Festivalbericht: Rockharz – Freitag, 03.07.2026

Es ging in die dritte Runde auf dem diesjährigen Rockharz! Die Sonne schien und der Himmel war klar und strahlend blau. Das perfekte Wetter zum rocken und so erwartete uns ein weiterer Tag voller cooler Momente vor und auf den beiden Bühnen. Es spielten 16 Bands, vom Opener Rodeo 5000 mit ihrer Interpretation von Country Musik, über Fiddler’s Green mit Irish Speed-Folk und die Folk-Metal-Legenden von Subway to Sally bis hin zu den Headlinern Kreator, die Thrash Metal-Könige aus Essen.

Wir waren wieder mit Stift und Kamera vor Ort, um die schönsten Momente für euch einzufangen.

 

Rodeo 5000

Wochenende! Saufen! Country-Musik! Country? Oh ja, das Rockharz eröffnete den Freitag mit einem neuen und herrlich skurrilen Projekt. Simon Erichsen, besser bekannt als Mr. Hurley, hatte den Dreispitz gegen einen Cowboyhut und seine Crew gegen einen Haufen Rednecks eingetauscht.

Das Projekt war 2024 ins Leben gerufen worden, um Blues- und Country-Songs über sämtliche Klischees rund um das Leben von Hillbillys und Rednecks in den USA zu schreiben. Auf der Bühne trugen die Musiker Cowboyhüte, Trucker-Caps und sogar einen Waschbären auf dem Kopf. Musiziert wurde stilecht mit Banjo, Geige, Akustikgitarre und Waschbrett.

Während des Auftritts stellten die Musiker ihre Bühnenfiguren vor. Zu jeder Rolle gab es eine kurze und herrlich schräge Anekdote. Zwischendurch wurde zudem stilecht direkt aus einer Flasche Jack Daniel’s getrunken. Lemmy wäre darauf vermutlich stolz gewesen. 

Mein Highlight war ein Cover des bekannten Lieds Mein Stammbaum ist ein Kreis von Knasterbart, zu dem Sänger Simon auch gehörte.

Wenn ihr Mr. Hurley & die Pulveraffen mögt, dann hättet ihr mit Rodeo 5000 vermutlich ebenfalls eure Freude gehabt.

Haggefugg

Nach einer ordentlichen Portion Country wurde es wieder mittelalterlich: Haggefugg übernahmen die Bühne. Die Band aus Köln überzeugte mit der dynamischen Performance von Sänger Yannick Delseit und jeder Menge Gute-Laune-Musik.

Bei ihrem Auftritt besangen die Musiker lange Nächte in Tavernen und so manche Gestalt aus Sagen und Legenden. Eine davon war Robin Hood, dem sie im gleichnamigen Lied ein musikalisches Denkmal setzten und dessen Großzügigkeit priesen. Passend dazu erschien während des Liedes ein als Robin Hood verkleideter Darsteller auf der Bühne und verteilte Wasserflaschen sowie Schokolade an die feiernde Menge. Diese kleine Geste empfand ich als ausgesprochen sympathisch.

Motorjesus

Nach so vielen leichtfüßigen Liedern und einer guten Portion Humor wurde es wieder Zeit für kantigeren Rock und Metal. Den Auftakt übernahmen Motorjesus mit ihrem kernigen Biker-Hard-Rock. Der Einstieg fiel dabei ebenso direkt wie unspektakulär aus: Die Musiker betraten die Bühne, griffen zu ihren Instrumenten und legten ohne Umschweife los. Zur Setlist gehörte unter anderem Somewhere from Beyond von ihrem aktuellen Album Streets of Fire, das am 18.07.2025, also knapp ein Jahr zuvor, erschienen war.

Mein persönliches Highlight kam jedoch erst zum Abschluss des Auftritts. Zunächst warf Sänger Christoph Birx einen aufblasbaren Reifen in die Crowd und stellte die Aufgabe, dass sich möglichst viele Menschen gleichzeitig hineinquetschen sollten, mindestens jedoch 13 Personen. Ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wurde, konnte ich nicht erkennen. Dafür bekam ich mit, wie der Sänger die durstigen Besucher*innen anschließend mit Dosenbier versorgte. Die erste Dose wurde kräftig geschüttelt und anschließend mit einer großen Fontäne geöffnet, was Christoph Birx sichtlich amüsierte und er entsprechend freudig kommentierte.

Damit endete der erste Auftritt der härteren Gangart am Freitag, doch es sollten an diesem Tag noch einige weitere folgen.

