Nachdem wir uns in vorherigen Texten schon die Auftritte des Wacken Metal Battles vom Mittwoch angeschaut haben, widmen wir uns nun den übrigen 12 Auftritten, die am Donnerstag Vormittag stattfanden, sowie der öffentlichen Siegerehrung, die am Freitag früh auf der W:E:T Stage erstmals vor Publikum zelebriert wurde. Weiter geht es also Donnerstag, 11 Uhr, in der Bullhead City, mit der nächsten Band des Wacken Metal Battles.
E.N.D. – Kroatien
Der Metal Battle-Donnerstag startete mit der kroatischen Formation E.N.D., was ausgeschrieben für Evil Never Dies steht. Wer nach dem ersten Wacken Tag noch etwas müde auf dem Platz erschien, sollte von den drei Jungs aus Kroatien direkt die volle Ladung Hardcore Metal auf die Ohren bekommen. Pure Energie erfüllte ab dem ersten Song die W.E.T. Stage.
Als Sänger und Gitarrist Alen im Meshuggah-Shirt die Bühne betrat, war sofort klar, in welche Richtung der Auftritt gehen sollte. Schnelle Riffs, schreiende Vocals, begleitet von einem headbangenden Bassisten, prägten die Performance. Die Metalheads in der ersten Reihe taten es dem Bassisten gleich und schüttelten bereits zur frühen Morgenstunde fleißig die Köpfe. Ansonsten sah es vor der Bühne eher leer aus. Doch der Schein trog. Aufgrund der bereits am Vormittag sehr intensiven Sonne hatten sich die meisten Zuschauer etwas weiter hinten einen Platz auf den Bierbänken im Schatten des großen Sonnensegels der Bullhead City gesucht und verfolgten von dort aus den Auftritt der Kroaten, die mit ihrer energiegeladenen Performance das Publikum durchaus überzeugen konnten. So formierte sich beim letzten Stück der erste Circle Pit des Tages vor der W.E.T. Stage.
Novelization – Niederlande
Weiter ging es mit Novelization aus den Niederlanden auf der Headbangers Stage. Sänger und Gitarrist Chris sollte dem Namen der Bühne alle Ehre machen und legte sich direkt ab dem ersten Titel headbangend ins Zeug. Doch nicht nur er schüttelte fleißig seine Mähne, sondern der Rest der Band tat es im gleich. Die wuchtigen Riffs und die Energie ihres Auftritts, eine Mischung aus Atmosheric Black- und Death Metal, lockte dann doch einige Metalheads von ihren Schattenplätzen vor die Bühne, um die vier Jungs aus den Niederlanden zu unterstützen.
Im krassen Kontrast zur Wucht ihrer Show standen die Schottenröcke der Bandmitglieder, die jedoch in Kombination zu unterschiedlichen Band-Shirts getragen wurden. Ob es sich dabei um die jeweilige Lieblingsband der Musiker handelte, bleibt nur zu vermuten. Mit voller Power, einem wummernden Bass, immer wieder getragen von schnellen Riffs, ging es durch die 20 Minuten Spielzeit, die viel zu schnell mit dem letzten Lied Living In Hell, der ersten Single des neuen Albums, endete. Auch von einem kurzen Stromausfall zum Schluss ließen sich die vier Jungs nicht beirren und legten einen professionellen Auftritt hin.
Haine – Malta
Noch intensiver sollte es im Anschluss auf der W.E.T. Stage weitergehen, die von Haine, als dritte Metal-Battle-Band des Tages, übernommen wurde. Deathcore stand auf dem Programm und so brachte ein alles überragender, wummernder Bass die Barricade und die ersten Reihen zum Beben. Tiefe Growls dominierten die Vocals von Chris, der den gleichen Vornamen hatte wie sein Kollege von Novelization. So viel Kraft auf der Bühne erforderte auch Action vor der Bühne und so forderte Chris immer wieder zu Circle Pits auf. Getragen wurde seine raue Stimme von zwei Gitarren, die zusammen mit dem Bass mit viel Intensität für einen vielschichtigen Klangrahmen sorgten. Fans von Deathcore kamen bei den Maltesern voll auf ihre Kosten und konnten sich vor der Bühne exzessiv verausgaben. Wie bereits ihre Metal-Battle-Bandkollegen zuvor, wählten sie als letztes Stück ihre neu veröffentlichte Single mit dem Titel Kings / Queens.
