Hier findet ihr den zweiten Teil unserer Berichterstattung des Mittwochs vom Wacken Open Air 2026. Weiter geht es hier mit den Bands, die am Mittwochabend gespielt haben. Der zweite Teil setzt um 20 Uhr ein und bietet vor allem mit dem Mittwochs-Headliner Hämatom ein Highlight. Den ersten Teil findet ihr hier:
Festivalbericht: Wacken Open Air 2026 – Mittwoch, Teil 1 – Dark-Art
Crypt Sermon – Wasteland Stage
Dirty Shirt – Wackinger Stage
Velvet Rush – W:E:T Stage
Nach dem Metal Battle eröffnete Velvet Rush aus Hamburg das reguläre Abendprogramm auf der W:E:T Stage. Die Band präsentierte eingängigen Rock mit deutlichen Hard‑Rock‑ und Metal‑Einflüssen. Im Mittelpunkt stand Sängerin Sandra Lian, deren Bühnenauftritt durch klare Präsenz und sicheren Gesang auffiel. Ihr Stimmumfang deckte sowohl kräftige als auch melodische Passagen ab. Das Bühnenoutfit war auffällig, blieb jedoch im Rahmen des typischen Rock‑Stils.
Musikalisch setzte die Band auf klassische Strukturen: prägnante Gitarrenriffs, stabile Rhythmik und eingängige Refrains. Das Publikum reagierte aufmerksam und beteiligte sich aktiv – klatschte, sang mit und folgte den Anweisungen der Sängerin. Ein kurzes Publikums‑Intermezzo, bei dem die Menge in die Knie ging und anschließend wieder aufsprang, sorgte für Bewegung im Bereich vor der Bühne.
Ein besonders langes Gitarrensolo bildete einen musikalischen Höhepunkt des Sets. Die Band arbeitete insgesamt routiniert und geschlossen, ohne übermäßige Showelemente. Zum Abschluss bedankten sich Velvet Rush mit einem knappen „Thank you so much, we love you so much“ beim Publikum.
Ein solider Auftritt, der den Übergang vom Wettbewerbsteil zum regulären Festivalprogramm markierte und musikalisch klar auf klassischem Rockfundament blieb.
Electric Bassboy – Faster Stage
Techno auf dem Wacken Open Air? Ja das geht! Was als fixe Idee kurz nach der Corona-Pandemie entstanden ist, feierte am Mittwoch Premiere auf der Faster Stage. Electric Bassboy lieferten ein komplettes DJ-Hardstyle-Set mit Metal-Einflüssen. Die Namensänderung von „Callboy“ zu „Bassboy“ verdeutlichte bereits, was hier auf dem Programm stand: eine geballte Ladung Bass. Insgesamt lieferte das Set eine ziemlich chaotische Mischung aus Covernummern bekannter Klassiker und Electric Callboy-Songs – allesamt ausgestattet mit einem saftigen Hardstyle-Makeover. Durch sehr schnelle Übergänge und oft nicht komplett ausgespielte Titel erhielt die Performance einen leicht hektischen Charakterzug. So vermischten sich Songs wie Pump It oder Tanzneid fast nahtlos mit Coverversionen von The Emptiness Machine, Mr. Brightside, Song 2, All The Small Things und Ähnlichem. Ein kleiner Exkurs in die klassische Musik machte das Chaos perfekt. Das Publikum war zuverlässig textsicher und schmetterte einen Track nach dem anderen lautstark mit. Die beiden Sänger Nico Sallach und Kevin Ratajczak untermalten den Gesang vom Band mit vereinzelten Livepassagen. Bunte Lichteffekte und Flammen untermalten das dargebotene Chaos. Die hochgedrehten Bässe ließen dabei den Holy Ground auch noch weit abseits des Infields erzittern. Eine schillernde und laute Performance, welche für sehr gute Stimmung sorgte. Accessoires wie riesige Strandbälle, welche durch die Menge geschossen wurden, und ein gigantisches Einhorn-Schlauchboot durften selbstverständlich auch nicht fehlen. Zum Abschluss dann der komplette Abriss zu We Got The Moves – Gänsehaut pur!
