Festivalbericht: Summer Breeze 2026 – Freitag

Der Freitag auf dem Summer Breeze 2026 brachte erneut volle Bühnen, hohe Temperaturen und ein Programm, das stilistisch einmal quer durch die Szene führte. Zwischen humorvollen Auftritten, konsequentem Metalcore, atmosphärischem Black Metal und klassischem Hardrock zeigte der Tag, wie unterschiedlich Festivalmomente wirken können, wenn Publikum, Band und Rahmenbedingungen zusammenfinden. Im Folgenden findet ihr die Eindrücke der einzelnen Shows – direkt aus der Menge.

Nanowar of Steel – Main Stage

In der Mittagshitze hatten sich schon viele Verrückte versammelt. Ein Rufton und sie waren mit einem KI-Callcenter verbunden. Natürlich hörte die gute „Dame“ die Jubelrufe nicht, erst auf Gebell „Woof Woof“ eine Reaktion und Nanowar of Steel betrat die Bühne. Ein Countdown von zehn runter, an dessen Ende ein „We will make furniture great again“ erklang.

Dann ging es los mit Sober, gefolgt von Pasadena 1994, wobei nicht nur der Stil einer anderen Band, sondern auch deren Pyro-Show adaptiert wurde.

Bei einer Wall of Love konnten dann einige Metalheads, begleitet von einer Interpretation von Georg Michaels Careless Whisper, sich in den Armen liegend beobachtet werden. Es wurde weiter getanzt, nicht nur die Musiker, sondern auch deren Comic-Monster-Alter-Egos auf dem Bildschirm der Bühne, tanzten eine Choreografie zu Discometal vor, die das Publikum direkt mitmachte. Mit „Guten Tag Summer Breeze, wir sind Nanowar of Steel aus Italien“ wandte sich Bassist Gatto Panceri 666 an die Leute. Sie seien das dritte Mal da und von Ficken über T-Stage diesmal auf der Main Stage gelandet. Beim nächsten Mal müssten sie auf der Über-Main Stage spielen. Sie seien aufgewachsen, aber immer noch dieselben Idioten, und zum nächsten Lied solle es den längsten Flug einer Schneeeule geben, was auch gut funktionierte. Wer nicht die „Barbagianni“ trug, schlug mit den Flügeln.

Wieder ging es um Fußball und warum die Norweger so gut seien. Die Antwort sei erstens gute Offensive, zweitens gute Defensive und drittens Satan huldigen. Um diesen heraufbeschwören zu können, müsse das Publikum den Hexenmeister der Mannschaft anrufen, Erling Haaland.

Nach dem Norwegian Reggaeton wollte Nanowar of Steel etwas anders machen: Die Zuschauer*innen sollten mit den Füßen applaudieren. Es gab mehrere Vorschläge, unter anderem die Turnfigur „Kerze“ mit Füße aneinanderschlagen. Schließlich einigte man sich auf „hüpfen“, auch wenn es nicht so genannt werden sollte. Mit Feet & Greet erklärte sich auch die Bühnendeko, die aus vier Standarten mit Fußmotiv bestand. Zum letzten Song wurde Odin angebetet und ganz im Sinne des Anfangsstatements wurden drei Lack-Tische stagediven geschickt,  zusätzlich zu den aufblasbaren Wasserlebewesen, die sich den ganzen Auftritt lang über die Köpfe des Publikums hinweg bewegten und dabei gelegentlich als Crowdsurfhilfe benutzt wurden. 

Brainstorm – T-Stage

Noch bevor Brainstorm aus Heidenheim den ersten Ton von ihrem Heavy/ Power Metal spielten, wurde schon mit dem Publikum interagiert. Welches zwar überschaubar war, aber gut mitmachte. Dann ging es los mit Worlds Are Coming Through. Nach dem zweiten Lied erzählte Sänger Andy B. Franck, es sei der achte Auftritt der Band auf dem Summer Breeze. Beim ersten Mal wären der jetzige Schlagzeuger noch nicht geboren und er selbst erst zwei Jahre dabei gewesen. Es folgte Shivas Tears, währenddessen Franck auch mal auf die großen Boxen vor der Bühne stieg.

Nach All those Words, wurden die Musiker vorgestellt. Es hieß, sie hätten den perfekt passenden Song, zum Morgens-aus-dem-Zelt-kriechen sofort dementiert, mit das stimme zwar nicht, sollte aber als schöne Überleitung zu Where Ravens Fly dienen.