Gágor – Slowakei
Mit Gágor kämpfte eine weitere female fronted-Band darum, als Sieger des diesjährigen Metal Battles hervorzugehen. Die Slowaken brachten eine Mischung unterschiedlicher harter Spielarten auf die Headbangers Stage, unter anderem mit Einflüssen von Death und Trash-Metal, die von den Screams ihrer Frontfrau Nicole geprägt wurde. Diese unterstrich ihre Performance mit reichlich Bewegung und Gestik auf der Bühne. Ihre intensiven Anstrengungen, das Publikum zum Springen zu animieren, blieben jedoch weitestgehend erfolglos, obwohl sie auf der Bühne vollen Körpereinsatz zeigte und selbst kräftig mitsprang. Auch ihre Bandkollegen gaben Vollgas, ließen die Saiten ihrer Gitarren glühen und quietschen und wippten im Takt ihrer Musik fleißig mit. Das Schlagzeug unterstrich mit einem kräftigen, schnellen Beat den harten Sound. Doch beim Publikum sprang der Funke nicht ganz über, was vielleicht auch den auf slowakisch vorgetragen Texten geschuldet war.
Death Row – Bulgarien
Passend zum Bandnamen, zu Deutsch „Todeszelle“, betraten Death Row in grellen orangefarbenen Sträflingsanzügen die W.E.T. Stage. Ihr Frontman legte nach einem kurzen Intro direkt mit tiefen Growls und wildem Headbangen los. Seiner Gesangsperformance, geprägt von wilden, rauen Screams und immer wieder düsteren Growls, nahm man den vermeintlich zum Tode geweihten Sträfling direkt ab. Auch seine bisweilen skurrile Mimik mit verdrehten Augen und unnatürlich verzerrter Mundpartie trug ihren Teil dazu bei. Währenddessen legten die Gitarren richtig los und brachten wilde, temporeiche Riffs auf die Bühne, welche vom donnernden Schlagwerk massiv unterstützt wurden. So gab es ein weiteres Mal ordentlich was auf die Ohren und genügen Gelegenheit zum Moshen und Headbangen für die inzwischen zahlreich vor der Bühne versammelte Metalschar.
Den Höhepunkt fand der Auftritt von Death Row mit einer Darbietung, die einem Todeskampf glich. Ängstliche Schreie, irres Lachen, ein auf dem Boden liegender, wimmernder Sänger im ,blutverschmierten‘ Tanktop, kündigte so den nächsten Song The Friend Of The People an. Der wilde, von Todesangst geprägte Stil zog sich durch den ganzen Auftritt der Band und endete damit, dass ihr Sänger zum Schluss von der Bühne sprang, um einmal die ganze erste Reihe abzuklatschen, während sich dahinter bereits ein Moshpit im wilden Takt bewegte. Das Publikum feierte die außergewöhnliche Show und zollte reichlich Beifall.
Force – Chile
Die Metal Battle-Teilnehmer aus Chile stachen direkt heraus, bei keiner Band hat man so viele mitgereiste Fans im Publikum sichten können wie bei Force. Die Band hat direkt mit ihrer Energie und Spielfreude überzeugen können, auch wenn nicht jeder Ton bis ins letzte Detail saß. Sänger Starboy/ Lauriano führte solide durch das Programm und brachte mit seiner Stimme das Publikum zum Kochen, während die restliche Band mit ihrer Performance das Publikum immer weiter aufhypten. Auch wenn es nicht der sauberste Auftritt des Tages war, war dies definitiv einer, der beim Publikum am besten ankam.
Sentient Void – Philippinen
Sentient Void stiegen für die Philippinen in den Ring des Metal Battle-Donnerstags. Musikalisch lässt sich die sechsköpfige Band kaum bis gar nicht in eine Genre-Schublade stecken. Das dargebotene Chaos ist wohl am ehesten mit experimentellem Metal zu beschreiben. Die Philippinen lieferten eine Mischung aus sehr laut abgemischten, quietschigen Gitarrenriffs, schnellen Drums und der recht leisen Stimme des Sängers. Mit leicht angeschwitztem Corpse Paint und dicker Lederkluft präsentierte dieser sich entweder shoutend, aber mit leicht melodischen Tendenzen oder krächzte einige Passagen mit verstellter hoher Stimme. Immer wieder verzog sein breites Grinsen dabei die aufgemalte Maske in seinem Gesicht zu einer noch hässlicheren Fratze. Auch wenn der Gesang nur sehr schlecht zu hören war, traf das Sechsergespann auf ein begeistertes Publikum. Die, wenn auch recht lichte, Menge blieb die vollen 19 Minuten lang ständig in Bewegung.
