München wurde Anfang April erneut zum Zentrum düsterer Klangkunst. In der bayrischen Hauptstadt dominierten plötzlich Blastbeats, kalte Riffs und eine brennende Leidenschaft für extreme Musik, die Besucher*innen aus unterschiedlichsten Orten zusammenführte. Das Dark Easter Metal Meeting öffnete erneut seine Tore und ließ zwei Tage lang die Mauern des Backstage erbeben. Zwischen intensiven Konzerten, besonderen Bühnenmomenten und jeder Menge Gänsehaut waren auch wir wieder mittendrin, um mit Stift und Kamera dieses Wochenende für euch festzuhalten.
In diesem Bericht werden die Auftritte auf den beiden Nebenbühnen in der Halle und dem Club vorgestellt. Da wir im Team mit nur einer schreibenden Person arbeiten, können nicht alle Konzerte textlich erwähnt werden, aber dafür gibt es von jeder Band Bilder, welche euch einen visuellen Eindruck von den einzelnen Gigs geben. Die Auftritte auf der Hauptbühne findet ihr hier in Teil 1 vom Sonntag.
Schreigarm
Die Besucher*innen und ich wurden am frühen Sonntagnachmittag Zeug*innen einer Weltpremiere: Die Band Schreigarm trat zum ersten Mal live auf. Solche Premieren versprechen häufig kreative und spannende Ideen, und deshalb stand ich erwartungsvoll vor der Bühne.
Die beiden Gründungsmitglieder erschienen in schwarzen Bühnenoutfits mit Kapuzen, die mit Akzenten aus Knochen und braunen Bindfäden verziert waren. Ihr Auftakt verlief zunächst noch etwas holprig: Sie betraten gemeinsam die Bühne, ohne dass das Intro lief, forderten bereits Jubel ein und berieten sich anschließend kurz. Als dann das vermisste Intro endlich einsetzte, erschien auch die Schlagzeugerin, die künftig die Livebesetzung der Band ergänzen sollte, und das Konzert konnte beginnen.
Zum Auftakt trat eine Tänzerin auf, die mit langsamen und fließenden Bewegungen über die Bühne schwebte. Später erschien sie noch einmal und führte eine Choreografie mit einer Voodoopuppe auf, begleitet von kultisch anmutenden Gesängen im Hintergrund. Mir gefiel diese Idee sehr, da sie den Auftritt auflockerte und für zusätzliche Abwechslung sorgte.
Musikalisch bot Schreigarm dichten, schnörkellosen Black Metal, der mit doomigen Passagen sowie einer schwerfälligen, zugleich aber kraftvollen Melodik überzeugte. Dazu kamen wechselnde Screams und gelegentlicher Klargesang als spannungsvoller Kontrast.
Ich empfand Schreigarms ersten Auftritt als gelungen und mochte ihren Ansatz sehr. Es blieb spannend zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln würden.
Setliste: Darkness Shall Reign (Intro) // Winds of the Ancient Pantheons // Whispers of the Blackened Woods // Oath of the Gods // When the Ravens Flow Through My Veins // Mara Comes // Nine Days on the Gallows Tree // The Mystical Rebirth
Décembre Noir
Beim folgenden Auftritt in der Halle wurde es deutlich emotionaler und gefühlvoller. Décembre Noir präsentierten einen atmosphärisch sehr dichten Black Metal, der stimmungsmäßig eine breite Palette an Emotionen abdeckte. Ich spürte in ihrer Musik Wut, Trauer, Enttäuschung und Niedergeschlagenheit. Die tiefen Growls sowie die abwechselnd aggressiven und schwermütigen Riffs unterstrichen diesen Eindruck und wirbelten meine eigenen Emotionen durcheinander.
Das Stroboskoplicht verstärkte die hektische Stimmung der Musik und ließ auch visuell keine Ruhe einkehren. Der Sänger animierte die Besucherinnen zwischen seinen Gesangspassagen immer wieder dazu, die Fäuste zu heben, und kündigte vor einem Song eine „Wall of Doom“ an. Die Besucherinnen sollten dabei stehenbleiben und für sich allein headbangen. Ab diesem Moment hatte ich endlich einen Fachbegriff für diese besondere Form der Konzertaktion. Danke, Décembre Noir, für diese kleine Lehrstunde!
Zwischendurch gab es für die Besucher*innen noch eine erfreuliche Ankündigung: Im Herbst 2026 sollte ein neues, bislang noch unbetiteltes Album erscheinen. Weitere Details wurden zwar nicht verraten, doch die Vorfreude war damit geweckt.
Setliste: Pale Serenades (Intro) // Hope/Renaissance // Small.Town.Depression // Against The Daylight // The Forsaken Earth // Streets of Transience // Your Sunset/ My Sunrise
Cwfen
Setliste: Bodies // Wolfsbane // Reliks // Revenge // Whispers // Penance // Embers
Ponte Del Diavolo
Ponte Del Diavolo waren die zweite Band an diesem Tag mit einer Sängerin, die allein durch ihre Bühnenpräsenz den gesamten Raum der Venue einnahm und ausfüllte. Ich war bereits Zeuge ihres Auftritts beim De Mortem Et Diabolum 2024 gewesen und hatte mich den ganzen Tag auf diesen Moment gefreut.
Die Musiker*innen spielten Black Metal mit Avantgarde-Elementen und gelegentlichen Swing-Einflüssen. Vieles wurde von einem samtigen und kraftvollen Gesang getragen. Schon diese Mischung war für sich genommen außergewöhnlich und wirkte nach einem ganzen Tag voller Black Metal auf mich äußerst erfrischend. Ihre stilistische Vielfalt überraschte mich dabei immer wieder aufs Neue.