Lacuna Coil – Louder Stage
Die italienische Gothic/Alternative Metal Band Lacuna Coil sorgte noch einmal für ordentlich Wallung auf der Louder Stage! Die Band vermischt gutturalen und hohen, symphonischen Gesang mit einer Ästhetik irgendwo zwischen Gothic und Black Metal. Sie ließen es sich direkt beim ersten Song Layers of Time nicht nehmen, dem Publikum ordentlich Feuer unter dem Hintern zu machen. Mit Reckless im Anschluss bot sich die Gelegenheit, dass Sängerin Cristina ihrer Stimme etwas mehr Raum bot. Nach einer gebührenden Begrüßung des Publikums, bekundete Christina ihren leichten Unglauben, wie voll es vor der Bühne sei und dass sie sich freuen, nach 4 Jahren wieder da zu sein. Anschließend sagten sie ihr nächstes Lied Hosting the Shadown an, das eigentlich ein Feature mit Randy Blythe (Lamb of God) ist. Dessen Parts übernahm kurzerhand Sänger Andrea Ferro.
Lacuna Coil wissen ihr Publikum zu fesseln, zu animieren und zu unterhalten. So reagierte dieses auf jedes Stück mit Begeisterung und Euphorie. Das restliche Set ging mit Energie weiter, von Song zu Song variierte dann, ob diese eher melancholisch oder euphorisch war, doch ganz egal wie, das Publikum war es auch. Nach Krachern wie Gravity und Blood, Tears, Dust erzählte Cristina, dass sie bereits 1991 ihre erste Show in Wacken gespielt hatten und sie damals wirklich eine Newcomer-Band waren. Ihre erste CD kam 1998 heraus, aber Wacken war eines der ersten Festivals, die an die Band glaubten, und die Band wird dies niemals vergessen. Deshalb fühle sich Wacken wie zu Hause an!
Kurz darauf ging es mit Enjoy the Silence, dem berühmten Depeche Mode-Cover der Band, bei dem die zahlreichen Stimmen im Publikum sich als Chor anschlossen. Weiter ging es dann mit weiteren eigenen Stücken, Energie und Feuer!
Kadavar – Headbangers Stage
The Troops of Doom – Wasteland Stage
Hämatom – Faster Stage
Der Mittwochabend, der traditionell auch für die deutschsprachige Seite des W:O:A steht, bot Hämatom die ideale Bühne zum Auftakt ihrer für den Herbst geplanten Gagamania-Tour. Und so verwandelte sich die Faster Stage in die Nervenheilanstalt Gagamania. Das Intro verkündete Abgründe der Gesellschaft, die sich auftun würden, unaussprechlichen Wahnsinns, Brei aus geistiger Verderbnis und nie gesehene Absurdität. Die Show sollte halten, was das Intro versprach. Mit einem Knall fiel der Vorhang als Startschuss zur Eröffnung des West-Flügels der Nervenheilanstalt und für den schieren Wahnsinn à la Hämatom, die als Insassen auf die Bühne kamen.
Während Sänger Nord in Zwangsjacke von Wächtern hereingeprügelt wurde, waren die Gitarristen Ost und Rose an Brettern festgeschnallt. So passten auch die Worte „Gott sei Dank, ich bin total geisteskrank“ vom ersten Song Gaga wie die Faust aufs Auge. Musikalisch blieben die NDH-Metaller aus Franken ihrem Konzept treu, wuchtige Gitarren, markante Drums und die charakteristische Stimme von Sänger Nord. Optisch haben sie sich mit veränderten Kostümen ihrer neuen Liveshow angepasst und die vormals roten Jacken sind weißen Sträflingsjacken gewichen.
Das Infield war bis ganz hinten zu den Essensständen gefüllt. Hämatom wirkten wie ein Magnet und zogen mit ihrer Show die Leute in ihren Bann. Partykracher wie Bleibst du heute mit mir wach wurden abgefeiert und lautstark mitgesungen. Schnell verwandelte sich das Infield in eine einzigartige Gagamania-Partymeile und die Stimmung war irgendwo zwischen Headbangen, Moshen und Irrenhaus.
