zu werden. Doch dazu später mehr.

Die Band setzt sich seit ihrer Gründung intensiv mit dem Ersten Weltkrieg auseinander und hat damit lange vor einer gewissen deutschen Band angefangen, die ebenfalls bereits beim Dark Easter Metal Meeting gespielt hat. Die Musiker von 1914 trugen detailgetreue Repliken historischer Uniformen: graue Hosen, weiße Hemden, hohe Stiefel, Hosenträger und Schirmmützen. Sänger Dmytro Ternushchak erschien in einer Uniform, die an ukrainische Militärkleidung des frühen 20. Jahrhunderts angelehnt ist, ergänzt durch einen langen Mantel. Auf dem Bildschirm im Hintergrund liefen Schwarz‑Weiß‑Aufnahmen aus dem Krieg: Soldaten in Schützengräben, frühe Panzer und dokumentarische Szenen aus dem Frontalltag.

Besonders eindrucksvoll war die Performance des Frontmanns. In einem Moment stand er nahezu regungslos auf der Bühne, dann begann er zu schleichen, um im nächsten Augenblick wie im Wahn zwischen den anderen Musiker hindurch zu rennen. Während des letzten Songs sprang er zunächst in den Bühnengraben und anschließend ins Publikum, wo er sich seinen Weg durch die Menge bahnte, ohne den Gesang zu unterbrechen.

Nach dem zweiten Song unterbrach Dmytro Ternushchak den Auftritt für eine kurze Ansprache. 1914 stammt aus der Ukraine, und seit vier Jahren erleben die Mitglieder den Krieg mit Russland unmittelbar in ihrer Heimat. Der Frontmann bat das Publikum eindringlich, die Ukraine auf jede erdenkliche Weise zu unterstützen, da im Falle einer Eroberung auch der Rest Europas gefährdet sei. Aus dem Publikum waren vereinzelt kritische Stimmen zu hören, die sich über diesen Stimmungswechsel beschwerten. Der Sänger reagierte darauf lediglich mit einem knappen „Fuck you“ und setzte den Auftritt unbeirrt fort.

Setliste: War In (The Beginning of the Fall) // FN .380 ACP#19074 // Vimy Ridge (In Memory of Filip Konowal) // 1914 (The Siege of Przemyśl) // 1916 (The Südtirol Offensive) // 1917 (The Isonzo Front) // Passchenhell 

 

Triptykon

Der erste Headliner des Sonntags war Triptykon, und mit ihnen stand eine echte Legende auf der Bühne. Frontmann der Band ist Thomas Gabriel Fischer, aka Tom G. Warrior, der unter anderem bei Celtic Frost und Hellhammer gespielt hat und bereits drei Jahre zuvor beim Dark Easter Metal Meeting aufgetreten war. Damals präsentierte er mit seinem Projekt Triumph of Death ein besonderes Hellhammer‑Set. Im Jahr 2026 kehrte er nun mit seiner aktuellen Band zurück und dieser Auftritt stand dem früheren in nichts nach. Passend zum 20 jährigen Release des letzten Celtic Frost Albums Monotheist, spielten sie eine Sondershow zu diesem Album, das den Großteil der Setliste stellte.

Das Konzert begann in kaltem, blauem Licht, begleitet von unmenschlichen Schreien aus dem Off. Die Musiker standen regungslos auf der Bühne, bis mit dem Ende der eingespielten Sounds der Auftritt einsetzte. Über eine Stunde hinweg ließen sie das Werk erbeben. Kaum hatte der erste Song begonnen, gab es in der Venue kein Durchkommen mehr, da gefühlt jede*r Besucher*in diesen Auftritt sehen wollte. Selbst der Fotograben war restlos gefüllt.

Musikalisch bewegte sich Triptykon zwischen schnellen, aggressiven und brachialen Passagen und wuchtigen, trägen und melancholischen Momenten. Besonders die Cover der Lieder von Celtic Frost, mit ihren doomigen Abschnitte, in denen das Tempo gedrosselt wurde und der Gesang in einen beinahe gehauchten Klargesang überging, entfalteten eine besondere Intensität und Atmosphäre. Mit 5 Lieder dominieren diese Cover fast die gesamte Setliste und die Band präsentierte ein besonderes Set für die Fans der alten Kultband Celtic Frost.

