„Vom Bett ins Badehaus“ titelte die Band Haggefugg selbst in ihrem Instagram-Status. Dabei vermittelte der kleine, ausverkaufte Club schnell eher das Gefühl einer Sauna.
Nachdem Haggefugg 2024 als Vorband von Rauhbein unterwegs waren und 2025 die Eisheilige Nacht von Subway to Sally eröffnet hatten, stieg der Bekanntheitsgrad der Band rasant. Diese Beliebtheit verwandelten die Jungs aus Köln nun in ihre erste Headliner-Tour. Nach zahlreichen Aktionen und viel Werbung in den sozialen Medien wurden sogar die Fans aufgefordert, Flyer zu verteilen. Als Anreiz winkte eine Überraschung auf dem Konzert und natürlich die Gelegenheit, nicht nur als Verteiler aktiv zu werden, sondern auch direkt ein Ticket zu kaufen.
Der Plan ging auf: Fast alle Städte waren ausverkauft, und die Stimmung kochte nicht nur in Berlin.
Vera Lux eröffnete die Show. Auch hier gab es ein bekanntes Gesicht, hatte doch die Sängerin der Band bei „Subway to Sally’s Voice“ mitgemacht und durfte dort für einen Song gemeinsam mit Subway to Sally auf der Bühne stehen. Die Nürnberger Folk-Metal-Band eröffnete nun den Abend im Badehaus.
Vera Lux
Auf der kleinen Bühne wurde es richtig eng. Das Set-up von Haggefugg stand bereits auf den knapp vier Metern Bühnenbreite, und Vera Lux hatten zusätzlich ihr eigenes Schlagzeug aufgebaut. So wurde es für die fünf Musiker der Band durchaus kuschelig. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch.
Der melodische Metal-Song Aurora zeigte gleich zum Einstieg, dass es an diesem Abend wild werden würde. Passend dazu feuerte Inara immer wieder die Stimmung für Haggefugg an. Dass wir jegliche Masken von uns reißen sollten, wurde dem Publikum mit Maskenball deutlich gemacht. Heute war das wahre Ich gefordert. Darum musste man allerdings nicht lange bitten, denn wilde Mähnen feierten die Musik von Vera Lux ausgelassen. Auch Inara ließ ihre Haare fliegen, während der Gitarrist der Band beim Growlen sein stimmliches Können zeigte.
Mit Insomnia zeigte dann auch der kleinste Musiker der Band, dass er es auf der Drehleier richtig draufhat. Im Laufe des Abends kam auch sein Können am Dudelsack noch zu Gehör. Der wenige Platz auf der Bühne verlangte der fünfköpfigen Band viel Geschick und Achtsamkeit ab. Die geringe Körpergröße von Felix war in diesem Fall klar von Vorteil: Er huschte, fast wie Rumpelstilzchen ums Feuer tanzend, flink durch jede Lücke. Auch die anderen drei Musiker tanzten fröhlich umeinander herum und gaben ordentlich Power ins Publikum.
Mit Jetzt und hier verabschiedeten sich Vera Lux und forderten die Fans noch einmal dazu auf, Lärm für Haggefugg zu machen.
Setlist: Aurora // Maskenball // Lass mich fliegen // Insomnia //Abyss // Labyrinth // Lauf // Himmelhoch // Jetzt und hier // Outro
Haggefugg
Die Umbaupause gestaltete sich kurz. Die gute Musikauswahl in dieser Zeit tat ihr Übriges dazu. Viele hatten Haggefugg auf den Eisheiligen Nächten von Subway to Sally kennengelernt. Als der Song Sieben aus den Boxen dröhnte, konnte man kaum noch unterscheiden, was aus den Lautsprechern und was aus dem Saal kam. Sogar die typischen Handzeichen beherrschten alle perfekt.
Die Stimmung kochte fröhlich weiter, als Haggefugg die Bühne betraten. Tanz und Gloria setzten direkt den passenden Auftakt für einen Tanzabend in der Schwitzhöhle. Das war nicht nur den Musikern, sondern auch dem Publikum deutlich anzusehen. Der Schweiß tropfte von fröhlichen Gesichtern, als Spieglein erklang. Die Textsicherheit der Fans war verblüffend gut. Lebe deinen Traum hieß es anschließend bei Sternenjäger, einem Song, der davon erzählt, seine Ideen zu verwirklichen und nicht aufzugeben.
Zauberei könnte dabei vielleicht helfen? Passend dazu ging es mit Hexenkessel weiter. Manchmal hilft es aber auch einfach, mit dem Teufel zu tanzen, wenn Zauberei nicht weiterhilft. Genau dieses Lied folgte dann auch. Für eine Prise Liebe sorgte anschließend Mondschein. Und dass wir auf unserer Jagd nach Glück nicht jammern sollen, machten Haggefugg mit Katzenjammer sehr deutlich.
