Release: 04.09.2026
Genre: Black Metal
Spieldauer: 44 Minuten
Label: Vendetta Records
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Tracklist:
- Crown Of Vermin
- Shapers Of The End
- Nihil
- Onwards To Our Death
- Lost In Oblivion
- Nebula
- Panta Rhei
- Requiem

Boötes Void aus Würzburg sind in Szenekreisen schon lange kein Geheimtipp mehr. Mit ihrem neuen Album Panta Rhei (übersetzt: Alles fließt) kommt die unterfränkische Gruppierung bereits auf drei Langspieler, deren neuer Zuwachs nun über das Schweizer Qualitätslabel Vendetta Records erschienen ist. Das Albumcover überrascht mit Farbe und meine ersten Gedanken waren: Transformation, aber auch Verwurzelung. Bei näherer Betrachtung mischen sich kosmische Elemente mit dem Urbanen. Eine Flussanalogie deutet oft passend auf Veränderung im Gleichen hin. Eine schwierige Aufgabe, derer sich aber immer wieder Bands aus dem Genre annehmen, um frischen Wind oder zumindest etwas Herausstechendes in der Szene zu verankern. Da einige dieser Versuche leider mit dem Eindruck des Erzwungenen einhergehen und nicht jeder kreative Ansatz glückt, bin ich dementsprechend gespannt, was Boötes Void mit ihrem verheißungsvollen Albumtitel samt Cover im Sinn und für die Hörerschaft vorbereitet haben.
Das Album
Nach einem kurzen akustischen Intro werde ich auch schon direkt in die druckvolle Produktion geworfen. Stürmisch begrüßt mich Crown of Vermin mit einem stimmungsvollen Wechsel aus Blastbeat- und Midtempo Abschnitten. Allzeit melodisch und fließend, jedoch ohne die Abwesenheit von Härte. Auffällig ist, dass die Vocals gefühlt etwas tiefer als bei den vorherigen Veröffentlichungen erklingen, was dem ohnehin leicht angeposteten Schwarzmetall der Jungs nun noch eine Prise Death hinzufügt. Nach einer ruhigen Pause im hinteren Drittel des Songs lädt ein schön gewebter folgender Gitarrenteppich zum Fallen lassen ein und geleitet uns zum Finale des Album-Auftakts. Solider Start, keine Frage.
Es bleibt melodisch und spannend. Shapers of the End überzeugt mit wirbelnder Riff-Arbeit, die durch eruptive Blast-Anfälle unterbrochen und unterstützt wird. Hier zeigt die Band, das auch technisch einiges geboten werden kann. Es wurde sich offensichtlich Zeit und Mühe für das Songwriting genommen. Die (in neueren Veröffentlichungen vereinzelt schon obligatorische anmutende) ruhige Pause kurz vor Ende des Songs gibt uns etwas Bedenkzeit, bevor es nochmal wütend Richtung Ende geht.
Überraschend walzend, rollt dann auch schon Nihil aus den Boxen. Die melodische Note der Vorgängertitel rückt hier zu Beginn erstmal in den Hintergrund. Eindringlich ausgeführte Vocals verbreiten negative und hoffnungslose Energien und werden dabei gut von einer finsteren Gitarrenwand untermauert. Nach einem kurzen Intermezzo, dessen Klagelaute mich auf den folgenden Abschnitt gespannt werden lassen, treten Boötes Void eine mächtige Doublebass-Walze los, die alles in ihrem Weg zermalmt und an den Anfang des Songs anknüpft. Die Vocals sind hier gefühlt nochmal deathiger, was aber gut zur dichten und angespannten Atmosphäre des Titels passt. Eine sorgsam gewählte Platzierung auf dem Album, die das melodische Gerüst des ersten Viertels mit Gewalt abreist und andere Töne anschlägt.
Ohne direkte Pause geht es mit kalter und hallender Gitarrenarbeit Onwards to our death. Ebenso feindselig wie der letzte Titel bewegt sich das Album nun erst einmal weiter in eher finsteren und aggressiven Gefilden. Krachende Breaks die mit schrillen Tremoloriffing einhergehen, unterbrechen hier und da das Songkonstrukt, um anschließend im Refrain auch die Leadgitarre wieder zum Vorschein kommen zu lassen, die uns mit einer eingängigen, aber nicht weniger negativ geladenen Melodieführung beglücken darf.
