Das Music Forge Festival startete bei schönem Wetter im Waldschwimmbad Lich gegen 15 Uhr in den zweiten Tag. Auf der Hauptbühne standen acht Bands bzw. Künstler an, wobei man besonders auf Roberto Blanco gespannt war. Aber auch das schon am Vortag angekündigte Experiment der Wall of Death bei Bluthund, für welches grüne, rote und blaue T‑Shirts als Trioshirts ausgegeben wurden, um die Kollision von Kernen und im speziellen Quarks, den inneren Teilen von Kernen, zu simulieren. Aber dazu, und zu anderem, später mehr. Zwischen den Bands gab es auch immer wieder Karaoke, teilweise echt beeindruckend.
Dark Days
Als Erstes ging es los mit Dark Days aus Gießen, welche sich sehr gefreut haben, dass sie den Tag eröffnen durften. Es war auch schon sehr ansehnlich gefüllt, was zu ordentlichen Moshpits, Wall of Deaths und Crowd-Surfern geführt hat. Aber auch die Interaktion mit dem Publikum funktionierte schon prächtig, so gab es ein gutes Battle zwischen dem Sänger und dem Publikum mit dem Wort „Knowhow“. Aber Dark Days zeigten auch, dass sie ernstere Themen mit ihren Texten behandeln. Der Sänger meinte „Schaut nach links und rechts, jeder leidet auf die eine oder andere Art. Passt auf euch auf“ um ein Lied anzukündigen, welches Depressionen thematisiert. Zum Abschluss gab es dann auch noch ein Lied mit einem Gastsänger.
Doppelbock
Der Name von der nächsten Band war eine Vorankündigung für das, was kommt. Doppelbock klingt irgendwie direkt nach Besäufnis mit Spaß. Schon bei der Intro-Musik war klar, wer nach Ernst sucht, darf gleich wieder gehen. Gespielt wurde die Bonanza-Musik. Was folgte, war ein Auftritt, geprägt von witzigen Texten, viel Action, einem Bassisten, welcher offensichtlich für die Weltmeisterschaft im Grimassenschneiden übte, begleitet von mitreißendem Folk-Punk. Ein Ausflug ins Publikum durfte natürlich nicht fehlen. Dieser wurde vom Gitarristen mit der Akustikgitarre erledigt. Wie man sich am Namen schon denken konnte, ging es in mehr als einem Lied ums Alkoholkonsumieren. So war es auch nicht verwunderlich, dass ein Zuschauer zum Trichtern aufgefordert wurde. Dieser wurde, um ihn zu schonen, zum Graben getragen und rein gehoben, damit er die Aufgabe dann meistern konnte. Was ich allerdings noch nie gesehen habe, war, wie ein Tischtennisball mit einem Golfschläger ins Publikum geschossen wurde.
King Nugget Gang
Nach dem Saufen ging es mit Saufen weiter. Wobei, eigentlich eher mit dem Fressen, etwas vom Saufen begleitet. Es war Zeit für die King Nugget Gang, welche auch gleich mit Dino Nuggets ansagten, was Sache ist. Leider spielten XO Armor erst am Samstag, sonst hätte es bestimmt ein Feature gegeben. Sei’s drum. Die Band hatte gute Laune und brachte es auch prima rüber. Für den Anti-Avocado-Song ging Ulle in den Graben und ließ die Fans singen. Die übliche Stimmung bei einem King-Nugget-Gang-Auftritt kam auch ohne Probleme auf, jeder hatte Spaß, Band und Fans gleichermaßen. Für Eis geht immer ging Luke ins Publikum und ließ einen großen Circle Pit um sich herum entstehen. Damit die Grabenschlampen auch was zu tun bekamen, bat Gregor die Zuschauer doch um Crowdsurfer. Und sie lieferten. Den Abschluss gab es dann mit dem Nudelsong, welcher noch mal zu einem großen Moshpit führte.