Mit Sanduhr folgte ein Wunschlied der Fans. Haggefugg berichteten, dass sie sich jeden Tag über zahlreiche Fanpost freuen dürfen. Unter den vielen Einsendungen befand sich auch der Wunsch, genau dieses Lied zu spielen. Dem kamen sie natürlich gern nach. Allerdings sorgte dieser Plan auch für eine kleine Herausforderung: Der Dudelsack mit der langen Pfeife brauchte Höhe, und diese war im Badehaus nur begrenzt vorhanden. Auch der Platz auf der Bühne war knapp, doch die Situation wurde souverän gemeistert.
Eine besondere Überraschung eines Fans gab es dann bei Brennende Welt. Eine junge Dame hatte 300 Herzen in verschiedenen Farben vorbereitet und im Publikum verteilt. Diese enthielten eine Anleitung, wie damit umzugehen sei. So leuchtete das Badehaus in bunten Handylichtern, was die Band sichtlich genoss. Diese Aktion gab es einmalig nur in Berlin.
Es folgte eine Premiere mit Leuchtfeuer, das die Band zum ersten Mal live spielte. Ab hier wichen Haggefugg von der öffentlich geteilten Playlist auf Spotify ab. In Berlin gab es ein paar zusätzliche Songs. So folgten nach einer kleinen Ansprache die Lieder Vergiss mein nicht und Heiligenschein. Natürlich durfte auch der offizielle Tour-Song Mit Sack und Pack nicht fehlen.
Dass die Kölner Jungs dem Karneval sehr angetan sind, ist kein Geheimnis. So begann die kurze Einführung in die fünfte Jahreszeit damit, dass der einzige Nicht-Kölner der Band die Fans fragte, ob sie diese Zeit mögen. Das laute Nein aus dem Publikum wurde allerdings charmant ignoriert, und alle wurden zum freundschaftlichen Schunkeln eingeladen. Im Saal bildete sich also eine lustig-kuschelnde Laolawelle.
Für dieses kunterbunte Getanze und die starke Stimmung bedankte man sich auf der Bühne, natürlich auch bei den Berlinern, mit einem „Applärm“ für die Fans. Dieses Wort wurde kurzerhand erfunden und aus den Wortfindungsstörungen des Sängers sowie den Worten Applaus und Lärm spontan zusammengesetzt.
Und weil die Bühne aufgrund ihrer Größe ohnehin schon aus allen Nähten platzte, kamen anschließend noch die Musiker von Vera Lux für einen gemeinsamen Song dazu. Im Duett und mit waghalsigen Tanzaktionen aller Künstler, die nun elf Menschen auf eine vier Meter breite Bühne quetschten, sangen Inara und … Nehmt Abschied.
Den Worten des Sängers zufolge sollte nun eigentlich das Licht angehen und das Konzert zu Ende sein. Doch passend zum Song gingen noch einmal die Handylichter in allen Farben an und leuchteten damit den Abschluss des Konzertes ein.
Doch die Party begann dann erst richtig. Mit ihren bekanntesten Songs wie Es war einmal und Märchenwald kochte der Saal erneut hoch. Bei Robin von Locksley regnete es Goldtaler und Wasserflaschen für das Publikum. Letztere waren sehr willkommen, denn die Temperaturen im Badehaus kamen einer Sauna inzwischen wirklich gefährlich nahe.
Nachdem dann Met.Wirt.bestellt wurde, luden die Jungs noch schnell zum Totentanz ein. Ein würdiger Abschluss nach diesem wilden mittelalterlichen Sauna-Kneipenabend. Eine Techno-Version von Met.Wirt.bestellt lud anschließend noch zum Meet & Greet am Merch ein.
„Wir sind Hagge, ihr seid voll …“ einer der liebsten Sätze der Band, ließe sich an diesem Abend wohl mit folgendem Satz beenden: voll verwöhnt von guter Mittelalter-Rock-Musik.
Setlist: Tanz und Gloria // Spieglein // Sternenjäger // Hexenkessel // Tanz mit dem Teufel // Mondschein // Sanduhr // Kairos // Brennende Welt // Leuchtfeuer // Vergiss mein nicht // Firlefanz // Wir reiten keine Drachen // Mit Sack und Pack // Das Fässchen // Daheim // Nehmt Abschied // Wenn das Licht angeht // Es war einmal.. // Märchenwald // Robin von Locksley // Met, Wirt, bestellt! // Totentanz
Bericht: Gastbeitrag
Bilder: Andreas Sperl
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