Cypecore

Der nächste Auftritt schlug visuell und thematisch eine bis dahin völlig neue Richtung ein. Mit Cypecore betrat die erste Metalcore-Band des Festivals die Bühne. Die Musiker präsentierten sich in schwarzen Cyberpunk-Outfits mit markanten orangefarbenen Akzenten und lieferten modernen Metalcore, angereichert mit Industrial-Elementen.

Die rasante und schneidende Musik erhöhte den Härtegrad der bisherigen Running Order spürbar. Die Besucher*innen zeigten sich begeistert und schon nach kurzer Zeit segelten die ersten Crowdsurfer*innen in Richtung Bühne. Dabei sah ich zum ersten Mal Kinder crowdsurfen. Die beiden jungen Besucher*innen mit ihren großen Gehörschutz-Kopfhörern wurden zwar äußerst vorsichtig über die Menge getragen, dennoch empfand ich dass Kinder an einer solchen Aktion noch nicht teilnehmen sollten. Ich sehe da die Möglichkeit für Verletzungen, und in solchen Momenten während die Kinder auch von ihren Eltern getrennt, was zu weiteren Komplikationen und Stress für die zukünftigen Metalheads sein könnte. Kinder sollten aus meiner Sicht nicht Crowdsurfen und an dieser Stelle hätte ich mir eine entsprechende Ansage von Cypecore gewünscht.

Abgesehen von der Situation mit den Kindern war der Auftritt für mich rundum gelungen.

Hiraes

Mit Hiraes stand anschließend die nächste Band aus deutschen Gefilden auf der Bühne. Die Musiker*innen aus Hannover, von denen, mit Ausnahme von Sängerin Britta Görtz, alle aus der aufgespaltenen Band Dawn of Disease hervorgegangen waren, spielten nackenbrechenden Melodic Death Metal. Britta selbst war auf dem Rockharz keine Unbekannte. Bereits im Vorjahr war sie für Marcus Bischoff bei Heaven Shall Burn auf ihrer Tour eingesprungen. Zu einen der Stopps gehörte der Auftritt auf dem Rockharz. Nun kehrte sie mit Hiraes zurück und lieferte einen starken Auftritt ab.

Britta sang dabei an zwei Mikrofonen: einem auf der Bühne am Ständer fest installierten und einem kabellosen Mikrofon, das sie am Körper trug. Letzteres nutzte sie, um gemeinsam mit einem der Gitarristen die Bühne zu verlassen und direkt in die Crowd zu gehen. Dort bildete sich ein Circle Pit um die beiden, während sie unbeeindruckt weiterspielten und -sangen. Eine solche Aktion hatte ich auf diesem Rockharz bislang noch nicht erlebt und genau deshalb blieb sie mir besonders in Erinnerung.

Gothminister

Nach fünf Bands wurde es langsam Zeit für einen internationalen Act und mit Gothminister betrat eine norwegische Band die Bühne. Die ursprünglich als Soloprojekt von Sänger Bjørn Alexander Brem gestartete Band verbindet Alternative Metal mit Industrial-Elementen und setzte als erste Band des Freitags einen deutlichen Schwerpunkt im Gothic-Bereich.

Aufgrund des starken Windes musste die Band, ähnlich wie einige Acts am Vortag, auf ihre geplante Pyroshow verzichten. Stattdessen wurde zunächst mit Nebel gearbeitet. Die Rauchschwaden wurden jedoch sofort vom Wind verweht, sodass auch dieser Effekt nach kurzer Zeit eingestellt wurde.

Das ließ sich jedoch gut verschmerzen, denn letztlich stand ohnehin die Musik im Mittelpunkt. Vor allem Bjørn Alexander Brem machte mit seiner markanten und kraftvollen Stimme die fehlenden Bühneneffekte mehr als wett.

Ein schönes Detail war außerdem die große norwegische Flagge, die einige begeisterte Fans mitgebracht hatten und die während des Konzerts immer wieder über der Crowd hinwegsegelte.

Rauhbein

Am Freitag, dem 3. Juli, feierte das Rockharz zusammen mit der Band Rauhbein ein besonderes Ereignis: An diesem Tag wurde ihr bereits viertes Studioalbum Rebellen & Helden veröffentlicht. Bereits drei Jahre zuvor – ebenfalls auf diesem Festival – hatte das Projekt um Sänger Henry M. Rauhbein den Release seines zweiten Albums gefeiert. 