Midhaven – Indien
Aus der indischen Stadt Mumbai und mit einer ordentlichen Portion Progressiv Metal im Gepäck, sind Midhaven zum Wacken Metal Battle angereist. Fast schon meditativ begann die Band ihren Auftritt auf der Headbanger Stage mit teilweise geschlossenen Augen. Die trägen Gitarrenklänge gingen dann aber schnell in fordernde Riffs und Rhythmen über, wobei der Takt insgesamt lässig blieb. Man konnte den Musikern ansehen, mit wieviel Herzblut sie diesen Auftritt genossen. Beide Gitarristen übernahmen den Gesang, welcher tief und dunkel daherkam und von einzelnen längeren Shouts durchmischt war. Markant für die Performance waren jedoch die langen Instrumental Parts, welche dampfwalzenartig über die in die Höhe gestreckten Pommesgabeln der Metalheads hinwegpfegten. Auch wenn die Stimmung eher ruhig war, wirkte die Menge sehr angetan und lauschte gebannt.
Given by the Flames – Japan
Gothic Metalcore direkt aus Japan? Given by the Flames machen es möglich. Die Band hat extra den weiten Weg aus Tokio auf sich genommen, um dem Holy Ground ihre spezielle Musik zu präsentieren. Ihre Mischung aus harten Breakdowns und düsteren Melodien schlug wie ein Komet in die Reihen der Zuschauenden ein. Die sehr sprunghaften Gesangparts waren dabei geprägt durch gepresste Shouts, höhere Sprechpassagen und tiefe, drückende Growls. Ein wirklich berauschendes Gesamtpaket, welches sogar zum Crowdsurfen animierte. Mit dieser schnellen, fordernden und energiegeladenen Performance sicherten sich die Japaner den verdienten dritten Platz des Wacken Metal Battles.
Gidora – El Salvador
Die junge Groove- und Death Metal Band trat für El Salvador beim Wacken Metal Battle an. Ihr Auftritt war geprägt durch dunkle Gitarrenriffs und tiefe, gebrüllte, gutturale Gesangsparts, welche sich in eine aggressive, aber eher ruhigere Rhythmik einfügten. Das Publikum nickte angetan und wiegte sich im trottenden Takt. Gidora überzeugten mit vielen Instrumental Parts, die auch mal im Off Beat zueinander standen. Trotz immer wieder ähnlicher Gitarrenriffs ergab sich so eine sehr abwechslungsreiche Darbietung. Die Band versprühte eine begeisterte Spielfreude und extrem viel Selbstsicherheit. Sollten die Musiker während ihres Auftritts auf dem Wacken Open Air 2026 Aufregung verspürt haben, so war ihnen dies keineswegs anzumerken. Eine solide Performance.
Rise of the Shadows – Spanien
Groovig und energiegeladen kämpften Rise of the Shadows für Spanien im Metal Battle Ring. Der kräftige, gutturale Gesang von Frontmann und Sänger Samuel Justicia hing dabei über den schnellen Drums und melodischen Gitarrenriffs. Mit teils klaren Background Vocals ergab sich musikalisch ein mitreißender und schneller Mix aus Melodic Death Metal und Metalcore-Elementen. Die Band steckte ihre volle Energie in den Auftritt und animierte das Publikum immer wieder zum Mitmachen und Springen. Dieses ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und belohnte die Darbietung mit einem ausgedehnten Circle Pit. Hier hatten definitiv alle Beteiligten sehr viel Spaß. Die Performance stellte zudem unter Beweis, wie viel Spaß es machen kann, Musikern dabei zuzuschauen, wie sie das, was sie lieben, auf der Bühne präsentieren.
Days of Ruin – Schweiz
Mit einem laut gebrüllten “Are you ready?”, starteten Days of Ruin in ihren Metal Battle-Auftritt auf der Headbanger Stage. Die Oldschool-Metalcore-Band stieg für die Schweiz in den Ring und versprühte vom ersten Takt an ausschließlich positive Energie. Während die preschenden und schnellen Rhythmen das Publikum direkt in Bewegung versetzten, sorgte der eigentümliche Gesang von Michael Stucki für ein sehr unterhaltsames Hörerlebnis. Mit gesprochenen Parts, unkontrolliert wirkenden Schreien, Shouts und vereinzelten Growls präsentierte der Sänger die Vielseitigkeit seiner Stimme. Eine verrückte Performance, welche nicht nur den Bandmitgliedern ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Für die Band war es eine große Ehre auf dem Holy Ground spielen zu dürfen, dies betonte Frontmann Stucki zum Ende des Auftritts und bedankte sich für die Möglichkeit. Diese bodenständige Darbietung sorgte für äußerst gut gelaunte Metalheads.