Im Zentrum der Performance stand Sängerin Erba del Diavolo. Sie bewegte sich elegant, lässig und mitunter leicht lasziv über die Bühne. Dabei lehnte sie sich abwechselnd an den Mikrofonständer, der vom Bandlogo gekrönt wurde, oder beugte sich zu einzelnen Zuschauer*innen hinunter. Zum Abschluss beim Song Covenant lag sie schließlich auf dem Bühnenboden und sang in einer anmutigen Pose weiter.
Im Verlauf des Konzerts, besonders als die Musik etwas schneller und aggressiver wurde, verwandelte sich der Bereich vor der Bühne in einen kleinen Hexenkessel. Richtig wild wurde es, als ein Zuschauer wie beim Crowdsurfen emporgehoben wurde. Die Person wurde bis an den Bühnenrand getragen, rollte sich dort etwas unbeholfen ab und sprang anschließend zurück in die Menge. Die übrigen Besucher*innen fingen ihn auf und trugen ihn noch eine Runde durch den Raum, bevor er wieder abgesetzt wurde.
Zusammengefasst war der Auftritt von Ponte Del Diavolo eines meiner persönlichen Highlights an diesem Wochenende.
Setliste: Un bacio a Mezzanotte (Intro) // Spirit, Blood, Poison, Ferment! // Every Tongue Has Its Thorns // Lunga vita alla necrosi // Zero/ Nocturnal (Medley) // Il Veleno della Natura // In the Flat Field (Bauhaus Cover) // Demone // Covenant
Hail Spirit Noir
Der Auftritt von Hail Spirit Noir bildete den Abschluss der drei spannenden Shows im Club und war eine würdige Krönung des Abends.
Die Musik war, ähnlich wie bei Cwfen und Ponte Del Diavolo, im Black Metal verwurzelt, wurde jedoch um besonders spannende Elemente erweitert. Im Fall dieser Band wurde der Black Metal mit Blues, Rock’n’Roll und elektronischen Klängen aus dem Keyboard ergänzt, wodurch eine sehr spezielle Mischung entstand, die mir vom ersten Moment an gefiel. Screams wechselten sich mit hallendem Klargesang ab, wobei sich die beiden Sänger am selben Mikrofon ablösten. Abgerundet und verfeinert wurde der Sound durch das eindrucksvolle Spiel von Haris am Keyboard.
Der Auftritt war nicht nur für viele Besucher*innen der Abschluss des Tages, sondern zugleich auch ein letztes großes Aufbäumen. Es wurde laut gebrüllt, die Fäuste wild in die Höhe gereckt und geschwungen, geheadbangt und vereinzelt sogar getanzt. Von der Tribüne aus bot sich ein beeindruckender Anblick. Selbst die Sängerin von Ponte Del Diavolo stand am Bühnenrand und feierte mit.
Zusammengefasst wurde an diesem Abend eine waschechte Black-Metal-Party gefeiert und ich genoss jeden einzelnen Augenblick.
Setliste: Starfront Promenade // I Mean You Harm // The Cannibal Tribe Came from the Sea // Oi Magoi // Against the Curse, We Dream // Crossroads // Fossil Gardens // Haire Pneuma Skoteino
Mit dem Ende des diesjährigen Dark Easter Metal Meeting gingen zwei intensive Festivaltage zu Ende, die eindrucksvoll zeigten, wie vielfältig und facettenreich Black Metal sein kann. Bands aus zahlreichen Ländern brachten auf allen drei Bühnen ihre ganz eigenen Spielarten des Genres nach München: von atmosphärischen und avantgardistischen Klängen bis hin zu rohem, kompromisslosem Black- und Death Metal.
Wir waren für euch an allen drei Bühnen unterwegs, um möglichst viele Eindrücke einzufangen und dieses musikalische Osterwochenende in all seinen Facetten festzuhalten. Das Dark Easter Metal Meeting bewies auch in diesem Jahr wieder, warum es zu den spannendsten Festivals der Szene gehört, und wir gehen fest davon aus, auch im nächsten Jahr wieder mit Stift und Kamera vor Ort zu sein.
Weitere Bilder
Thron
Vollmondprozession
Ruïm
Whoredom Rife
Darkher
Bericht: Maximilian
Bilder: Matthias
Mehr zum diesjährigen Dark Easter Metal Meeting findet ihr hier:
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Sonntag, 05.04.2026 – Teil 1
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Samstag, 04.04.2026 – Teil 1
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Samstag, 04.04.2026 – Teil 2
Frühere Beiträge zum Dark Easter Metal Meeting findet ihr hier:
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting 2025, Sonntag, 20.04.2025
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting 2025, Samstag, 19.04.2025
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Sonntag 31.03.2024
- Festivalbericht: Dark Easter Metal Meeting, Samstag 30.03.2024
- Festivalbericht: Sonntag, dem 09.04.2023, auf dem Dark Easter Metal Meeting
- Festivalbericht: Samstag, dem 08.04.2023, auf dem Dark Easter Metal Meeting
Mehr von den Bands bei Dark-Art findet ihr hier:
- Band der Woche: Ponte Del Diavolo
- Festivalbericht: Walpurgisnacht IV, Freitag, 02.05.2025
- Festivalbericht: De Mortem Et Diabolum X, Samstag, 07.12.2024
- Festivalbericht: Dark Troll Festival, Donnerstag 09.05.2024
- Festivalbericht: 09.09.2023 Prophecy Fest 2023 – Samstag
- Wacken Open Air 2023 – Donnerstag – Sammelbeitrag
- Wacken Open Air 2023 – Donnerstag
- Festivalbericht: War against War Festival- ORWOHaus Berlin
- Prophecy Fest 2022- Samstag
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