Im Vergleich zu 2023 wirkte die Stimmung in der Crowd allerdings deutlich verhaltener. Die Autogrammstunde war nur spärlich besucht und auch vor der Bühne fiel die Begeisterung für die neuen Songs merklich geringer aus. Einzig die ersten Reihen gingen richtig mit, während der Großteil des Publikums den Auftritt eher ruhig verfolgte. Woran das letztlich lag, ließ sich schwer sagen. Möglicherweise spielten die neuen Lieder eine Rolle, vielleicht aber auch die umfassende Neubesetzung der Band, denn von der Besetzung aus dem Jahr 2023 war nur noch Bassist Olli Schmidt und  Sänger Henry M. Rauhbein dabei. Das bleibt allerdings reine Spekulation. Viel Zeit, darüber nachzudenken, blieb ohnehin nicht, denn bereits der nächste beinharte Auftritt wartete. 

Walls of Jericho

Es wurde wieder Zeit für eine US-amerikanische Band und zugleich für eine ordentliche Portion Hardcore Punk. Es wurde Zeit für Walls of Jericho aus Detroit!

Die Stimmung auf dem Infield änderte sich schlagartig. Die Ansagen von Sängerin Candace Kucsulain waren direkt, mit jeder Menge „Fuck“ gespickt und ausgesprochen fordernd. Selten hatte ich eine Aufforderung zu einem Circle Pit erlebt, die so schnell Wirkung zeigte. Kaum waren die Worte ausgesprochen, verwandelte sich die Mitte der Crowd in einen tobenden Fleischwolf. Währenddessen rannten und sprangen Candace und ihre Bandkollegen mit infernalischer Energie über die Bühne.

Die Band hatte außerdem gute Neuigkeiten im Gepäck: Für November kündigte sie ein neues Album an. Das war die zweitschönste Ansage des Auftritts, direkt nach dem Aufruf zum Circle Pit, der während des Konzerts kaum noch zum Stillstand kam.

Fiddler’s Green

Die kommenden beiden Acts gehörten wieder zur Kategorie der großen „Wiederholungstäter“ auf dem Rockharz. Jedes Mal erwiesen sie sich als Garant für ein bestens besuchtes Konzert. Den Anfang machten Fiddler’s Green mit ihrem Irish Speed Folk.

Die Musiker spielten dabei eine ganze Reihe älterer Songs, darunter Victor and His Demons, Yindy und, zu meiner besonderen Freude Greens and Fellows. Die Ballade in der Mitte des Sets bot eine kleine, angenehme Verschnaufpause zwischen den ansonsten rasanten und energiegeladenen Liedern.

Beim letzten Song erschien außerdem Eric Fish als Gastsänger auf der Bühne. Das war eine naheliegende Idee, schließlich gehörten Subway to Sally zu den späteren Bands des Tages. Während dieses Liedes ließen Fiddler’s Green ihren Geiger Tobias Heindl in einem Schlauchboot über die Menge tragen, selbstverständlich ohne dass er sein Spiel unterbrechen musste. Eine durchaus faire Entscheidung, schließlich hatte sich bereits am Vortag ihr Drummer Frank Jooss beim Auftritt von Hämatom auf ähnliche Weise von der Crowd tragen lassen.

Die Apokalyptischen Reiter

Neben Fiddler’s Green und Knorkator gehörten auch Die Apokalyptischen Reiter zu den großen Wiederholungstätern auf dem Rockharz, welche dieses Jahr dort spielen durften.. Nachdem sich die Besucher*innen zuvor bereits die Hände wundgeklatscht hatten, wurden sie nun vor allem als Stütze für Crowdsurfer und beim lautstarken Mitsingen gefordert.

Bereits beim zweiten Lied wurden die ersten Personen emporgehoben und in Richtung Bühne getragen. Es waren im Lauf des Konzertes eine Menge Menschen, die sich sich so tragen ließen, und nur selten riss der Strom an Surfer*innen wirklich ab. Von der Tribüne aus bot sich ein beeindruckender Anblick. 

Die Setliste der Apokalyptischen Reiter bestand fast ausschließlich aus Liedern von älteren Alben. Es wurden Lieder aus Riders on the Storm, Licht, Tief.Tiefer und Der Rote Reiter gespielt. Für Fans der älteren Werke war der Auftritt ein wahres Fest.

Biohazard

Der Freitag stand ganz im Zeichen der US-amerikanischen Bands, und der nächste Auftritt gehörte Biohazard aus Brooklyn. Die Hardcore-Band zählte zugleich zu den ältesten Formationen der gesamten Running Order und durften, passend dazu, einen Tag nach ihren großen Vorbildern Agnostic Front zur gleichen Uhrzeit auf der Bühne stehen.

