Vorwort:
Alle gezeigten Bilder in diesem Artikel wurden uns von PRK DreamHaus gestellt. Wir hatten leider keine Möglichkeit, selbst Bilder zu machen.
Es war ein sonniger Dienstagnachmittag mit wolkenlosem Himmel. Nach der Arbeit machten wir uns auf den Weg zum Konzert von Spiritbox.
Vorher kurz etwas gegessen, waren wir wenig später schon am Velodrom in Berlin angekommen. Es war noch recht leer, schon fast zu leer. Die Veranstaltung wurde um eine Stunde vorgezogen, vermutlich hatten es nicht alle mitbekommen. Sehr schade, da gleich schon Dying Wish auftraten. An der Stelle ein Appell an alle: Checkt immer am Abend vor einem Konzert die Website der Location, denn da seht ihr, ob die Veranstaltung vorverlegt oder vielleicht sogar umverlegt wurde!
Dying Wish
In der Halle angekommen, sahen wir schon die Bühne mit dem Banner von Dying Wish. Endlich war es soweit: Es wurde dunkel, die Hintergrundmusik wurde leiser, die Bühne erstrahlte in dunklem, rotem Licht und die vierköpfige Band rund um Frontfrau Emma Boster betrat die Bühne. Ihre ersten Worte: „Open this shit up!“ und es wurde klar, was uns erwartete.
Die Menge öffnete sich, die Gitarren setzten ein und bei Emmas erstem Scream wurde aus der freien Fläche ein gut gefüllter Moshpit. Kurz darauf gab es den ersten Circle Pit, ab diesem Moment wurde der Moshpit richtig voll!
Neben starken Riffs, einem schnellen Schlagzeug und den extremen Screams gab es auch immer Clean-Gesang-Parts.
Gerade beim Clean-Gesang stimmten Teile des Publikums mit ein, offensichtlich kannten viele Dying Wish bereits, denn zahlreiche Menschen waren sehr textsicher. Offenbar hatten sie auch fernab ihrer Heimat in den USA viele Fans hier in Berlin!
Kurz vor Ende des Auftritts von Dying Wish wurde es noch einmal richtig emotional. Sie spielten das Lied Lost in the Fall bevor Emma Boster betonte, dass es vom Verlust von Freundschaften handelte, welche sich im Laufe der Zeit im Sande verliefen. Es war das vorletzte Lied, mit einem Piano eingeleitet und von hunderten Handylichtern begleitet.
Nichtsdestotrotz beendeten sie ihren Auftritt genau so, wie sie ihn angefangen hatten. Dieses Mal benötigte es kein „Open this shit up“, um einen riesigen Moshpit zu eröffnen und den letzten Song zu feiern. Tosender Applaus und ein sehr starker Opener für einen Abend voller musikalischer Highlights!
Setlist: I Don’t Belong Anywhere // Watch My Promise Die // A Curse Upon Iron // Symptoms of Survival // I Brought You My Soul (Your World Brought Me Despair) // Cowards Feed, Cowards Bleed // Lost in the Fall // I’ll Know You’re Not Around
Jinjer
Nach einer kurzen Umbaupause ging es mit der nächsten Band weiter. Jinjer aus der Ukraine betraten die Bühne!
Sängerin Tatiana Shmayluk hatte sich für diese Tour ein sehr besonderes Outfit ausgesucht. Sie stand in einem schwarzen Bodysuit, lediglich bedeckt mit Ketten, auf der Bühne! Optisch erinnerte ihr Oberteil stark an ein Kettenhemd, was auch zu dem Banner der Band, einem Jinjer-Schriftzug in einer an die Renaissance-Zeit erinnernden Schrift, umgeben von Patronenhülsen, passte. Alles zusammen passend zu dem neuen Album, welches den Titel Duél trägt. Tatiana symbolisiert somit selbst Kampfgeist und Stärke, nicht nur durch ihre Texte, sondern auch durch ihr Outfit.
Wie für Jinjer typisch, wechselte ihre Stimme in den Liedern in einer Perfektion zwischen sanften Clean-Parts und harten Death-Metal-Growls. Der Höhepunkt hierbei war natürlich der Song Pieces, mit dem sie im Sommer 2016 ihren Durchbruch hatten. Doch neben der absolut beeindruckenden Leistung am Mikrofon gab es auf der Bühne noch sehr viel mehr zu sehen und zu hören. Besonders auffällig hierbei war für mich persönlich Eugene Abdukhanov, welcher ein Virtuose am Bass ist. Selten sieht man ganze Soli von einem Bass, bei ihm gab es mehr als nur eines. Ganz von seinem Können abgesehen, war der Sound sehr gut abgemischt und jede von ihm gespielte Saite in der ganzen Halle zu spüren. Auch bei diesem Auftritt blieben die Moshpits nicht aus, groß, gut gefüllt und voller Energie, welche die Band wunderbar auf die Menge übertragen konnte.