Gegen Ende meinte der Sänger, er habe seinen Sound-Regler vom letzten Auftritt gefunden und müsse testen, ob er noch funktioniere. Dieser schien etwas eingerostet zu sein. Richtig zufrieden war er erst beim dritten Versuch, auf Maximum zu drehen, mit der Lautstärke der Crowd, die mittlerweile angewachsen war und den Raum vor der Bühne gut füllte.

Mit Ravenous Minds fand die Show ihr Ende.

Brymir – Tool Rebel Stage

Die Symphonic- und Melodic-Death-Metal-Band Brymir aus Helsinki, Finnland, betrat die Bühne und forderte gleich einen Circle Pit, der auch prompt umgesetzt wurde und über das erste Lied hinweg hielt.

Von der Crowd gab es jede Menge in die Luft gestreckte Fäuste und Pommesgabeln, als es hieß, die Band sei das zweite Mal da und habe noch ein Lied der neuen Veröffentlichung dabei.

Es schien Fisch-Tag zu sein, diesmal mit Watte, nicht mit Luft gefüllte und so fand einer den Weg in die Menge und Brymir wollte, dass aus einem Moshpit dadurch ein Fisch Pit entsteht. Tatsächlich gab es eher einen Mahlstrom, denn das Plüschtier wurde im Kreis getragen, während in der vorderen Reihe die Haare flogen.

Dann meinte Sänger Viktor Gullichsen, dass er einiges an Deutschland möge, unter anderem die Crowd, Audi und Scooter. Es wurden weitere Fische ins Publikum geworfen und dazu passend ein Cover von How Much Is The Fish gespielt. Zum Schluss gab es noch Wings Of Fire. Hier gaben die Besucher*innen noch einmal alles und wirbelten ordentlich Staub auf.

Unprocessed – T-Stage

Sie kamen auf die Bühne und legten direkt los. Dabei fackelte Unprocessed aus Wiesbaden nicht lang, denn ab der ersten Note gab es Feuerstöße. Während der ersten beiden Lieder gab es gefühlt mehr Pyro als bei allen bisher vorgestellten Bands dieses Festivals zusammen und das trotz der ohnehin schon hohen Temperatur.

Dann richtete Frontmann Manuel Gardner Fernandes das Wort an das Publikum, unter anderem mit „Schluss mit dem Kaffeekränzchen, von vorn bis hinten, ich will ein wenig mehr Energie sehen.“ Zu den ersten Tönen von Beyond Heaven’s Gate, folgte die Aufforderung, zu springen und man konnte die Menge sich ein paar Mal auf und ab bewegen sehen.

Während der nächsten Songs wollte der Sänger mehr Bewegung sehen und forderte immer wieder Circle Pits sowohl verbal als auch durch Handzeichen an und fragte schließlich: „Summer Breeze, seid ihr aufgewärmt?“ Zum ersten Mal hätten sie 2019 gespielt und dieses Jahr auf der größeren Bühne und seien unendlich dankbar dafür. Mit einem „JUMP, JUMP, get the fuck up!“ vom Bassisten bewegte sich die Menge, aber nicht nur die, auch die Musiker.

Es gab eine Sache, die bis dahin noch nicht gemacht wurde, nämlich Crowdsurfen. Die Crowd solle zeigen, was sie könne, und das Publikum reagierte entsprechend mit einem nicht abreißenden Strom, der in den Graben gespült wurde und den kompletten Song anhielt.

Gardner Fernandes kommentierte dies begeistert mit: „Fuck yeah, Summer Breeze!“, denn dies sei genau die Stimmung, die er haben wolle, gefolgt von einem Applaus seinerseits.

Zum letzten Song sollte sich die Menge teilen, er wolle die erste Wall of Death des Tages sehen. Noch ein Dank für die Anwesenheit und der Sänger bekam seinen Wunsch erfüllt. Mit noch einmal ordentlich Pyro aus allen Rohren beendete Unprocessed während des letzten Liedes den Auftritt.