Nach diesen beiden Wutausbrüchen wird es erstmal ruhiger. Zumindest ein paar Sekunden. Jäh werden wir von überraschend klassisch anmutenden Black Metal Strukturen aus dieser Ruhe gerissen. Lost in Oblivion verbindet gekonnt altbewährte Elemente des Genres mit wiederkehrenden Post-Anteilen. Vom Riffing her wohl der bisher traditionellste Genre-Titel auf der Platte, ist die schwebende, kältere Atmosphäre des Titels etwas, das auch die vorangegangenen Veröffentlichungen der Band geprägt hat.
Konsequent verbindet das folgende Nebula musikalisch die melodische erste Hälfte des Albums mit dem aggressiveren und finsteren Mittelteil. Helle Leads treffen auf tiefe und pulsierende Riffteppiche und fusionieren zu einem gut funktionierenden Einklang. Treibend und walzend scheucht mich das Schlagzeug vor sich her, nur um mich dann in einem schön vertonten Blastbeat-Chorus einzufangen. Der Song bricht auf und wir hören das erste gesampelte Zitat auf der Platte. Wer die Band schonmal live erleben konnte weiß, dass dieses Mittel gerne zum Einsatz kommt und durchaus Wirkung haben kann (zur Nutzung von gesampelten Zitaten im deutschen und auch internationalen Black Metal Kosmos ließe sich sicher eine komplette Dissertation einreichen). Fast schon klanglich versöhnlich gestimmt, nimmt uns die Band anschließend an die Hand, um uns in die letzten Sekunden des wirklich gut geschriebenen Songs zu werfen.
Mit dem Titeltrack des Albums folgt dann ein weiteres Highlight. Der Song war schon vor Release als einer der Auskopplungen zu hören und besticht durch tolle Ohrwurm Hooks und einen eingängigen Refrain, der im Kopf hängen bleibt. Songaufbau, Länge und Dramaturgie sind eine kleine feine Lehrstunde, wie moderner, postig angehauchter Black Metal klingen kann, ohne zu viel der genreeigenen Grundsubstanz zu verlieren. Da das Featuren im zeitgenössischen Schwarzmetall mittlerweile gang und gäbe ist und hier auffälligerweise häufig AOP Bands den Fuß in diverse Studiotüren stellen, ist L.G. von Ellende mit von der Partie. Ein rundum gelungener Track, den die Hörerschaft hoffentlich auch live erleben darf und wohl platziert ans Ende gestellt wurde. Requiem beendet dann endgültig und rein instrumental mit einer atmosphärischen Fusion aus Synthie- und Gitarrenanleihen das Album.
Fazit
Verglichen mit einigen Aspekten der Vorgängeralben, haben sich Boötes Void ohne Frage vom fließenden Fluss treiben lassen und sind nun an einem etwas anderen Ufer gelandet. Das ist aber gar nicht mal so weit weg von bisher vertrauten Gewässern entfernt. Ich höre die Weiterentwicklung und wie die Musik ineinanderfließende und sich wandelnde Facetten des Genres einbringt, aufzeigt und verbindet. Ich bemerke aber auch die Verwurzelung im Genre, eine respektvolle Verneigung vor den Ursprüngen, die sich nicht lösen lässt und jene die Band sehr wahrscheinlich auch gar nicht lösen möchte. Die zu Beginn erwähnte Veränderung im Gleichen ist subtil und schlägt dem Hörer oder der Hörenden nicht unmittelbar ins Gesicht. Es ist ein Album, das aufzeigt, wie Veränderung möglich ist, ohne sich zu sehr vom eigenen Wesen zu entfremden. Das Spielen mit postigen, deathigen und eben traditionell schwarzmetallischen Elementen wird souverän über die Bühne gebracht, ohne erzwungen zu wirken. Der Sound entspricht über weite Strecken dem, was die Szene aktuell von moderner orientierten Black Metal Bands gewohnt ist, verkommt aber glücklicherweise nicht zur Kopie. Es ist gerade dieses Festhalten der Band an gezielt eingestreuten klassischen Black Metal Elementen, die den gut umgesetzten Post-Elementen entgegentreten und somit eine ausgewogene Mischung zwischen modernem und klassischeren Black Metal ergeben. Dieses Mischverhältnis kann auf Grundlage der aktuellen Scheibe entweder in die eine oder andere Richtung kippen oder eben die Balance halten, was sich zeigen wird und mich umso neugieriger auf die nächsten Schritte des Projekts macht.
Mehr von Boötes Void bei Dark-Art findet ihr hier:
- Festivalbericht: Baphofest Winternights II – Freitag 09.01.2026
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