Bluthund
Dann war es Zeit für das Experiment. Für die Wall of Death der Quarks. Bluthund kamen auf die Bühne, Abraxas mit einem Thuribulum in der Hand, und er zeigte gleich an, dass die Menge sich teilen solle. Dann kam er runter, kletterte über die Absperrung und lief erst mal eine Runde und beschrieb Situationen, welche einen dazu berechtigten, eine Scheisswut zu haben. Einmal die Menge aufgeheizt, kletterte er zurück, blieb aber vorn stehen, heizte die Leute weiter auf und dann ging es los: Viele grüne, blaue und rote T-Shirts rannten aufeinander zu und prallten gegeneinander, flogen in die verschiedenen Richtungen auseinander und simulierten damit das Zusammenprallen von Kernen. Mitten drin der Professor der Physikgruppe, welche das Experiment durchführte. Aber es war nicht das letzte Experiment, zu Leute wurde es noch einmal durchgeführt. Aber es gab auch einen Special Guest: Bürostuhl! War klar, dass damit Büro until Rente folgte. Abraxas ging mit seinem Special Guest ins Publikum und ließ sich darauf stehend hochheben. Doch das war nicht alles, die Menge drehte sich dann mit ihm und dem Bürostuhl im Kreis, während er sang. Ohne dass er runterfiel. Mit Geld warfen sie dann auch noch um sich, bevor Abraxas aus Hass Hass auf die Welt das Bühnengestänge bis ganz nach oben hochkletterte, um selbigen von dort hinaus zu schreien.
Elwood Stray
Nach drei Bands mit viel Show und mehr als nur Musik, ging es mit Elwood Stray zurück zur reinen Musik. Was jetzt nicht hieß, dass die Band statisch auf der Bühne stand. Aber zunächst gab es Techno als Intro-Musik, bevor die Bühne von der Band erstürmt wurde. Deren Sänger und Shouter wusste auf jeden Fall, wie man das Publikum anheizte. Ich würde ihn als klassische Rampensau bezeichnen. Er schien auf jeden Fall auch davon begeistert, dass später noch Roberto Blanco auf die Bühne kommen würde, denn er sprach es doch immer wieder an und dass die Zuschauer Roberto doch zeigen sollten, was es heiße, auf einem Metalfestival zu sein. Und dass sie moshen, crowdsurfen, mitsingen, in die Knie gehen und hochspringen, doch mit ihnen zusammen üben sollten. Etwas, was die anwesenden Zuschauer auch nach seiner Zufriedenheit machten. Bei der Wall of Death wurde dann auch eine Plüschente geopfert, welche vorher in die Mitte der Aufprallzone gestellt wurde. Mit dem Auftritt haben sie auf jeden Fall eine gute Duftmarke gesetzt.
Deez Nuts
Nun wurde es international. Mit Deez Nuts kam auch die Band mit der größten Anreise, da sie aus Australien kommen. Gleichzeitig war es auch mittlerweile dunkel geworden, es war also Primetime angesagt. Und der Einsatz von Feuer sah damit noch spektakulärer aus. Wer Deez Nuts kennt, weiß, wie der Auftritt war. Intensiv, schnelle Musik, Crowdsurfer, große Moshpits und Musiker, die auf der Bühne einen Marathon absolvierten und viel sprangen. Und sie schafften es auch wieder, dass der Funke zum Publikum übersprang. JJ kam auch für ein Lied runter in den Graben, um die Fans singen zu lassen. Inmitten des Chaos kam ein Crowdsurfer auch genau auf ihn zu, woraufhin er sein Mikro abgab, die Grabenschlampen den Crowdsurfer auffangen ließ, um dann sein Mikro erfolgreich zurückzubekommen. Damit ging dann auch der Auftritt in selbst Intensität weiter und fand unter großem Applaus dann seinen Abschluss.