Ein letztes Highlight war ein sehr starkes Drum-Solo, bei dem das ganze Publikum mitklatschte. Es ist immer schön zu sehen, dass jedes Bandmitglied eigene Bereiche der Show für sich bekommt, um sein Können mit einem Solo präsentieren zu können. Sehr auffällig hierbei war die Tatsache, dass bei jedem Solo der Moshpit stillstand und alle gebannt auf die Bühne starrten und es genossen.
Setlist: Perennial // Pit of Consciousness // Green Serpent // Call Me a Symbol // I Speak Astronomy // Vortex // Someone’s Daughter // Judgement (& Punishment) // Pisces // Duél
Spiritbox
Endlich war es soweit, der Headliner des Abends stand an! Bisher verhüllte ein weißer Vorhang die Bühne und es starteten Gewittergeräusche. Auch visuell setzte ein Gewitter ein und Lichtkegel blitzten hinter dem Vorhang.
Es war die Silhouette eines Schiffsmasts zu sehen und eine Frau mit wehenden Haaren. Natürlich handelte es sich um Courtney LaPlante, die Sängerin von Spiritbox. Jetzt startete abseits der Bühne ein weiterer Sturm, dieses Mal allerdings mitten in der Menschenmenge: Es öffnete sich schlagartig ein großer Moshpit. Um den Moshpit ausgiebig zu testen, musste ich als Redakteur natürlich ein Teil davon werden. Es war sehr intensiv; so intensiv, dass ich ihn einige Lieder später mit einer blutigen Nase verlassen sollte. Ich habe jedoch keine Sekunde des Moshpits bereut!
Das Bühnenbild war geprägt von mehreren großen Vorhängen, die wie in einem großen Ballsaal an der Seite der Bühne zusammengezogen waren. Sie waren wie ein Sog, immersiv und fast traumartig. Das Spannende hierbei war, dass diese Vorhänge der Hintergrund für die Projektionen während der Show waren. Sie strahlten immer wieder mit verschiedenen Mustern auf. Sturm, die Tiefe der See, Licht – alles wirkte wie ein Theaterstück. Es begann alles mit einem Gewitter und auch in den Pausen zwischen den Liedern wurde das Thema aufgenommen. Manchmal nur akustisch, ab und zu aber auch optisch.
Es war von Anfang an eine sehr durchdachte Show, die sehr gut zum Namen der Tour Tsunami Sea passte. Das Outfit von Courtney selbst passte auch sehr gut zum Thema. Es wurde wie einige ihrer Outfits vom Designer Ashton Michael angefertigt. Leder, Glanz und Schnallen verliehen Courtney fast schon einen antagonistischen Vibe, dem ihre warme Stimme jedoch kraftvoll das Gegenteil bewies.
Beim zum Albumtitel passenden Lied Tsunami Sea kam es zu einem der Höhepunkte der Show. Der Song ist recht ruhig und das Publikum hörte auf zu moshen und begann eher zu tanzen. Passend dazu fluteten tausende Seifenblasen den Raum, sodass ein Meer aus Seifenblasen entstand. Diese waren mit weißem Nebel gefüllt und das Publikum liebte es, sie platzen zu lassen. Der Moment wurde magisch, als die Halle voller Seifenblasen war und die Leute sie tanzend platzen ließen und immer wieder kleine Nebelwolken entstanden.
Bevor es mit dem letzten Song losging, hielt Courtney noch eine sehr persönliche Ansprache. Zunächst fragte sie, wie viele der Zuschauer Teil einer eigenen Band seien. Es gingen sehr, sehr viele Hände hoch und an diese wandte sich Courtney ganz direkt. Sie sprach ihnen viel Mut zu, dran zu bleiben, auch wenn es schwer ist, durchzuhalten bei Niederlagen und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren – ein riesiger Applaus war die Reaktion des Publikums!
Zum Finale spielten Spiritbox das Lied Mourning. Die Bühne wurde hell erleuchtet und es wurde definitiv zum emotionalsten Moment des Konzerts. In dem Song werden Themen wie Verlust behandelt. Leider etwas, womit sie sehr viele von uns direkt erreichte. Das Konzert war eine reinste Achterbahnfahrt der Gefühle. Neben einigen ruhigen und emotionalen Parts brach immer wieder der reinste Sturm aus und Spiritbox konnten vom ersten bis zum letzten Moment ihrer Show das Publikum voll in ihren Bann ziehen! Ein Konzert, welches vermutlich jedem der Anwesenden in Erinnerung bleiben wird.
Setlist: Fata Morgana // Black Rainbow // Perfect Soul // Keep Sweet // Soft Spine // Cellar Door // Jaded // The Void // Tsunami Sea // Circle With Me // Holy Roller // Sew Me Up // Crystal Roses // Ride the Wave // Mourning
Bericht: Julian und Carina (Gastautorin)
Bilder: Gestellt von PRK DreamHaus
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
Antworten