Illdisposed – Tool Rebel Stage

Das zahlreiche Publikum wurde von Illdisposed mit einem „Prost“ begrüßt, ungefähr die Hälfte reagierte darauf. Die Band aus Aarhus in Dänemark spielte das erste Lied, danach diesmal ein „Skal“ und den Versuch, zum Klatschen zu animieren, der leider auf recht wenig Resonanz stieß. Unbeirrt ging es aber im Programm weiter. Auf ein „Summer Breeze“ und folgende „Hey“-Rufe waren schon mehr Arme zu sehen. Im Verlauf des Auftritts machten die Leute immer mehr mit.

Zwischendurch kam abermals ein „Skal“, gefolgt von der Frage, ob die Anwesenden noch fit seien. Auf die Rufe der Crowd reagierte Sänger Bo Summer mit, sie seien es nicht, aber sie seien halt so.

Die Show ging weiter, gelegentlich gab es ein paar Crowdsurfer, unter anderem einen Vater, der sich mit seinem Kind im Arm nach vorne heben ließ. Mit der Ankündigung des letzten Songs wurde die Band dann auch mal vorgestellt. Für den Abschluss hatte sich Illdisposed Tränen lügen nicht als Outro/Rausschmeißer ausgesucht.

Der Weg einer Freiheit – T-Stage

Es ging weiter, wieder mit Black Metal. Der Weg einer Freiheit aus Würzburg kam auf die Bühne und spielte sofort los. Mit einem „Schönen guten Abend, Summer Breeze“ wurden nach dem ersten Lied die vielen Besucher*innen begrüßt. Erst den Jubel abwartend, fuhr Sänger Nikita Kamprad mit: „Summer Breeze, der nächste Song heißt Xi-bal-ba“ fort.

Nach weiteren Liedern folgte ein Dank an das Publikum „[…] fürs Hiersein, heute Abend hier mit uns auf diesem wunderbaren Festival. Ich hoffe, ihr habt Spaß. Wir haben noch ein paar Songs für euch.“ Mit Ruhe wurde ein Song angekündigt, der vom ersten Album der Band sei.

Ein kleiner Einspieler, der erklärte was passiere, wenn man aufhöre ein Mensch zu sein, bildete den Auftakt zu Aufbruch.

Es ging dem Ende zu und Der Weg einer Freiheit hatte als Abschluss den Song Forlorn von ihrem aktuellen Album dabei.

Der Sänger verabschiedete sich mit: „Vielen Dank Summer Breeze, es war uns eine riesengroße Ehre, wieder hier spielen zu dürfen und wir kommen natürlich immer wieder gerne wieder […]“

Bleibt abschließend noch zu sagen, dass sich die Hoffnung Kamprads erfüllt hatte. Zwischen den Liedern waren immer wieder Applaus und Jubel zu hören, sowie gestreckte Arme mit Fäusten oder Pommesgabeln zu sehen. Nicht zuletzt auch die mittlerweile eingebrochene Dunkelheit und die meist düstere Bühnenbeleuchtung trugen zur Atmosphäre und damit zum „Spaß“ des Publikums bei.

Skindred – Main Stage

Ungefähr eine Viertelstunde verspätet startete die Show. Mit dem Imperial March? Naja, eine Hip-Hop-Version davon. Retrospektiv betrachtet, erste Hoffnung zerstört.

Die Musiker betraten die Bühne, zuletzt Sänger oder doch eher Entertainer Benji Webbe, gekleidet unter anderem mit schwarzem Glitzermantel und einer überdimensionierten roten Fellmütze. Das, obwohl es doch schon so extrem heiß war und gerade erst angenehm wurde. In Newport (Gwent) in Wales ist man bestimmt auch keine höheren Temperaturen gewohnt. Zwischendurch wechselte er öfter das Outfit.

Sofort wurde This is the Sound gespielt. Schon bei dem Song forderte er mehrmals, die Hände sollten in der Luft sein. Ein kurzes „Thank you“ als Überleitung zu Set Fazers. Dann wurde es ein Auftritt des Recyclings und der Wiederholung. Interaktion mit dem Publikum, das irgendwas machen sollte. Entweder wurden die Anweisungen wiederholt oder es sollte erneut gemacht werden, da Webbe scheinbar eine zweite Karriere als Cluburlaubs-Animateur anstrebte. Das ist in der richtigen Dosis ganz cool, aber doch nicht, wenn man es den ganzen Auftritt über macht. Zweite Hoffnung auf viele Lieder der Band, zerstört.