Signs of the Swarm
Dann war es Zeit für den Headliner. Signs of the Swarm aus den USA. Und es wurde auch noch intensiver als vorher, was aber bei einer Deathcore-Band wie Signs of the Swarm nicht verwunderlich ist. Ab dem ersten Lied gab es auch viel Pyrotechnik. Den ersten Reihen wurde also nicht nur durch die Musik, die Circle Pits und die Crowdsurfer eingeheizt, sondern auch noch durch die in die Luft ausgespuckten Feuerkugeln. In einem Moment rief Sänger CJ den Zuschauern zu „Send as many crowdsurfers as humanly possible“. Und dem kamen sie dann sogar nach. Es wurden dann sogar so viele, dass die Grabenschlampen und die Security nicht langten. Zwei Fotografen mussten sogar aushelfen und die Grabenschlampen beim Auffangen der Surfer stützen. Es wurde immer intensiver, doch plötzlich Stille. Oder fast. Man hörte nur noch den Schlagzeuger, die Band spielte weiter. Ein Hoch auf In Ears, doch die PA streikte. Bis die Band es merkte, vergingen ein paar Sekunden, doch dann hörten sie auf. Kurz verwundert, machten sie aber aus dem Problem einen positiven Moment, indem sie einfach T-Shirts in die Menge warfen. Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter, als ob nichts gewesen wäre. Die Band hat auch die Angewohnheit, auf jedem Festival ein spezielles Cover zu spielen, so zumindest die Ansage, und für das Music Forge hatten sie Dragula von Rob Zombie ausgesucht.
Roberto Blanco
Die Spannung stieg, es war bald 23:30 Uhr und der Auftritt von the one and only Roberto Blanco stand an. Doch zunächst wurden die ersten Bands fürs nächste Jahr bekannt gegeben. Und die Liste hatte es in sich, waren es doch Malevolence, Abbie Falls, Mittel Alta, Lost in Hollywood, Consvmer, Out of Vision, Wave like Walls, Backstabbed, Throatcut, Truth Grip, Averea, Altered Rebirth und als Late-Night-Act niemand Geringeres als Gutalax!
Es ging los. Die ersten Töne erklangen, Robertos Musiker kamen auf die Bühne und dann unter großem Applaus Roberto Blanco! Die Party konnte beginnen. Allen voran eine Polonaise im Graben, bestehend aus Grabenschlampen, Fotografen und Helfern des Music Forge. Doch musste diese dann recht schnell unterbrochen werden, als die ersten Crowdsurfer kamen. Und das ging dann den ganzen Auftritt über so weiter, immer wieder ein paar Crowdsurfer. Aber auch immer wieder eine riesige Polonaise im Publikum, die sich quer durch die Masse bewegte. Das Infield war immer noch gefüllt, nach Signs of the Swarm hatte offensichtlich niemand den Platz verlassen. Das Publikum stimmte auch immer wieder „Roberto“-Rufe an, um zu zeigen, wie viel Spaß es ihnen machte. Als Roberto dann Waka Waka (This Time for Africa) von Shakira anstimmte, gab es unter den Crowdsurfern ein bekanntes Gesicht. Oder eher eine bekannte Maske, denn Abraxas von Bluthund ließ es sich nicht nehmen, auf die Reise zu gehen. Den gefühlt größten Moshpit gab es dann bei Ein bisschen Spaß muss sein. Eigentlich war dies auch ein Auftritt ohne geplante Zugabe, aber diese wurden so vehement eingefordert, dass es sogar zwei Zugaben gab. Die erste war I feel good und die zweite, dann mit Circle Pit und Abraxas mitten drin, Guantanamera. Alles in allem ein voller Erfolg.
Bluthund-Musikvideo-Aufnahme
Aber, wer dachte, dass es nun zu Ende war, war getäuscht. Beziehungsweise die anwesenden Zuschauer wussten es schon vorher, denn Bluthund hatte es schon vorher angekündigt. Sie wollten noch das Musikvideo für ihre neueste Single drehen. Ein Lied mit dem Namen Machtwort. Die willigen Fans sollten sich im Infield zusammenfinden, sich in Form eines Lutschers aufstellen und den Anweisungen vom Producer folgen. Und ich mitten drin, mit meiner Kamera, um euch exklusive Behind the Scenes-Fotos zu liefern. Es gab dann zwei Takes, bei denen das Lied abgespielt wurde. Welcher von beiden am Ende genommen wurde, lasse ich euch anhand der Bilder und des Videos selbst herausfinden. Den Anwesenden hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, dabei sein zu können.
Und hier noch das Video selbst.
Atmosphäre
Was wäre das Festival ohne die Fans, ohne die Zuschauer und ohne die Menschen, die alles organisieren? Nichts. Daher kriegt ihr von denen hier natürlich auch noch einen Einblick.
Bericht & Bilder: Thomas
Mehr zum diesjährigen Music Forge Festival findet ihr hier:
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