Das Metal Battle ist ein eigenständiges Event im Event: ein Förderinstrument, das jungen Acts eine reale Chance bietet, sich vor Jury, Stream und Publikum zu beweisen. Unterstützt wird das Programm von der Wacken Foundation sowie Solar Guitars, die damit gezielt Nachwuchsbands fördern. Auf die Gewinner warten attraktive Geldpreise, und die Siegerband erhält im Folgejahr zusätzlich einen offiziellen Slot auf dem Wacken Open Air – ein Karriereschub, der für viele Acts den ersten großen Schritt auf die internationale Bühne bedeutet.
Dass dieser Wettbewerb Türen öffnet, zeigt ein Blick in die Hall of Fame: Zahlreiche Bands haben über das Metal Battle ihren Weg in die internationale Szene gefunden – darunter Battle Beast (Sieger 2010), Drone (Sieger 2006) oder Tengger Cavalry, die sich 2013 im chinesischen Vorentscheid durchsetzten und damit erstmals internationale Aufmerksamkeit erhielten. Auch jüngere Gewinner zeigen, wie stark der Wettbewerb global vernetzt ist und welche Reichweite ein Sieg haben kann.
Doch auch abseits der späteren Gewinner hinterlässt das Metal Battle Spuren: Viele Bands schaffen es, sich allein durch ihre starke Performance eine treue Fanbasis zu erspielen – und bleiben nicht selten auch unserer Redaktion im Gedächtnis. Immer wieder tauchen Acts, die beim Metal Battle erstmals aufgefallen sind, als Band der Woche bei uns auf. Der Wettbewerb ist damit nicht nur ein Sprungbrett für die Sieger, sondern ein Entdeckungsraum für außergewöhnliche Nachwuchsbands, die langfristig Eindruck hinterlassen.
Schauen wir uns aber jetzt das Ergebnis des aktuellen Metal Battles an:
Siegerehrung
Erstmals nicht im Pressezelt, sondern auf der W:E:T Stage wurde die Siegerehrung des Wacken Metal Battles diesmal vor den versammelten Fans in der Bullhead City zelebriert. Auf der Bühne hatten sie die Promoter aller Vorentscheide versammelt, um die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs zu feiern. Sandy und Mike, die vorher den Stream moderiert hatten, übernahmen auch die Moderation auf der Bühne und hatten prominente Gäste eingeladen, um die Preise zu übergeben.
Wichtigster Sponsor und Unterstützer des Metal Battles ist natürlich die Wacken Foundation, und so erhielt der aktuelle Kopf der Organisation, Andreas Faust, die Ehre, den ersten Preis zu verleihen, für die meisten Stimmen im Vor-Ort-Voting, der an Force aus Chile ging, was nach der Anzahl an Flaggen, die beim Auftritt in der ersten Reihe zu sehen war, nicht unbedingt überraschte.
Der zweite Preis der verliehen wurde, ging an den Gewinner des Online-Votings: Über 12000 Stimmen aus 90 Ländern wurden über den Livestream abgegeben, ein Format, das in diesem Jahr seine Premiere feierte. Für die Verleihung kam die Bürgermeisterin der Gemeinde Wacken, Pamela Braun, auf die Bühne, und durfte den Preis an Sentient Void von den Philippinen überreichen.
Danach ging es an die eigentlichen Preise des Metal Battles, die von einer Jury entschieden wurden und ebenfalls von prominenten Gästen überreicht wurden; Jan, der Chef-Booker des Festivals, Joel als Vertreter von Solar Guitars, der frühere Chef und Gründer des Metal Battles Sascha, und zu guter Letzt Wacken-Gründer Thomas Jensen. Zwei Neuheiten gab es dieses Jahr auch im Ergebnis, denn erstmals gab es auch ein Unentschieden beim fünften Platz. Und auch zum ersten Mal ging der erste Platz an eine Band aus Südamerika.
Hier ist das Ergebnis:
5. Platz: The Crescent’s Call (Österreich) & Seers of Light (Ungarn)
4. Platz: Speak in Whispers (Zypern)
3. Platz: Given by the Flames (Japan)
2. Platz: Ashed Winter (Frankreich)
1. Platz: Force (Chile)
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Bericht: Anne & Jenny & Roksana
Bilder: Matthias & Patrick
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- Festivalbericht: Wacken Metal Battle 2026 – Mittwoch, Teil 2
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Unsere englischen Beiträge zum Wacken Open Air 2026 findet ihr hier:
- Festival report: Wacken Open Air 2026 – Wednesday, Part 1 [English Version]
- Festival report: Wacken Metal Battle 2026 – Wednesday, Part 2 [English Version]
- Festival report: Wacken Metal Battle 2026 – Wednesday, Part 1 [English Version]
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