Immer wieder wurden Lieder anderer Künstler angestimmt. Höhepunkt davon war das „Skindred Radio“. Hier waren es dann sogar nur noch Einspieler. Dritte Hoffnung auf etwas Interessantes, klang die Mischung auf dem Papier doch ungewöhnlich, ebenfalls zerstört.

Dabei waren die eigenen Songs gut, welche jedoch nur gefühlt im Hintergrund standen. Es hätte das richtige Mittelmaß gefunden werden sollen, aber wie heißt es so schön: „Der Erfolg gibt ihm recht.“ Das Publikum machte alles mit, selbst gegen Ende, als alle ihr T-Shirt oder Ähnliches hochhalten sollten und der Sänger gefühlt ewig darauf bestand, dass nicht damit gewirbelt werden solle, um dann auf Kommando die zuvor angekündigte Windmühle durch Wirbeln zu starten. Ohne diese ganzen Spielchen hätte man entweder locker die Verspätung wieder reinholen oder ein, zwei eigene Songs mehr spielen können.

Wolves In The Throne Room – T-Stage

Absolutes Kontrastprogramm gab es mit Wolves In The Throne Room, einer Atmospheric Black Metal Band aus Olympia, Washington, in den USA. Ebenfalls circa eine Viertelstunde später als in der Running Order vorgesehen, betraten die Musiker die Bühne und zogen ihr Set durch, fast ohne das Wort an das, für die späte Stunde doch noch zahlreiche Publikum, zu richten.

Einige Zuschauer*innen fingen selbstständig an, die Köpfe im Takt zu schütteln oder die Arme in die Luft zu strecken.

Während des Auftritts gab es eine schöne Mischung aus „Geballer“ und ruhigeren Passagen. Etwa eine Art Glockenspiel, das jäh durch den Gitarrensound durchbrochen wurde. Das fügte sich aber wunderbar zusammen.

Gegen Ende der Show passierte es: Am Ende eines Liedes gab es Applaus und ein Fünftel bis Viertel des Publikums, bewegte sich Richtung Zeltplatz. Wahrscheinlich weil die reguläre Spielzeit vorbei war. Da erschallte ein leises, fast schon schüchtern anmutendes „We have one more“ aus den Boxen. Anscheinend zu leise, denn nur wenige hielten inne oder kamen gar zurück.

Nach dem letzten Song dann abermals und intensiverer Applaus. Auch bei diesem Auftritt trugen Licht und Nebel hervorragend zur Atmosphäre bei.

Fazit

Fast wie eine springende Schallplatte kommt man sich vor, das heiße Wetter zu erwähnen, doch an diesem Tag war noch etwas anderes.

Im Laufe des Abends gab es Verzögerungen in der Running Order für diesen Tag. Irgendwann zwischen Der Weg einer Freiheit und Skindred. Es kam Stress auf, da man dachte, man habe nur wenige Minuten, um von Skindred zu Wolves In The Throne Room zu kommen. Dies erwies sich dann aber als unnötig, denn anscheinend wurden die Auftritte aller Bühnen zugunsten der Gäste zeitlich angepasst.

Es wurde wieder spät, bis es ins Bett ging. Mit Blick auf den finalen Tag hieß es noch einmal Kräfte sammeln und durchziehen. Inwiefern uns das gelungen ist, könnt ihr im Samstags-Bericht sehen und lesen.

Impressionen: 

Bericht: Peter
Bilder: Eric & Roksana

Weitere Bilder

Neben den Bands, die wir euch bisher in Text und Bildern präsentiert haben, decken unsere Fotografen natürlich jeden Tag noch viel mehr Bands ab. Diese Bilder findet ihr nun im Anschluss.

Setyoursails – T Stage

Das Lumpenpack – Main Stage

Pridian – Tool Rebel Stage

Future Palace – Main Stage

Misery Index – T Stage

Brothers of Metal – Main Stage

Luna Kills – Tool Rebel Stage

Sun Eater – Campsite Circus Stage

Speed – T Stage

TBS – Main Stage

The Ghost Inside – Main Stage

Erdling – Tool Rebel Stage

Deicide – T Stage

Blood Command – Tool Rebel Stage

Terror – T Stage

Perchta – Campsite Circus Stage

Versengold – Main Stage

Deafhaven – T Stage

Bizzarekvlt – Tool Rebel Stage

Mehr zum Summer Breeze Open Air 2026 findet ihr hier:

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