Zwischen den Songs gab es einige charmante und freundliche Ansagen, in denen Thomas Fischer auch Anekdoten aus seiner Zeit bei Celtic Frost erzählte. Einmal überließ er sogar seinem bayerisch-stämmigen Mitmusiker das Wort, der sich mit ein paar Sätzen direkt an das Münchner Publikum richtete.

Triptykon waren ein würdiger Headliner des zweiten Tages, aber nicht der einzige. Nachdem im Club und in der Halle die letzten Konzerte gespielt worden waren, folgte noch ein ganz besonderer Abschluss.

Setliste: Totengott (Celtic Frost cover) // Progeny (Celtic Frost cover) // Ground (Celtic Frost cover) // A Dying God Coming Into Human Flesh (Celtic Frost cover) // Goetia // Altar of Deceit // Sorrows of the Moon (Celtic Frost cover)

 

Grave

Der wahre Abschluss des diesjährigen Dark Easter Metal Meeting war die schwedische Death‑Metal‑Band Grave. In diesem Jahr war Schweden im Werk besonders stark vertreten, und den Reaktionen der Besucher*innen nach zu urteilen, war das alles andere als ein Nachteil.

Grave traten nicht nur als zweiter Headliner des Abends auf, sondern präsentierten auch ein besonderes Set: ein Old‑School Corpse & Grave Set. Die Band spielte Songs aus den Anfangsjahren ihrer fast 40‑jährigen Geschichte, darunter Stücke, die sie seit Ewigkeiten nicht mehr live performt hatten. Dazu gehörten auch Lieder aus der Frühphase wie Black Dawn, die noch aus der Zeit stammen, als sich die Band Corpse nannte. Aus dieser Ära ist heute nur noch Ola Lindgren Teil von Grave, und gemeinsam mit seinen Mitmusikern ließ er ein letztes Mal die schwarzen Knüppel durch die Gehörgänge direkt ins Kleinhirn sausen.

Die Musik war eine brutal dichte Klangwand, dominiert von Blastbeats, tiefen Growls und kompromisslosen Riffs. Es gab zahlreiche Headbanger*innen, die vom ersten bis zum letzten Moment ihre Nacken ein letztes Mal ordentlich strapazierten. Die Band ließ dem Publikum kaum Zeit zum Durchatmen oder auch nur für einen Schluck vom inzwischen warm gewordenen Bier, es ging nahezu nahtlos von Song zu Song, und das über etwa eine Stunde hinweg.

Zwar waren zu diesem Zeitpunkt weniger Besucher*innen im Werk als noch bei Triptykon, doch es waren immer noch genug hartgesottene Fans vor Ort, um die Stimmung auf einem hohen Niveau zu halten. Der Jubel blieb laut und ließ im Verlauf des Konzerts kein bisschen nach.

Zusammengefasst krönten Grave mit diesem Set das diesjährige Festival eindrucksvoll und verliehen ihm einen perfekten Abschluss.

Setliste: Deformed // Day of Mourning // Morbid Way to Die // For Your God // Christi(ns)anity // Black Dawn (Corpse cover) // Life in Disgrace (Corpse cover) // Rise Again (Corpse cover) // Into the Grave // Extremely Rotten Flesh // Brutally Deceased // You’ll Never See 

 

Mit dem Ende des diesjährigen Dark Easter Metal Meeting gingen zwei intensive Festivaltage zu Ende, die eindrucksvoll zeigten, wie vielfältig und facettenreich Black Metal sein kann. Bands aus zahlreichen Ländern brachten auf allen drei Bühnen ihre ganz eigenen Spielarten des Genres nach München, von atmosphärischen und avantgardistischen Klängen bis hin zu rohem, kompromisslosem Black- und Death Metal.

Wir waren für euch an allen drei Bühnen unterwegs, um möglichst viele Eindrücke einzufangen und dieses musikalische Osterwochenende in all seinen Facetten festzuhalten. Das Dark Easter Metal Meeting bewies auch in diesem Jahr erneut, warum es zu den spannendsten Festivals der Szene gehört und wir gehen fest davon aus, auch im nächsten Jahr wieder mit Stift und Kamera vor Ort zu sein.

 

Bericht: Maximilian
Bilder: Matthias

 

Mehr zum diesjährigen Dark Easter Metal Meeting findet ihr hier:

Frühere Beiträge zum Dark Easter Metal Meeting findet ihr hier:

 

Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:

 

 

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*