Natürlich nutzten auch Hämatom das Wacken-Jubiläum für besondere Momente, in diesem Fall Gäste. Den Anfang machte Alea von Saltatio Mortis. Zusammen performten sie ihren gemeinsamen Song Erzähl es meinem Mittelfinger. Im Publikum wurden also alle Mittelfinger hochgerissen und Alea performte mit der gewohnten Energie eines Duracell-Hasen auf der Bühne.
Als Nächstes stürmten die Troglauer nebst Akkordeon die Bühne und fanden es saugeil im Wacken-Irrenhaus. Wir haben Dorf ging hinaus an das geilste Dorf der Welt, an Wacken. Auf Kommando öffneten sich zahlreiche Circle Pits und die Metalheads kreisten im Schunkeltempo ihre Runden. Anschließend war Platz für ruhigere Momente und zu Lichterloh erstrahlte ein Handylichtermeer, gefolgt von einem Gänsehaut verursachenden Publikumschor.
In einer nachdenklich stimmenden Umbaupause schloss sich der Vorhang und es wurden Nachrichten aus aller Welt abgespielt. Danach befand sich ein Absperrgitter auf der Bühne, auf dem Nord singend verkündete: Wir sind Gott. Der Rest der Band war dahinter eingesperrt. Begleitet von Flammenwerfern feierte das Publikum lautstark das Lied. Schließlich öffnete sich das Tor des Absperrgitters und der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Zum Schluss siegte dann die Liebe, und die Erlaubnis, gaga zu sein, wurde offiziell erteilt.
Das stimmige Showkonzept von Hämatom, das sich durch den ganzen Auftritt zog, nahm das Publikum voll mit. Am Ende blieb kein Shirt trocken, die Stimmbänder waren an der Belastungsgrenze und die Nackenmuskulatur schmerzte. So feierten am Ende zu Remmidemmi alle nochmal gemeinsam diesen unglaublichen Wacken-Auftakt. Die Wächter tanzten zusammen mit der Band, dazu Alea verkleidet als Deadpool und die Troglauer. Große schwarze Bälle flogen durch die Luft und sorgten abermals für Action im Publikum.
Im Zugabenblock durfte dann Gott muss ein Arschloch sein nicht fehlen, das dem verstorbenen Bassisten West gewidmet ist. Zum Finale sollte es noch Bier regnen und wer noch Energie hatte, konnte sich sowohl gesanglich als auch körperlich ein letztes Mal verausgaben. So endete der Abend, mit einem wahnsinnig irren ,gaga-gantischem’ Hämatom-Abriss.
Unzucht – Wackinger Stage
Rose Tattoo – W:E:T Stage
Sacred Steel – Wasteland Stage
Mambo Kurt- Headbangers Stage
Bericht: Anne & Jenny & Roksana
Bilder: Matthias & Patrick
Mehr zum Wacken Open Air 2026 findet ihr hier:
- Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Donnerstag
- Festivalbericht: Wacken Open Air 2026 – Mittwoch, Teil 1
- Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Mittwoch, Teil 2
- Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Mittwoch, Teil 1
Unsere englischen Beiträge zum Wacken Open Air 2026 findet ihr hier:
- Festival report: Wacken Open Air 2026 – Wednesday, Part 1 [English Version]
- Festival report: Wacken Metal Battle 2026 – Wednesday, Part 2 [English Version]
- Festival report: Wacken Metal Battle 2026 – Wednesday, Part 1 [English Version]
Frühere Beiträge zum Wacken Open Air findet ihr hier:
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Freitag
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Donnerstag
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Donnerstag
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Donnerstag des Metal Battle
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Mittwoch
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Mittwoch
- Wacken Open Air 2025 – weitere Bilder zum Mittwoch des Metal Battle
- Wacken Open Air 2025 – der Bericht zum Mittwoch des Metal Battle
- Ankündigung: Wacken Open Air 2025
- Wacken Open Air 2024 – Bildbeitrag zum Samstag
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