Die Musiker von Biohazard waren längst keine jungen Männer mehr, standen jedoch durchtrainiert und teilweise oberkörperfrei auf der Bühne und versprühten eine Energie, die mühelos mit der von Walls of Jericho mithalten konnte. Ich war tief beeindruckt von ihrer Bühnenpräsenz und ihrer körperlichen Leistung, da sie kaum einen Moment innehielten. 

P.O.D.

Wie blieben auf dem Kontinent auf der anderen Seite des Atlantiks und widmeten uns einem auf dem Rockharz eher seltenen Genre: christlichem Nu Metal mit P.O.D.. Auf einem Festival wo in den vergangenen Jahren auch viele Extreme-Metal-Bands mit düsteren, brutalen und teils satanischen Themen auftraten, wie zum Beispiel Cradle of Filth und Behemoth 2015 oder Dimmu Borgir 2024 oder dieses Jahr mit Emperor und Kreator. Auf diesen Bühnen hatten sich bereits teuflische Szenen abgespielt und genau dort durfte auch P.O.D. auftreten. Für mich wirkte diese Wahl zunächst etwas ungewöhnlich, wobei Country oder Redneck-Cover-Folk ebenfalls nicht gerade zum Standardprogramm gehörten. Dennoch erwies sich auch diese Entscheidung als ausgesprochen gelungen.

Musikalisch überzeugten mich P.O.D. auf ganzer Linie. Vor allem die rockigeren und temporeicheren Songs gefielen mir ausgesprochen gut, allen voran Youth of the Nation.

Auch in der Crowd herrschte wieder ausgelassene Stimmung. Erneut bildete sich ein Circle Pit, doch besonders beeindruckte mich ein Crowdsurfer, der elegant am Rand der Menge entlanggetragen wurde, ohne losgelassen zu werden. Das wirkte wie ein kleines Kunstwerk.

Subway to Sally

Kurz vor dem Headliner Kreator standen noch zwei weitere bekannte Bands auf dem Programm. Den Anfang machten Subway to Sally. Die deutschsprachige Folk Metal-Band war nicht nur etwas älter als das Rockharz selbst, sondern trat bereits zum siebten Mal auf diesem Festival auf und teilt sich den dritten Platz unter anderen den Headliner des Samstags, Feuerschwanz.  Ihren ersten Auftritt hatten die Musiker bereits 2004 in Osterode absolviert. Somit waren inzwischen mehr als 20 Jahre seit ihrem Debüt auf dem Rockharz vergangen.

Neben dieser beeindruckenden Statistik war die Band auch musikalisch erneut ein Genuss. Sie spielte fast ausschließlich Klassiker wie EisblumenKleid aus RosenTanz auf dem Vulkan und natürlich Julia und die Räuber. Die Besucher*innen erwiesen sich dabei als äußerst textsicher, und die Crowd wurde während des gesamten Konzerts nicht ein einziges Mal leise. Keine der zuvor aufgetretenen Bands hatte an diesem Tag ein Publikum erlebt, das so laut und sicher mitsang. Als kleine Überraschung gab es ein „Medley“ aus Liedern, die sie bei ihrem ersten Auftritt auf diesem Festival spielten. 

Ich bin gespannt, wann Subway to Sally zum achten Mal auf einer der Rockharz-Bühnen stehen würden.

Airbourne

Der zweite Co-Headliner des Abends war die australische Hard-Rock-Band Airbourne und bildete einen gelungenen Übergang zum Headliner Kreator.

Besonders beeindruckten mich die mitreißenden Riffs der Band, allen voran die von Sänger und Gitarrist Joel O’Keeffe. Joel betrat oberkörperfrei die Bühne, goss sich zunächst eine Flasche Wasser über den Kopf und legte anschließend direkt mit dem Konzert los. Im Lauf des Konzertes rannte und sprang er über die Bühne, ohne dabei sein Instrument aus der Hand zu legen oder auch nur eine Sekunde mit dem Spielen aufzuhören. Im ersten Drittel unterbrach sich Joel in seiner Darstellung, um ein kleines Spiel mit der Crowd zu spielen.

Nach einem der ersten Lieder stellte ein Crewmitglied einen Tisch mit mehreren Bechern auf die Bühne. Diese waren mit einer Flüssigkeit, ich vermute Bier, gefüllt. Diese Becher warf Joel anschließend großzügig in die Menge. Das erinnerte mich an den letzten Auftritt von Airbourne auf dem Rockharz im Jahr 2024. Damals hatte Joel ebenfalls mit Bechern hantiert, sie jedoch gezielt auf Crowdsurfer geworfen. Das Ziel war, dass eine surfende Person den Becher während der Fahrt durch die Menge fing. Dafür waren damals einige Versuche und zahlreiche Crowdsurfer nötig gewesen, bis es schließlich klappte. Dieses Mal verzichtete die Band auf diese Herausforderung, doch die Aktion sorgte dennoch wieder für einen unterhaltsamen Moment.

Kreator

Es wurde Zeit für den dritten Headliner des diesjährigen Rockharz, und dafür hatte sich das Festival die Thrash-Metal-Schwergewichte von Kreator eingeladen. Von den Big Four of Teutonic Thrash Metal hatten inzwischen alle Bands auf dem Rockharz gespielt, doch an diesem Freitag gehörte die Bühne allein Kreator und sie dominierten den Abend in vielerlei Hinsicht.

Die Crowd glich einem riesigen schwarzen Meer, das sich über das gesamte Infield erstreckte. Nachdem die Band die erste Wall of Death des gesamten Festivals ausgerufen hatte, ging diese nahtlos in einen gewaltigen Circle Pit über. Dabei wurde so viel Staub aufgewirbelt, dass er im Schein der Bühnenlichter deutlich sichtbar war. Einige Besucher*innen im Pit trugen Tücher vor Mund und Nase und im roten Licht der Bühne wirkte die Szenerie auf mich wie ein anarchischer Hexenkessel direkt aus der Hölle. Als ich darüber hinweggetragen wurde, bekam ich eine echte Gänsehaut.

Auch die Pyroshow von Kreator wusste zu beeindrucken. Für Phantom Antichrist wurden zwei Säulen mit schwarzen Gerippen auf der Bühne aufgebaut und während des Songs in Flammen gesetzt. Nachdem die abgebrannten Requisiten wieder entfernt worden waren, folgte direkt die nächste Überraschung.

Sängerin Britta Görtz, die zuvor bereits mit Hiraes auf dem Festival aufgetreten war, betrat für ein Duett bei Tränenpalast die Bühne. Gemeinsam mit der eindrucksvollen Pyroshow bildete dieser Moment den Höhepunkt des gesamten Auftritts.

Kreator lieferten für mich bis dahin den stärksten Headliner-Auftritt des Festivals ab und legten die Messlatte für den kommenden Tag verdammt hoch. 

Saint City Orchestra

Um die erhitzten Gemüter der Besucher*innen nach den vorherigen Auftritten etwas abzukühlen, bot das Rockharz die Band Saint City Orchestra als Afterheadliner an für diesen Abend an. Die Schweizer Folk-Punk-Band brachte jede Menge gute Laune und eine Vielzahl klassischer Folk-Instrumente mit. Genau das Richtige nach dem akustischen Inferno von Kreator.

Neben E-Gitarre, Bass und Schlagzeug gehörten auch Dudelsack, Akkordeon und Geige zum Instrumentarium der Band. Mit dieser Mischung brachte sie die Crowd ein letztes Mal an diesem Tag ordentlich in Bewegung. Zwar war das Publikum zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so groß wie beim Headliner, dennoch versammelten sich noch immer schätzungsweise über 2.000 Menschen vor der Bühne.

Für mich bildete Saint City Orchestra einen gelungenen Kontrast zu den meisten Bands des Tages und rundete zusammen mit anderen Bands die brutale und aggressive Auftritte in der Running Order des Freitags auf stimmige Weise ab und schuf so ein ausgeglichenes und schönes Erlebnis auf dem Rockharz. 

Fazit

Mit Saint City Orchestra endete schließlich auch der Freitag auf dem Rockharz. Der Tag wurde vor allem von zahlreichen knallharten Bands aus den USA geprägt, denen melodischere Acts aus Deutschland gegenüberstanden. So wechselten sich Auftritte von Bands wie Hiraes und Walls of Jericho mit ihren beeindruckenden Frontfrauen mit den vielseitigen und melodischen Konzerten von Subway to Sally und Die Apokalyptischen Reiter ab. Die Krönung bildete die gewaltige Hard-Rock- und Thrash-Metal-Doppelspitze aus Airbourne und Kreator.

Das Infield wurde emotional zwischen zwei musikalischen Extremen hin- und hergerissen und genau diese Mischung machte den Freitag für mich so besonders. Entsprechend gespannt war ich darauf, was der Samstag und sein Line-Up noch bereithalten würden. Schaut in unseren Bericht über den letzten Tag auf dem Rockharz an, um mehr darüber zu erfahren. 

 

Bericht: Nori
Bilder: Roksana

 

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